Als ich sie zum letzten Mal sah, war sie bleich und abgemagert. Das kernige Funkeln in ihren Augen war verschwunden, sie stotterte und schämte sich, die Muse. Die Fantasie war gewichen und saß zitternd in der Ecke.

Arcania: Fall of Setarrif - Erster Trailer

„Macht, dass es schnell vorbei ist“, stammelte sie verstört und deutete auf dem Globus nach Österreich. Dort hatte man sie, die Muse, geopfert für primitives Gekloppe und Dialoge zum Fremdschämen. Sie, die uns einst in einer rauen Gefangenenkolonie einsitzen ließ, einem Auffangbecken für dreckig-speckige Halunken aller Art, mit spielerischen Reaktionen, kleinen und großen Konsequenzen, die noch in der „Generation Skyrim“ nachhallen. Heute darf sie das nicht mehr.

Was sie früher erzählte, waren wild-romantische, derbe, grundehrliche Geschichten von fanatischen Strafgefangenensekten und dem Land, das hinter dem Gefängnis liegt. Heute schleppt sie sich vor sich hin und kündet von Dämonen, die eine Stadt namens Setarrif angreifen. Mehr Drumherum gibt es nicht.

Arcania: Fall of Setarrif - Letzter Sargnagel: Ist jetzt endlich mal Schluss?!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 25/281/28
Die Kulisse sieht ganz gut aus, aber zu entdecken gibt es so gut wie nichts. Bis auf Gegner.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Während ich in der Rolle eines austauschbaren Schönlings durch die Gräben der verfallenen Ruinen renne und blöde Monster wie am Fließband klatsche, steht sie am Rand und verdreht die Augen. Wo ist die Gemütlichkeit verrauchter Tavernen hin? Wo sind die rauen Kerle mit den brummenden Männerbässen, wo die geheimnisvollen Situationen abseits des strunzdämlichen Geknüppels?

Dass der letzte Funken Fantasie gewichen ist, wird spätestens klar, wenn man „Arcania: Fall of Setarrif“ am Stück erlebt. Unterm Strich tut man nicht mehr, als sich durch einen Küstenstrich, danach durch eine Höhle, einen Schlauchstrand, ein paar Ruinen und zum Schluss noch mal durch einen Dungeon zu schlitzen. Sie wäre beschämt, hätte sie bis zum Ende an meiner Seite gestanden. Deckel zu in vier bis fünf Stunden.

Packshot zu Arcania: Fall of SetarrifArcania: Fall of SetarrifErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Es gibt kein Abweichen vom Weg, kein Stöbern in alten, urigen Türmen, keine aufregenden Nebenaufgaben, nichts. Schlimmer als das, was Jowood damals mit der „Gothic 4“-Narrenkappe losschickte, hat dieses Add-on keinerlei Richtung, keine Entwicklung, weder inhaltlich noch spielerisch.

Arcania: Fall of Setarrif - Letzter Sargnagel: Ist jetzt endlich mal Schluss?!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden3 Bilder
Die vielen alten Bekannten wirken merkwürdig deplatziert. Weder Hagen noch Diego oder Lester retten das Abenteuer.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und die Welt, in der es spielt, ist eine sterile, künstliche, langweilige. Eine, in der das Spannendste vom Tage das Entdecken einer Kiste am Wegesrand ist. Eine, in der nichts passiert, solange man nicht selber am entsprechenden Ort steht. Und selbst dann muss man den Gegner schon mit lautem Gebrüll angreifen oder ihm auf den Pelz rücken, damit er sich rührt. Aber immerhin: Wenn es regnet, sieht das auf dem Boden verlaufende Wasser super aus.

Drumherum tut sich nichts: Es sind dieselben Salzsäulen von Figuren, die sich die Beine in den Bauch stehen, dieselben dummen Sprüche, dieselben geklonten Gesichter, dieselben fehlenden Reaktionen in derselben spröden Umwelt. Wenn man den Entwicklern die Hand zum Kompliment reichen möchte, dann nur für das, was sie an der technischen Oberfläche leisten. Mit den meterhohen Palmen und dem dichten Gestrüpp, den Felsen, kurzum: der Grafik.

Gott sei Dank ist's schnell vorbei. Ruhe auf ewig, was auch immer du mal werden wolltest.Fazit lesen

Ja, ansehnlich ist es durchaus, aber das war auch schon das Hauptspiel. Der Soundtrack kann im Pausemenü kurzzeitig wehmütige Erinnerungen an ein süßes Früher wecken, an die großen, geheimnisvollen Abenteuer zwischen Schwertküste, Wyzima, Khorinis und Tamriel. Doch spätestens im nächsten Gefecht ist das alles wieder dahin.

Arcania: Fall of Setarrif - Letzter Sargnagel: Ist jetzt endlich mal Schluss?!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 25/281/28
Selbst riesige Dämonen sind keine große Hürde.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wer auch nur einen packenden Kampf mit Geralt von Riva überstanden hat, muss sich am Kopf kratzen und fragen, ob das ernst gemeint sein soll. Die Gegner sind träge und schlagen mit einer Arschruhe in eine Richtung, während ich längst ausgewichen bin und ihnen in den Rücken prügele. Gilt für Skelette ebenso wie für halbnackte Amazonen und dem Wahnsinn verfallene Paladine.

In den meisten Fällen reicht solch rüdes Linksklickgerammel aus. Wenn nicht, muss ich mich seitlich abrollen, in den Rücken des Gegners gelangen und noch ein paar Mal zuschlagen. Man muss ihnen zugutehalten: Sie wehren sich wenigstens ab und zu. Oft genug kann ich Orks, Minecrawler und Co. allerdings auch durch Absperrungen prügeln.

Toll immerhin: Hängt ein Gamepad am Rechner, kann man jederzeit umsatteln – auch ohne Neustart. Nur wie man in den Menüs ohne Maus zurechtkommt, etwa im Tagebuch oder Inventar, darüber hat sich offenbar keiner einen Kopf gemacht...