Wie lange wird ein Spiel gespielt? Nein, es geht nicht um die effektive Spielzeit im Sinne von in-4-Stunden-durch-Uncharted-2. Sondern um den Wiederholungsfaktor, um das erneute Einsteigen, das Jetzt-Nochmal. Civilization war ein Meister darin, seine Spieler immer wieder an den Anfang zu schicken, aber auch die Anno-Reihe ist für ihren hohen Replay-Faktor berühmt – besonders der Endlos-Modus hat so manche Spieler für Tage mit Tastatur und Maus eine symbiotische Beziehung eingehen lassen. Wie kann man einem eventuell erlahmenden Interesse an dem neusten Anno also am besten vorbeugen? Genau, ein Add-on muss her.

Dabei sollte man nicht den Fehler begehen Related Designs zu unterstellen, sie wollten die Kuh noch etwas melken. Die Macher aus Mainz haben sich für ihre Erweiterung so einiges einfallen lassen und zeigen einem kleinen Grüppchen Journalisten an einem viel zu warmen Dezembertag, wie es mit Anno 1404 weitergehen soll und was das Add-on Venedig den Spielern bringen wird. Vor allem der Multiplayer-Modus weckt hohe Erwartungen.

Zunächst einmal gibt es nüchterne Fakten: 15 neue Szenarien, die mit 40 Stunden Spielzeit veranschlagt werden, eine neue Katastrophe, diverse neue Zierelemente, eine paar neue Einheiten und Gebäude mit entsprechenden Funktionen und nun auch endlich ein Multiplayer-Modus sind zunächst die großen Verkaufsargumente, die auf dem Rücken der Packung stehen werden. Doch was heißen all diese Zahlen? Steigen wir zunächst bei den neuen Missionen ein.

ANNO 1404: Venedig - Der erste Trailer zum Anno-Addon

Für jeden etwas

Die Missionen sind grob unterteilt in drei verschiedene Typen: Da gibt es einmal Szenarien, die eine Geschichte erzählen und so eher gelegentliche Anno-Spieler ansprechen sollen. Bestimmte Handlungsstränge werden in diesen Szenarien vertieft und liefern damit eine gute Ergänzung zum Hauptspiel, zum Beispiel geht es in einer dieser Missionen um Willem van der Mark und der Suche nach seiner Tochter. Drei dieser Aufgaben haben Related Design für die Spieler auf Lager.

ANNO 1404: Venedig - Das Addon: Endlich mit Multiplayer!

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Anno 1404: Venedig hat mehr zu bieten als nur eine malerische Kulisse: Der Saboteur und die Ratsversammlung bringen eine neue Dynamik ins Spiel.
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Der zweite Typ Szenarien wird von den Machern als „Mini-Games“ bezeichnet. Statt dem kompletten Spiel stehen hier nur bestimmte Spielelemente zur Verfügung. Das ist eine Herausforderung für alle, die mal Anno von einer anderen Seite erleben wollen. So muss man sich mit einem Schiff durch ein Labyrinth auf Schatzsuche begeben oder als Korsar die Meere unsicher machen.

In der dritten Szenarienvariante dürfen sich dann die Profis beweisen, welche die Herausforderung suchen. Offensichtlich das gewünschte Zielpublikum der Mainzer Entwickler, denn immerhin haben es satte neun Missionen dieser Sorte auf die Disc geschafft. Hier müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, die selbst hartgesottene Anno-Fürsten auf eine harte Probe stellen dürften. Zum Beispiel sollen 2000 Adelige in einer Stadt vorhanden sein, in welcher jedoch kein einziger Bürger Steuern zahlt – die Kohle muss also auf anderen Wegen besorgt werden. Related Designs versprechen knifflige Aufgaben, die mit viel Hirnschmalz gelöst werden wollen.

Packshot zu ANNO 1404: VenedigANNO 1404: VenedigErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Zwischen Orient und Okzident

Neben den neuen Missionen gibt es nun auch die venezianische Stadtinsel, welche dem Spiel ein paar neue Elemente hinzufügt, auch wenn sie grundsätzlich wie eine gewöhnliche Insel funktioniert. Für die Mainzer war das Einfügen von Venedig ein logischer Schritt, da sich die Stadt zwischen Orient und Okzident befindet und damit für das Spiel eine wichtige Brückenfunktion erfüllt. Neben dem typischen Venedig-Look mit Kanälen und Gondeln hat die Stadt zudem noch neue Handelswaren, Items, Errungenschaften, eine neue Handels- und eine neue Hilfsflotte sowie zwei neue Schiffstypen mit an Bord.

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Für Related Designs war Venedig ein logischer Schritt, um eine Brücke zwischen Orient und Okzident zu bauen.
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Sobald der Spieler mit Venedig in Kontakt tritt kommt ein neues Feature ins Spiel: die Sabotage. Nun kann man einen Saboteur in ein nicht genehmes Städtchen schicken, um dort ein paar Gemeinheiten auf den Gegner loszulassen. Zunächst muss für den Maulwurf ein geeignetes Versteck gefunden werden – je nach Typ des Hauses, in welchem der Verräter untertaucht, können verschiedene Aktionen ausgelöst werden.

Ist der Saboteur in einem Bürgerhaus untergebracht, so kann man in der Stadt Feuer legen. Dadurch brennen ein paar Häuser nieder, die Feuerwache hat alle Hände voll zu tun und der gegnerische Spieler wird von der plötzlichen Feuersbrunst überrascht. Wurde der Saboteur in einem Patrizierwohnhaus untergebracht, so kann er einen Aufstand anzetteln, ist er in einem Nomadenhaus einquartiert, kann eine Bauchtänzerin losgeschickt werden, die den Bürgern das Geld aus der Tasche zieht.

Neue Missionen, neue Features - und ein durchdachter Multiplayer-Modus: Anno-Herz, was willst du mehr?Ausblick lesen

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Doch ist man nicht schutzlos dem Treiben des Saboteurs ausgeliefert. Entdeckt man einen solchen in seinen Straßen kann man ihn anklicken und damit aufdecken. Hilfreich ist auch ein neuer Gebäudetyp, das Geheimkabinett. Es schickt in einem bestimmten Umkreis Patrouillen aus, welche alle Gebäude im Wirkungsradius kontrollieren und so mögliche Attentäter ausheben.

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Neu hinzugekommen ist auch das Schloss, das sich sogar mit einem kleinen Zoo und einem Theater befüllen lässt.
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Das Ganze macht natürlich vor allem im neuen Multiplayer-Modus Sinn. Nun erst erhält Anno 1404 den Mulitplayer-Modus, auf den viele schon seit dem Release warten. Man hatte sich dazu entschlossen, den Mehrspielerteil erst jetzt nachzuschieben, um auch wirklich Qualität zu liefern. Tatsächlich wirkt das, was Related Designs präsentierten, nicht wie ein halbgarer nachgeschobener Anhang.

So ist es möglich im LAN und online mit bis zu acht Mitspielern um die Vorherrschaft zu kämpfen – in der klassischen Variante kämpft jeder für sich, kann aber natürlich Gegnern auch Verträge anbieten. Spannender ist jedoch die Koop-Variante, bei der die bis zu acht Spieler in bis zu vier Teams eingeteilt werden können. Die Strategen eines Teams greifen dabei auf die exakt gleichen Ressourcen zurück und müssen gemeinsam die Städte und Flotten kontrollieren. So entsteht schnell echtes Teamwork und es kristallisiert sich eine Aufgabenteilung heraus, bei der jeder Spieler seinen eigenen Bereich betreut, damit alles wie geschmiert läuft.

Erobern ohne Militär

Ein neues Feature, welches ebenfalls perfekt zum neuen Mulitplayer-Modus passt, ist die Ratsversammlung. Über diese können Städte ohne eine militärische Intervention eingenommen und beherrscht werden. Jede Siedlung erhält nun eine Versammlung, die mit jeweils fünf Sitzen ausgestattet ist. Hält einer der Spieler drei oder mehr Sitze in dieser Versammlung, kann der Stadtschlüssel und damit die komplette Siedlung erkauft werden. Das ist jedoch eine teure Angelegenheit, denn auch die Ratssitze kosten bereits einiges an Barem.

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Die fiesen Spione lassen euch manche Gemeinheit anzetteln.
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Auch Gegner können ihre Moneten in Ratssitze pumpen und bereits vergebene Sitze wieder aufkaufen. So kann über Reichtum und Geld in den Siedlungen Macht und Einfluss ausgeübt werden – eine neue taktische Komponente, die für reine Kriegsherren und Soldatenkönige zu einem echten Problem werden könnte. So entwickelt sich eine interessante Eigendynamik und ein Kampf um die Herrschaft in der Ratsversammlung – ganz im Geiste des alten Venedigs und seiner Ränkespiele.

Wer gerne viel wagt, kann nun seine Siedlung auch auf einer Vulkaninsel hochziehen. Belohnt wird der Mut mit vielen Rohstoffen, allerdings besteht auch die Gefahr eines Vulkanausbruchs. Zunächst speit der Berg nur ein paar Wölkchen aus, in der nächsten Phase fliegen ein paar Brocken auf die Siedlung und können Schäden anrichten. In der letzten Stufe bricht der Vulkan komplett aus und zerstört alles Leben auf der Insel – so weit muss es jedoch nicht kommen. Der Vulkanausbruch wird zufällig berechnet, der Berg kann sich jederzeit wieder beruhigen.