Wer in der Mainzer Innenstadt nach Related Designs sucht, muss schon sehr genau wissen, wohin er will. Versteckt in einer Einkaufspassage tüfteln die Entwickler des Aufbaustrategiehits Anno 1404 nach eigenen Angaben seit März 2010 in aller Ruhe an dessen Nachfolger, der zusammen mit dem Ubisoft-Studio Blue Byte entsteht. Die aus ganz Deutschland angereiste Pressemeute war gespannt: In welches Jahrhundert verschlägt es die Wuselstrategen diesmal?

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„It‘s time to face the future“

„Wir haben uns lange mit der Frage beschäftigt, wie es weitergehen soll, und sind bald zum Schluss gekommen, dass wir mutiger werden müssen“, so Creative-Director Dirk Riegert. „Wir wollten nicht einfach weitermachen wie bisher, es sollte nicht nur eine Evolution sein, sondern eine kleine Revolution der Anno-Serie. Uns war klar, dass jetzt ein großer Schritt folgen muss, und deshalb geht es mit Anno 2070 ab in die Zukunft.“. Die Katze ist also aus dem Sack, die Überraschung gelungen. Doch was bedeutet dieser extreme Zeitsprung, welche Auswirkungen hat er auf die bekannten und geliebten Mechanismen, die Wuselatmosphäre?

Anno 2070 - It‘s time to face the future

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Der von Schwerindustrie geprägte Städtebau der Tycoons ist nichts für depressive Gemüter.
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Prinzipiell lassen sich etwaige Befürchtungen, Anno wäre aufgrund zu gravierender Änderungen kein Anno mehr, bereits jetzt beiseite wischen. Denn so weit sich das derzeit beurteilen lässt, wird mit 2070 das bewährte Anno-Spielprinzip im Großen und Ganzen lediglich auf eine aktuellere Thematik übertragen. Gleichzeitig soll das neue Setting, in dem „Energie“ eine dominante Rolle spielt, mehr spielerische Freiheiten erlauben.

Fans können demnach aufatmen: Anno bleibt also auch zukünftig eine wirtschaftsbasierte Aufbausimulation mit enormer Liebe zum Detail. So gibt es zwei gegensätzliche Fraktionen (mit einigen „Grautönen dazwischen, zu denen man sich jedoch noch nicht äußern wollte), die nach eingehender Analyse der beiden dominierenden Anno-Spielstile „Effizienz“ und „Schönheit“ entstanden sind.

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Die "Arche" dient als wichtiger Umschlagplatz für Waren, aber auch Schiffe werden hier produziert.
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Auf der einen Seite wird es die schwerindustrielle Ausrichtung der Tycoons geben, die alle zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen gnadenlos ausbeuten. Optisch erinnert dieses Szenario ein wenig an das in „Blade Runner“ dargestellte Dystopia. Andererseits setzt die ökologisch und umweltbewusst orientierte Eco-Fraktion auf nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft, auf Naturschutz und regenerative Energien. Hier dominieren helle, naturbelassene Landschaften, aber auch strahlende Mega-Cities. Inwiefern Atomkraft eine Rolle spielt, diskutiert das Team noch.

Beim Blick in eine mögliche Zukunft werde es, so die Entwickler, jedoch kein Richtig oder Falsch geben. „Das ist mit Sicherheit kein Lernspiel“, versichert Riegert, „bei dem ihr befürchten müsst, ständig den erhobenen Zeigefinger vorgehalten zu bekommen.“ Die Welt von Anno 2070 wird sich dynamisch dem jeweiligen Spielstil anpassen und automatisch darauf reagieren, was der Spieler baut, und somit auch etliche Zwischentöne zulassen. Die Demonstration der beiden extremen Positionen bestätigt zumindest, dass es in den bildhübschen Städten vor Details nur so wimmelt.

Nicht komplexer, aber mehr Freiheiten

Tendenziell besitzen die Metropolen eine noch bombastischere Architektur, Spieler werden riesige Techno-Kathedralen entstehen lassen: Während Tycoons auf Schaufelradbagger setzen, die den Boden umgraben oder massiv Wälder abholzen und fossile Brennstoffe fördern, begründen die „Ökos“ ihre Zivilisation auf erneuerbare Energien. Demzufolge sehen wir hier beispielsweise eine Vielzahl von Windrädern. Als technische Grundlage dient übrigens eine von sechs Mitarbeitern aufgebohrte und weiterentwickelte Version der hauseigenen Engine, die jetzt auch DirectX 11 unterstützt.

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Nur Shiny Happy People bei den Ökos?
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Related Designs lässt sich jedoch, was die Ausgestaltung der denkbaren Zukunftsvisionen betrifft, nicht allein vom puren Aberglauben oder Science-Fiction-Filmen leiten. Im Vorfeld recherchierten die Entwickler ausführlich und setzten sich sogar mit universitären Zukunftsforschern zusammen. „Wir haben uns eine hohe Glaubwürdigkeit des Szenarios als Ziel gesetzt. Alle Technologien haben einen Bezug zum Hier und Jetzt und sind nicht aus der Luft gegriffen. Fliegende Autos wird es laut der Experten dagegen wohl nie als Massentransportmittel geben“, weiß Riegert um kleinere Implausibilitäten der neuen Umgebung.

Ob Utopie oder Dystopie - das gewohnte Anno-Gefühl soll bei dieser spannenden Zukunftsvision zentraler Bestandteil bleiben.Ausblick lesen

Insgesamt soll 2070 nicht noch komplexer sein als Anno 1404, man könne nicht immer noch einen draufsetzen und etwa einfach weitere Forschungsschritte draufsatteln. Trotzdem bleiben natürlich alle klassischen Elemente erhalten, Häfen werden eine wichtige Rolle spielen, wie auch die Schifffahrt, und sinnvoll in das neue Konzept eingebunden. Als Beispiel dient eine schwimmende Insel („Die Arche“), die ihre Position ändern kann und als essenzielle Basis mit vielen nützlichen Funktionen (Warentausch, Schiffbau, Landeplattform für Hubschrauber) fungiert.

Interessant ist zudem, dass alle Technologien ihre Vor- und Nachteile haben und es auch zu menschlich verursachten Umweltkatastrophen kommt. Wer im offenen Meer Erdöl fördert, sollte sich beispielsweise mit speziellen Schiffen gegen eine Ölpest wappnen. Breitet sich das Rohöl ungehindert aus, werden als Resultat Förderplattformen durch Explosionen vernichtet und der Ozean kontaminiert.

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Wie immer kann man wunderbar herauszoomen.
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Im Bereich Militär und Diplomatie will Related Designs die Potenziale des Settings als Spannungsfeld nutzen und etwa Effekte der Globalisierung mit einbeziehen. Beide Elemente seien zwar wichtige Bestandteile des Spielablaufs, jedoch wie gewohnt dem Städte- und Wirtschaftsausbau deutlich untergeordnet. Im Vergleich zu 1404 verspricht Riegert, dass alle bekannten Spielmodi von Beginn an im Hauptspiel verankert sein sollen und nicht erst per Patch nachgeliefert werden.

Teil dieses Angebots sind dann auch „innovative Mehrspielermodi“, mit denen ihr „mit Spielern auf der ganzen Welt in Kontakt tretet“. Details wollte man hier noch nicht offenbaren, allerdings machte der Creative-Director klar, dass „Spielerinteraktion und soziale Netzwerke durchaus eine große Rolle spielen sollen“.