Autor: Thomas Bayer

Wer von erfolgreichen deutschen Spielen spricht, spricht auch über Anno. Über 500.000 mal verkaufte sich Anno 1503, der zweite Teil der Reihe. Jetzt steht mit Anno 1701 der Nachfolger bereit und schickt sich an, erneut die Verkaufsrekorde zu brechen.

Für den Aufbruch zu neuen Ufern hat sich Sunflowers für die Entwicklerschmiede Related Designs entschieden. Wir haben uns bei Sunflowers den deutschesten aller Titel angeschaut und sagen euch, warum Anno auch dieses Jahr wieder richtig gut wird.

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Endlich Multiplayer!
Trotz des großen Erfolgs des Vorgängers hat man sich bei Related Designs intensiv mit der Kritik aus der Spielergemeinde auseinander gesetzt.

Ergebnis dieser Marktforschung: Endlich gibt es einen Multiplayer-Modus, zudem flog die Kampagne aus dem Programm. Während die Entscheidung, Anno 1701 mehrspielertauglich zu machen in Anbetracht der lautstarken Proteste seitens der Spieler auf der Hand liegt, mutet der Verzicht auf einen Kampagne zunächst seltsam an.

Anno 1701 - Wir haben uns Anno bei Sunflowers angeschaut. Alle Infos über den potentiellen deutschen Megaseller.

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Christian Braun, Producer von Anno 1701 sagte uns auf Nachfrage: "Das Herz von ANNO ist das Endlosspiel. Unsere groß angelegten Community-Befragungen und Marktforschungs-daten haben uns das mehrfach bestätigt. Und da es im Rahmen der Entwicklung nicht möglich gewesen wäre, sowohl ein perfektes Endlosspiel als auch eine ebenso hochwertige Kampagne zu programmieren, haben wir uns zu Gunsten der Qualität auf das Endlosspiel beschränkt. Aber was nicht ist, kann ja immer noch werden..."
Kampagnen-Fetischisten können also durchaus damit rechnen, beispielsweise mit einem Add-On doch eine zusammenhängende Story präsentiert zu bekommen. Bis es so weit ist, bietet Anno 1701 quasi als Ausgleich zur fehlenden Kampagne so genannte Szenarien an. Dies sind voneinander unabhängige Missionen mit festen Zielvorgaben.

Packshot zu Anno 1701Anno 1701Erschienen für PC und DS kaufen: Jetzt kaufen:

Wer sich für das bekannte Endlosspiel entscheidet, darf vor dem Spielstart selber die Siegbedingungen festlegen. Die Möglichkeiten dabei sind vielfältig. So gewinnt ihr beispielsweise nach Erreichen einer bestimmten Bevölkerungsgröße oder wenn ihr eine vorher festgelegte Anzahl von Nebenaufträgen erfüllt habt.

Adel verpflichtet
Diese Aufträge - Side Quests genannt - werden von einem freien Händler vergeben und richten sich an alle Spieler in der Inselwelt. Wer sie zuerst erfüllt, darf mit einer kleinen Belohnung rechnen, die sich am Fortschritt des Spielers orientiert.

So wird man zu Beginn des Spiels eher Werkzeuge und einen kleinen Goldbetrag für die getane Arbeit erhalten, später gibt es dann heiß begehrte Kolonialwaren und einen kleinen Goldregen. Allerdings sind dann auch die Aufträge bedeutend schwieriger zu erfüllen.

Die Aufträge werden öffentlich ausgeschrieben und können auch von euren Mitspieler erfüllt werden. Tretet ihr also im Mehrspieler-Modus gegen menschliche Kontrahenten an, ist Schnelligkeit gefragt. Sonst ist der lukrative Auftrag nämlich weg.

Damit ist Liste der Neuerungen aber noch nicht erschöpft. Zum ersten Mal mit von der Partie ist die Königin. Sie unterstützt euch zu Beginn des Spiels in schlechten Zeiten mit milden Gaben - sprich einer kräftigen Finanzspritze. Damit soll verhindert werden, dass Spieler anfangs zu schnell die virtuellen Hosen runterlassen müssen und in den Schuldturm gesteckt werden. Seid ihr allerdings den Kinderschuhen entwachsen, zeigt die Dame allerdings ihr wahres Gesicht.

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Tribut sollen wir zahlen - und das nicht zu knapp. Wer sich weigert, muss mit dem Angriff den königlichen Truppen rechnen. Wehrt ihr diesen ab, besteht die Chance auf Unabhängigkeit. Dazu ist allerdings richtig fette Armee von Nöten.

Vom Untertan zum freien Mann wird man aber auch anders: Brave Tributszahler oder solche Untertanen, die immer brav die Aufträge von oben erfüllen, können sich die Unabhängigkeit auch verdienen. In diesem Fall ist zwar eine Menge Knete futsch, dafür aber die Staatskasse sicher vor zukünftigen Tributszahlungen.Zuckerbrot und Peitsche
Geld wirkt aber nicht nur bei der Queen Wunder. Auch eure computergesteuerten Mitspieler wissen es zu schätzen, wenn ihr über das komplett neu gestaltete Diplomatiemenü Zaster abdrückt.

Übertreiben sollte man es damit aber nicht. Bietet ihr einem Mitspieler innerhalb kürzester Zeit mehrmals eine Tributzahlung an, begreift dieser schnell, dass sich da jemand einschleimen will. Ob euch jemand wohlgesonnen ist oder vielmehr nach eurem virtuellen Skalp trachtet, lässt sich jederzeit bequem über das Diplomatiemenü einsehen. Diesem ist übrigens auch zu entnehmen, wie die Mitspieler zueinander stehen.

Damit der Umgang mit den KI-Kameraden nicht allzu schnell zur Routine wird, verfügen alle über ein eigenes Persönlichkeitsprofil. Während Fürst Igorr bereits zum Schwert greift, wenn ihr ihn nur einmal schief anschaut, könnt ihr andere allein durch das Betreten ihrer Insel einschüchtern.Um den Frieden - oder zumindest Waffenstillstand - langfristig zu erhalten, dürfen Handelsverträge und andere Bündnisse abgeschlossen werden.

007 lässt grüßen
Fiese Spielernaturen nutzen die so genannten Logenaktivitäten. Nach dem Bau des Logenhauses kann der Spieler durch Forschung verschiedene Logenaktivitäten freischalten. Diese kann er dann gezielt und inkognito gegen die anderen Parteien in der Spielwelt einsetzen, um einen bestimmten Schaden hervorzurufen, oder um eine andere Partei einfach nur zu ärgern.

Ein Beispiel ist der Demagoge: Dieser wird auf die Insel eines anderen Spielers gesetzt und beginnt dort, eine wüste Rede gegen die Arbeitsbedingungen der Arbeiter zu schwingen. Die Folge: Alle Arbeiter der umliegenden Produktionsstätten und Markthäuser versammeln sich rund um den aufrührerischen Demagogen. Dass dabei die Produktion still steht, versteht sich von selbst.

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Damit sind die Möglichkeiten der Geheimdiplomatie aber noch nicht erschöpft: Es dürfen Brunner vergiftet, Revolutionen angezettelt und andere fiese Aktionen durchgeführt werden. Alle Logenaktivitäten sind mit einem Cooldown (Abklingzeit) versehen, damit sie nicht ständig genutzt werden können.

Andere Länder, andere Sitten Aber nicht nur die Mitspieler bevölkern die Welt. Zusätzlich gibt es in Anno 1701 einige Völker, die auf bestimmten Inseln ansässig sind - und diese auch nicht verlassen. Im Gegensatz zu den Vorgängern entwickeln sich diese im Laufe des Spiels weiter. Das macht sich vor allem beim handel deutlich bemerkbar.Während die Inselbewohner zu Anfang des Spiels hauptsächlich Waren zur Sicherstellung der Grundversorgung haben wollen, müsst ihr später weitaus fortschrittlichere Dinge anbieten um euch handelseinig zu werden.

Selbstverständlich gibt's im Austausch dann aber auch Güter, die erst ab einer gewissen Zivilisationsstufe zur Verfügung stehen. Die fremden Völker tauchen übrigens auch im Diplomatie-Menü auf. Wer also keine Lust auf friedliches Miteinander hat, darf den armen Inselbewohnern durchaus Tribut abverlangen oder ihnen den Krieg erklären.

Für noch mehr Abwechslung und eine neue taktische Komponente sorgen die Piraten und der freie Händler. Erstere tun genau das, was man von Typen ihres Schlages erwartet: Schiffe überfallen, plündern und morden. Allerdings geht ihre Bedeutung im Spiel weit über den Status von nervigen Wegelagerern hinaus.Wer möchte, kann mit auch mit den Augenklappenträgern Handel treiben oder sich gar mit ihnen verbünden. Das sehen eure Mitspieler jedoch gar nicht gerne. Entsprechend eisig wird die Stimmung, wenn ihr euch zu intensiv mit den Piraten einlasst.

Fett und hässlich - aber Geld macht ja sexy
Hinter dem freien Händler verbirgt sich ebenfalls die erwartete Persönlichkeit: Fett, raffgierig und alles andere als eine Frohnatur. Leider versteht der Kerl sein Geschäft und bietet Waren an, die ihr euch sonst hart erarbeiten müsst.

In Notzeiten kann sich der Gang zum Kontor des Händlers also durchaus lohnen. Außerdem vergibt Mr. Doppelkinn die bereits angesprochenen Side-Quests, die überaus lukrativ sein können oder euch sogar dem Sieg näher bringen. Die Anzahl der zu erfüllenden Aufgaben vom Händler kann nämlich ebenfalls als Siegbedingung festgelegt werden.

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Erheblich vereinfacht haben die Entwickler das Handling der Handelsrouten. Wenige Klicks genügen, um die Handelsstraßen zu erstellen und die zu transportierenden Waren festzulegen.

Neu dabei ist, dass Schiffe ab sofort nicht mehr fest einer Route zugeordnet werden müssen sondern je nach Möglichkeit alle bedienen. Eine sinnvolle Entscheidung, sorgten in den Vorgängern doch versenkte Schiffe ein ums andere Mal für Probleme beim Warentransport.

Einziger Wermutstropfen: Schiffe warten beim Einladen immer so lange mit dem Ablegen, bis die eingestellte Warenmenge komplett an Bord ist.Lahmt die Produktion also an einer Stelle, kann es durchaus zu Verzögerungen kommen. Hier hätte man vielleicht eine Option einbinden sollen, um Schiffe immer nur den aktuell vorrätigen Warenbestand einladen zu lassen und die Reise danach ohne Unterbrechung fortzusetzen.

Augenschmaus
Der Wechsel von auf eine echte 3D-Engine hat sich definitiv gelohnt. Speziell das Wasser sieht nahezu fotorealistisch aus. Besonderer Clou: Das Meer bietet tatsächlich echten Wellengang, der die Schiffe auf der Wasseroberfläche tanzen lässt. Auch die restliche Optik weiß zu gefallen.

In vier Zoomstufen verschafft ihr euch einen Überblick eures Reiches, in der kleinsten lässt sich jede einzelne Aktion eurer Bevölkerung nachvollziehen. So lungert ein Holzfäller mit vollem Lager faul in der Sonne herum, spielen Kinder auf der Straße oder demonstrieren unzufriedene Bürger auf dem Marktplatz.Die detailreiche und mit vielen liebevollen Details gespickte Grafik ist aber nicht nur dazu gedacht, einfach gut auszusehen. Anhand des Verhaltens eurer Untertanen lässt sich deren Gemütslage sehr einfach bestimmen. Während spielende Kinder, Wäscheleinen zwischen den Häusern und Spielmannzüge Zeugen eines zufriedenen Volkes sind, ist bei Demonstrationen, Schlägereien und betrunkenen Stadtstreichern Vorsicht geboten.

Gründe für den Unmut können beispielsweise eine Unterversorgung bei den Grundnahrungsmitteln, zu hohe Steuern oder ähnliche Probleme sein. Wer nicht jedem einzelnen Bürger auf die Finger schauen will, bekommt diese Informationen allerdings auch auf subtilere Weise mitgeteilt. Zum einen ertönen Warnmeldungen, zum anderen erscheint über Problem-gebäuden ein Ausrufezeichen.

Die Markierung deutet darauf hin, dass dort etwas nicht stimmt. Bei Produktionsbetrieben kann dies beispielsweise ein volles Lager sein, während ein Ausrufezeichen über

einem Wohngebäude meist auf einen unzufriedenen Bewohner hinweist.

Ausblick
Auch wenn wir noch nicht selber spielen durften: Anno 1701 scheint wieder ein echter Kracher zu werden. Viele sinnvolle Neuerungen sorgen für Abwechslung.

Die erweiterten Diplomatieoptionen inklusive der Geheimdiplomatie (Logenaktivitäten) bieten eine neue taktische Komponente, gleiches gilt für die Königin und die Beziehungen zu den Piraten. Dank 3D-Optik sieht das Spiel absolut zeitgemäß aus, besonders das Wasser hat es uns angetan.

Auch die Darstellung des Zufriedenheitsgrades unserer Bevölkerung haben die Entwickler clever gelöst. Wer seinen Bürgern in die Augen schauen will bekommt durch spielende Kinder und Wäscheleinen "reales" Feedback - Spieler mit weniger Liebe zum Detail halten einfach nach Ausrufezeichen Ausschau. Wir sind uns sicher: Mit Anno 1701 steht uns wieder ein echter Hit aus deutschen Landen bevor!