Wichtige Warnung: Dieser Text, in dem es hauptsächlich um Jetskis gehen wird, ist nur für Erwachsene. Alle, die nicht volljährig sind, müssen jetzt weglesen. Warum? Weil es, wenn es um Jetski geht, so ziemlich genau eine nennenswerte Reihe gibt, und deren letzter Titel erschien nun einfach mal 2001. Und nur, wer zu dem Zeitpunkt alt genug war, um das Ganze wirklich zu erleben, kann den Schmerz verstehen, die unbändige Qual – was es heißt, seitdem ohne feucht-fröhliche Rennspiele auszukommen.

Gut, ich gebe es zu: Ich übertreibe maßlos. Tatsächlich gab es seit Wave Race: Blue Storm auf dem GameCube ein paar wenige Wasser-Rennspiele, aber das mein ich nicht. Tatsächlich scheint es vielmehr so, dass es niemandem recht zu fehlen scheint, dass man nicht mehr wie ein glitschiger Stein über virtuelles Wasser hüpfen kann. Die Lücke, die das Genre hinterlassen hat, ersetzt es vollkommen. Falls dem nicht so ist: Habt ihr eine bessere Erklärung dafür, warum keine Sau nach einem Jetski-Rennspiel schreit und es auch quasi kein Entwickler auch nur in Betracht zieht, solche Games zu machen?

Aqua Moto Racing Utopia - Neue Schwedische Welle: Der geistige Wave-Race-Nachfolger?

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Eigentlich kamen wir ganz gut ohne Jetski-Games aus. Hoffentlich wird das für AMR Utopia nicht zum Genickbruch.
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Das feige "quasi" im letzten Satz lässt natürlich Ausnahmen zu, in diesem Fall ist ihr Name Resolution Interactive. Was treibt das schwedische Studio dazu, seit Jahr und Tag an der mittlerweile mehrteiligen Serie Aqua Moto zu werkeln? Ist es die Leidenschaft für ein vergangenes Genre? Der kommerzielle Anspruch, über iOS-Spiele Geld zu verdienen? Die Tatsache, dass ihnen am nördlichsten Zipfel der Welt je nach Jahreszeit rund um die Uhr die Sonne oder der Mond auf die Mütze knallen und sie dadurch möglicherweise völlig gaga sind?

Jedenfalls erhebt sich die rasante Planscherei mit dem aktuellen, bald im Early Access erhältlichen Teil mit dem äußerst griffigen Titel "Aqua Moto Racing Utopia" von Smartphone und Tablet auf die großen Konsolen und den Rechner. Jetzt geht es um die wässrige Wurst, und die Frage ist nicht, ob Utopia (vollkommenst hirnrissiger Name, übrigens) den Ansprüchen gerecht werden kann. Die Frage ist erst einmal: Welche Ansprüche? Wir haben ja überhaupt keinen Vergleich! Zumindest für unseren Ersteindruck muss also die älteste und wichtigste Frage genügen: Macht es Spaß?

Nun... jein. Im Grunde war es schon launig, sich von den Kollegen vorm Splitscreen abziehen zu lassen und meine fehlenden Lenkkünste darin auszudrücken, mit Vollkaracho gegen Banden zu brettern. Abgesehen von den normalen Rennen gab es einen der Spaßmodi zu sehen, in dem die Spieler versuchen, sich gegenseitig Quietscheentchen abzuluchsen, um den eigenen Punktestand zu erhöhen, und eine Art Übungs- und Entspannungs-Hub, in dem man neben ein paar Nicht-ganz-Trockenübungen mit dem eigenen Gefährt vollführen und einige Sammelitems beäugen kann.

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Das Wasser ist, wie in jedem dieser Games, der Star - aber selbst das ist eher zweckmäßig gelungen.
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Das klingt nett, zumal es in Utopia ein Tricksystem gibt, mit dem man sich auf seiner motorisierten Flitzeboje verrenken kann, um diesen oder jenen Stunt zu vollführen. Aber das Tricksystem, wie auch die sammelbaren Objekte, scheint momentan reiner Selbstzweck und zudem reichlich flach zu sein. Man hat, mit anderen Worten, nach 30 Sekunden Fahrt in einem der Relaxbereiche so sehr relaxt, dass man sich langweilt. Und im Spaßmodus... sagen wir, ich hatte schon mehr Spaß, zum Beispiel in so ziemlich jedem anderen arcadigen Racer, selbst, wenn dieser nicht auf Wellen stattfand. Eine normale Runde Mario Kart ist jeden Tag der Woche dem vorzuziehen, was wir in unserer Präsentation gesehen haben.

Feucht, aber nur bedingt fröhlich. Bislang sieht Utopia aus, als ob es trotz seiner Einzigartigkeit schnell an Reiz verliert.Ausblick lesen

Es wirkt bislang so, als wären programmatisch herbeispekulierte Punkte abgearbeitet worden, die man für die modernen Konventionen eines Genres halten könnte, das es gar nicht erst in die Moderne geschafft hat – ohne sich dabei die notwendige Frage zu stellen, ob es nicht vielleicht gute Gründe dafür gibt, dass es überhaupt erst verschwunden ist. Abkürzungen auf den Strecken, von denen es immerhin reichlich viele geben soll und die trotz einer gewissen Kürze bislang auch ganz süß aussehen, werden jedenfalls nicht das Allheilmittel sein. Ebenso wenig der Charaktereditor, der zwar in einem Spiel, in dem man seinen Fahrer so deutlich sieht, irgendwie Sinn ergeben mag, der aber dennoch in einem sehr geringen Rahmen stattfindet und höchstwahrscheinlich Beiwerk sein wird. Und vielleicht gibt es da draußen Enthusiasten, die sich über die mehr als 40 verschiedenen Wassergefährte sehr freuen werden, aber selbst wenn, ist momentan noch nicht abzusehen, wie viel Einfluss sie auf das Fahrverhalten werden haben.

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Viel Inhalt, wie Fahrzeuge und Strecken, scheinen momentan zu den großen Stärken zu gehören.
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Meine Spekulation: Mehr als gar nicht, aber weniger, als dass es eine wirkliche Anreicherung des Spielspaßes zur Folge hätte. Das würde nämlich ins Schema passen. Wenn etwa Resolutions CEO Matti Larsson seine taugliche, aber insgesamt verdammt durchschnittliche Wasserphysik herzeigt, dann kann man es noch auf puren Elternstolz schieben. Wenn man dann aber im Spiel feststellt, dass der Einfluss der Wellen aufs Fahrgefühl binär ist (entweder, man bemerkt sie nicht, oder man hüpft wie ein Karnickel auf einem Ska-Konzert), dann ist da alle Idee, alles Konzept leider vergebens.

Es ist nicht so, dass das bislang Gesichtete schlecht wäre. Vielmehr ist es einfach nichts besonderes, und das muss man aber erst mal schaffen, wenn man faktisch ohne Konkurrenz operiert. Es ist ein Spiel nicht nur kleiner Ressourcen, sondern gefühlt auch kleiner Ideen, kleiner Umsetzungen – und bisher ultimativ kleinen Spielspaßes. Sofern also der nicht gezeigte Inhalt nur die Verlängerung des schon Gespielten ist, dann haben wir hier höchstens eine Bremsschwelle auf dem Weg zum nächsten richtigen Spiel zu erwarten – eine kurze Ablenkung, die unseren Mundwinkel leicht nach oben zieht, bevor wir sie für immer vergessen. Drücken wir die Daumen, dass es nicht so ist.