Ein stetes Wehklagen ertönt aus der Wii-Gemeinde. Ein Jammern und Stöhnen, das sich immer wieder auf’s Neue über den Hohepriestern der Heilsversprechung ergießt: Wo bleiben die guten Games, wo sind die echten Highlights, wann hört der Casual-Wahnsinn auf? Die Jünger des Großen N sind verzweifelt, sie fragen sich: Wie viele Minispielsammlungen erträgt ein Mensch? Doch höret, ihr leidgeprüften Wesen, ihr Suchenden, euer Klagen hat ein Ende.

Denn siehe, es ward Licht. Nach Jahren der Dunkelheit ohne einen Silberstreifen am Horizont hat sich nun endlich ein Entwickler-Team erbarmt und rettet die Wii vor dem Versinken in den Ausscheidungen des Casual-Games-Markt. Anno: Erschaffe eine neue Welt gelingt geschickt die Balance zwischen einem „echten“ Anno, einer knallharten Wirtschaftssimulation und einem einfachen, neuen Zugang, wie ihn eben genau die Wii bietet.

Kein Mensch ist eine Insel

Es fängt alles mal wieder auf einer Insel an. Egal, ob man nun den Story-Modus verfolgt oder sich im Endlos-Modus probiert: Ein einsamer Strand ist die erste Anlaufstelle für jede hoffnungsvolle Siedlung. Schnell sind ein paar Hütten hochgezogen und schon fangen die Probleme an: Denn die neuen Bewohner verlangen nach Nahrung, Kleidung, Entertainment. Also ein paar Fischer engagiert, um wenigstens die Grundversorgung zu sichern, doch schon taucht das nächste Problem auf: Die Rohstoffe gehen zur Neige.

Anno: Erschaffe eine neue Welt - Das Erfolgsrezept begeistert auch auf Wii

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Anno: Erschaffe eine neue Welt braucht sich nicht hinter dem großen PC-Bruder zu verstecken.
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Also schnell eine paar Holzfällerbuden aus dem Boden stampfen und ein paar Minen errichten, um die leeren Lager zu füllen. Die Betriebskosten verschlingen allerdings den Etat und schon schwinden die finanziellen Mittel. Also noch ein paar Hütten bauen, noch mehr Bewohner auf die Insel ziehen, Steuern erhöhen. Mehr Nahrung wird verlangt, zudem wollen die undankbaren Untertanen spezielle Wünsche erfüllt haben, um sich weiterzuentwickeln.

Als zottelige Siedler fühlen sich die Untertanen nämlich plötzlich nicht mehr wohl, sie wollen viel lieber Bürger sein. Und auch die können in einen weiteren Stand gehoben werden: Fünf gibt es insgesamt. Also braucht es neue Produktionsstätten: göttlichen Beistand in Form einer Kapelle oder eine Klosterschule. Direkt daneben ein Wirtshaus.

Packshot zu Anno: Erschaffe eine neue WeltAnno: Erschaffe eine neue WeltErschienen für DS und Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Ausgewogen und fordernd

Immerhin zahlt jeder höher entwickelte Einwohner auch mehr Steuern. All diese Faktoren müssen über ein geschicktes Management geregelt werden, um nicht gleich in Finanznöte zu geraten. Das Balancing von Anno: Erschaffe eine neue Welt ist gut ausgewogen und erfordert Fingerspitzengefühl: Wer stupide einfach nur Rohstoffe produziert oder nur Häuser in die Gegen pflanzt, um möglichst viel Steuern einzunehmen, wird schnell an seine Grenzen stoßen.

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Über das praktische Ringmenü hat man alle Gebäude schnell gewählt und gebaut.
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Natürlich hat Anno auf der Wii nicht die Tiefe eines PC-Anno. Dafür aber ein intuitives Steuerungskonzept, welches die Wiimote zum vollen Mausersatz mutieren lässt. Kein sinnlose Geschüttel, kein wildes Gefuchtel mit den Armen. So ruhig und bedächtig hat man die Wiimote selten eingesetzt: Über ein Ringmenü sind alle Gebäude schnell und einfach aufrufbar, die Bauten lassen sich leicht platzieren und wieder entfernen. Alles ist hier gut miteinander verzahnt, Probleme können schnell erkannt und gelöst werden.

Auch das Umherreisen mit den Schiffen, um neue Inseln zu besiedeln oder Schätze zu suchen, ist eine feine Sache. So kann man Schatzkarten erstehen, auf denen eine Kiste mit Reichtümern im Meer versenkt wurde und darf dann mit seinem selbstgebauten Einmaster den Klunker bergen. Meist gibt es Rohstoffe oder ein nettes Sümmchen zu verbuchen. Gefahr bringen einzig ein paar Piraten, denen man Behände davon segeln muss – sonst ist die wertvolle Ladung inklusive Schiff weg.

Nichts für Kriegshandwerker

Die meisten Konflikte in Anno: Erschaffe eine neue Welt werden friedlich gelöst. Kooperation statt Konfrontation ist angesagt. Dem Nachbarn eines auf die Mütze zu geben zahlt sich weniger aus, als einen florierenden Handel mit diversen Gütern aufzubauen. Anno setzt auf den Pazifismus der Spieler – im späteren Verlauf sind zwar militärische Handlungen möglich, meist jedoch sind sie eher kostspielig und haben nicht denselben Effekt wie ein friedliches Nebeneinander. Wenn’s doch im echten Leben auch so einfach wäre.

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Durch bestimmte Gebäude steigen die Einwohner der Stadt zur nächsten Zivilisationsstufe auf.
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Einen großen Wermutstropfen gibt es dann doch in der ansonsten so schmackhaften Simulationskost: Der vollkommen missglückte Zwei-Spieler-Modus. Auf der Verpackungsrückseite ist in dem Piktogramm der Wiimote eine Zwei zu lesen, und man freut sich auf einen ebenso innovativen wie umfangreichen Koop-Modus. Leider Fehlanzeige. Der Mitspieler darf mit seiner Wiimote ein paar Verschönerungen an den Gebäuden vornehmen, Bäumchen pflanzen, Feuer löschen oder ein wenig Wind in die Segel der Schiffe blasen, um diese schneller voranzutreiben. Ein wirklicher Fulltime-Job ist das leider nicht und wird für den zweiten Wiimote-Halter schnell langweilig.

Anno: Erschaffe eine neue Welt zeigt, dass Aufbaustrategie verdammt gut auf der Wii funktioniert – und dass sich auch endlich wieder richtige Spiele auf Nintendos weißer Wollmilchsau einfinden.Fazit lesen

Hier wäre eine andere Lösung wünschenswert gewesen. Ebenso vermisst wird man einen Online-Modus, in dem mit anderen Wii-Spielern um die Wette gesiedelt werden kann. Hier hat die Konsolenfassung von Civilization klar die Nase vorne. Dennoch ist Anno: Erschaffe eine neue Welt ein frischer Wind auf der Wii, der den Casual-Mief der letzten Jahre aus dem Zimmer vertreibt.