"Schnöde Metzelei und Sammelei, die erzählerisch und spielerisch seicht vor sich hinplätschert. Kein Knistern, keine Spannung, kein Abenteuer." - Sebastian Thor

Ich bin geschockt. So mies hat mich seit Jahren kein Rollenspiel mehr unterhalten. Die blutleere Gothic-Welt, seit Götterdämmerung mit zwei gebrochenen Armen und Beinen auf einer Müllhalde liegend, ist nun um ein zertrümmertes Genick reicher. Erschreckend, wie kalt mich Diego, Lester, Gorn und Co. lassen, wenn Spellbounds Muse alle Viere von sich streckt. Wer hat diesen Böser-König-verfällt-dem-Wahnsinn-Schmarren abgenickt? Wer hat dieses furchtbare Dialogwerk zu verantworten, all die Nichtig- und Belanglosigkeiten?

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Wer hat sich diesen schrecklichen, ziellos an mir vorbeiplätschernden Sammel- und Schnetzelmurks ausgedacht? Und wieso kann ich den Krieg, der ja an jeder Ecke toben sollte, nicht hören, sehen, fühlen? Wie ein Blödpaul schlappt der Held über tolle Wiesen und Felder mit wippendem Gras, klatscht Käfer und Goblins, plündert Truhen, aber es funkt einfach nicht. In diesem Arcania nervt nicht der hässliche Pixel hier, der Clipping-Fehler oder der grausige Effekt am Himmel. Für ein packendes Abenteuer, das Jowood so lange versprochen hat, müsste man das komplette Drehbuch umschreiben – und einen fähigen Autor engagieren.

Es geht nicht um strammstehende Bauchrednerpuppen in den Dialogen, nicht um geklonte Bewohner oder das zusammengestauchte Charaktersystem – das kann ich als Abenteurer alles verschmerzen, solange das Wichtigste stimmt: urige Charaktere, Geschichte, Atmosphäre. Doch spätestens, wenn ich in einer Stadt sämtliche Häuser ohne Reaktionen plündern kann, in gähnend leeren Tavernen stehe und zum zehnten Mal zum Pilzesammeln abkommandiert werde, vergeht mir die Lust aufs Abenteuer. Selbst das zusammengeflickte Gothic-3-Add-on Götterdämmerung ist in Sachen Figurenverhalten und Spielwelt stimmungsvoller als diese leichenblasse Totenstarre.

Was bringen mir kilometerweite Landschaften, wenn ich die Welt nicht erforschen kann, wenn keine knisternde Kerkerstimmung aufkommt und wenn mich das Abenteuer am ausgestreckten Arm verhungern lässt? Bitte, Jowood, lasst dieses einst so faszinierende Universum auf immer und ewig ruhen.

Arcania: Gothic 4 ist bereits für PC & Xbox 360 erhältlich und erscheint demnächst für PS3. Jetzt bei Amazon kaufen bzw. vorbestellen.

Pro

  • Viele alte Gothic-Sprecher dabei
  • Kurze Ladezeiten beim Quickload
  • Teils gutes Monsterdesign
  • Nette Zaubersprucheffekte
  • Ordentlicher Soundtrack
  • Übersichtliche Menüs
  • Ansehnliche Kulisse

Contra

  • Langweilige Dungeons ohne Fallen und Überraschungen
  • Schwaches Stadtleben ohne Reaktionen
  • Kaum Entscheidungsfreiheit
  • Doofe Sammel- und Schnetzel-Quests
  • Kastrierte Charakterentwicklung
  • Schwachbrüstiges Kampfsystem
  • Unterirdisches Dialogwerk
  • Erzählerisch schwächlich
  • Leblose Wildnis
  • Leere Spielwelt
  • Einiges an Bugs

Grafik

Sieht gut, aber furchtbar seelenlos aus. Bis auf das hässliche Wasser und den groben Himmel kann sich die Landschaft sehen lassen. Freut euch aber auch auf viele Grafikfehler und eine Welt, die euch vor der Tür versauern lässt. Es gibt einfach kaum etwas zu entdecken.

Sound

Kenner freuen sich auf viele alte Gothic-Sprecher, die leider an den unterirdischen Dialogen scheitern. Klingt stellenweise richtig gut, ja, aber was sie sagen, ist an den Haaren herbeigezogen. Der Soundtrack ist ordentlich, bei weitem nicht so schön markant wie der von Piranha Bytes, aber man kann ihn sich anhören.

Gameplay

Tja, was soll man sagen? Kloppen, sammeln, Unsinn reden, aufsteigen, neue Waffen ausrüsten und ab in die nächste langweilige Quest. Macht nicht wirklich Spaß, zumal die Geschichte seicht vor sich hinplätschert. Was habt ihr nur aus Gothic gemacht?