Kennt ihr das? Ihr habt etwas schon X-mal gemacht, kennt eigentlich jedes Detail auswendig und wisst ganz genau, was ihr machen müsst, damit etwas Bestimmtes passiert, fangt aber dennoch jedes Mal wieder an. Und dann sitzt ihr da, mit einem seligem Lächeln im Gesicht und freut euch, dass einige Dinge eben doch immer die gleichen bleiben und man sich darauf verlassen kann.

Wer jetzt begeistert: „Ja, das kenn ich!“ gerufen hat, der wird sich vermutlich schon gedacht haben, dass Anno 2070 das Thema der Stunde ist.

Wie in alten Zeiten, nur besser

Seit dem letzten Auftauchen der bunten Aufbausimulation sind ein paar Jahre vergangen und eigentlich dachte man schon damals, dass das Spiel nun eigentlich alles hätte, was man sich wünschen könnte. Es war ein herrliches Gefühl, auf Entdeckertour zu gehen, neue Inseln zu erforschen und zu erschließen. Das war ja auch eigentlich das, was Anno so einzigartig gemacht hat: Die Besiedlung der neuen Welt.

Nun heißt der neueste Spross aus dem Hause Ubisoft aber Anno 2070. Was soll denn da jetzt noch an der Welt neu sein? Was gibt es denn da noch zu entdecken? Kann das Spaß machen?

Es kann. Denn Ubisoft lässt kurzerhand die Polkappen abschmelzen, so dass das Antlitz unserer Erde auf immer verändert wird. Massive Klimaveränderungen sind die Folge, Städte versinken und vorher unfruchtbares Gebiet wird bewohnbar. Neue Technologien ermöglichen die Inbesitznahme der Tiefsee und stellen die Menschheit vor neue Herausforderungen. Die alte Welt existiert nicht mehr. Besiedele die neue!

Anno 2070 - Das beste Anno, das es je gab

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 10/131/13
Entdeckungsreise in die Zukunft: Das neue Anno spielt im Jahre 2070.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das Ansteigen der Meeresspiegel und die starken klimatischen Veränderungen haben die Menschen in zwei große Lager geteilt. Nämlich die Eden Initiative, die sich für ein nachhaltiges Leben im Einklang mit der Natur ausspricht und Global Trust, dessen Anhänger Profit an oberster Stelle ihrer Prioritätenliste sehen und dementsprechend skrupellos auch noch die restlichen Ressourcen des Planeten ausbeuten.

Packshot zu Anno 2070Anno 2070Erschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Als dritte Partei wären da noch die Wissenschaftler von der Organisation S.A.A.T., die im Grunde genommen nur forschen und dabei in Ruhe gelassen werden wollen. In diesem Sinne stehen sie beiden großen Lagern zur Verfügung, wenn denn die Voraussetzungen für die Ansiedlung von Forschern gegeben sind. Das lohnt sich allemal, denn wer Flugzeuge und U-Boote haben will, der kommt um ein gutes Verhältnis zu S.A.A.T. nicht herum.

Anno 2070 - Das beste Anno, das es je gab

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 10/131/13
Umweltschutz vs. Industrie: Was ist besser?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ihr selbst übernehmt in der Kampagne die Rolle eines Archenkommandanten, der weder zur Eden Initiative noch zu Global Trust gehört. Archen sind übrigens riesige schwimmende Stützpunkte, die die Anlaufstellen der Vertreter der Organisationen darstellen. In eurer Arche verwaltet ihr zudem noch Artefakte und Forschungen, die eure Effizienz steigern, wobei ihr diese selbst auswählen könnt. Und weil ihr ein Kommandant einer eigenen Arche seid, versuchen natürlich beide Fraktionen euch auf ihre Seite zu ziehen. Es ist eure Entscheidung, für wen ihr siedeln wollt.

Alles bleibt beim Alten

Nun siedelt ihr also los. Ihr könnt euch in der Kampagne fast immer entscheiden, ob ihr euch auf eine Fraktion konzentrieren wollt oder lieber beide ansiedelt, damit ihr die Vorteile von beiden genießen könnt. Allerdings kommt ihr dann schnell vom Hundertsten ins Tausendste, da sich die Bedürfnisse der beiden Parteien grundsätzlich von einander unterscheiden und sich teilweise sogar ausschließen. Dennoch müsst ihr manchmal diesen schmalen Grat gehen, da ihr beispielsweise mit den Ecos angefangen habt, ihr aber in der nächsten Mission, Schiffe von den Tycoons benötigt.

Wohl oder übel müsst ihr diese nun ansiedeln und versuchen, alle unter einen Hut zu bekommen. Das kann ziemlich knifflig werden und stellt eine Herausforderung dar, zumal unvorhersehbare Katastrophen wie eine Ölpest plötzlich ganze Wirtschaftszweige zusammenbrechen lassen, von denen ein Teil eurer Inselbewohner abhängig ist.

Wunderschön und motivierend: Anno 2070 macht wieder alles richtig!Fazit lesen

Nun liegt es an euch eine entsprechende Ausrüstung zu besorgen, sie auf ein Schiff zu verladen und die Pest wieder einzudämmen. Denn diese hat einen immens schlechten Einfluss auf das Ökosystem der betreffenden Insel, und solltet ihr eine Landwirtschaft betreiben, kann es gut sein, dass eure Leute anfangen zu hungern...

Anno 2070 - Das beste Anno, das es je gab

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 10/131/13
Der Spieler mussen zwischen drei gänzlich unterschiedlichen Fraktionen vermitteln.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und damit kommen wir auch schon zu der zweiten großen Neuerung in Anno 2070: dem Ökosystem. Jede Insel verfügt über eine so genannte Ökobilanz. Ist die Insel sauber und wird nachhaltig bewirtschaftet, ist sie im Plus. Die Einwohner sind zufriedener und die Landwirtschaft erhält starke Boni. Benehmt ihr euch jedoch wie die letzte Umweltsau und quetscht auch noch die letzten Ressourcen aus dem Eiland heraus, wird sie ins Minus fallen. Die Seuchengefahr steigt, die Leute sind unzufriedener, die Farmen bringen kaum noch Ertrag. Aber immerhin klingelt's in der Kasse.

Fast jedes Gebäude hat einen negativen Einfluss auf diese Bilanz. Daher stellen euch sowohl die Ecos, wie auch die Tycoons Strukturen zur Verfügung, die die Ökobilanz wieder auffrischen. Diese sind jedoch recht teuer und kosten viel Strom, aber das sollte es euch wert sein. Wenn nicht, dann wird eure Insel recht diesig und ungemütlich. Es geht nicht ohne Balance!

Vorsprung durch Techs

Kommen wir noch einmal zu den Techs von S.A.A.T. Die stellen nämlich die dritte große Neuerung im Spiel dar. In der Kampagne sind sie häufig vonnöten, um bestimmte Module zu erforschen, und ihr könnt dann die entsprechenden Gebäude bauen. Im Endlosspiel erhaltet ihr erst Zugriff auf die Techs, wenn ihr mit eurer gewählten Fraktion bereits das höchste Level eurer Einwohner erreicht habt.

Um deren Anforderungen nämlich zu erfüllen, braucht ihr Produkte der Techs, welche wiederum erst ab bestimmten Stufen eurer Tech-Siedlung verfügbar sind. Das heißt also: Habt ihr eure Siedlung als Eco oder als Tycoon so richtig auf Vordermann gebracht, steht noch einmal das Gleiche für die Techs an, damit ihr wirklich alle schicken Technologien erforschen könnt.

Es mag nun schon aufgefallen sein, dass sich die Ecos und die Tycoons nicht sonderlich grün sind. Natürlich kommt es hin und wieder zu Kämpfen mit einer anderen Fraktion, mit Piraten oder mit durchgeknallten KIs. Und das ist auch eigentlich wieder die Achillesverse von Anno 2070. Die Spieleserie war nie bekannt dafür, epische Schlachten auf den Bildschirm zu bringen und hatte auch nie die Ambition dazu. Muss ja auch nicht sein in einem Aufbauspiel.

Anno 2070 - Multiplayer Trailer7 weitere Videos

Trotzdem will es mir nicht in den Kopf, warum man dann Wert auf Schlachtschiffe, Kampfflugzeuge (!) und Kriegs-U-Boote legt, wenn dieser Part eh höchstens stiefmütterlich behandelt wird. Leider ist es nämlich so, dass die Grafik, die ansonsten wunderschön anzusehen ist, bei den Kämpfen wieder vergisst, wie man schön ist. Die Geschosse sehen peinlich aus, der Kanonenrauch irgendwie unecht, die Explosionen wirken lieblos und die Animationen, da reden wir mal nicht drüber.

Was die automatisierten Handelsrouten alles richtig machen, macht die Kriegsflotte falsch. Man kann schon von Glück reden, falls ein Schlachtschiff mal reagiert, wenn es angegriffen wird. Und man kann Weihnachten und Geburtstag zusammen feiern, wenn das Kriegsschiff, das ungefähr zwei Meter neben dem Beschossenen schwimmt, ebenfalls zurückfeuert, ohne dazu aufgefordert worden zu sein.

Jedenfalls kann es auf Grund des dämlichen Einheitenverhaltens durchaus vorkommen, dass ein einzelnes Schiff oder Flugzeug die komplette Flotte im Alleingang vernichtet, weil man gerade mit dringenderen Problemen beschäftigt und abgelenkt ist. Ärgerlich.