"Einer Ihrer Betriebe produziert nicht mehr", dröhnt es aus den Boxen und damit dies auch ja nicht unserer Aufmerksamkeit entgeht, ploppt eine kleine Warnmeldung auf. Ist etwa gamonas Aufstieg zur Welt-Großmacht ins Stocken geraten? Oder ist gar Davids Lockenwicklerfabrik abgebrannt?

Spekulationen bringen uns nicht weiter, wir müssen uns selber um die Malaise kümmern und klicken intuitiv das kleine Icon in Anno 1404 an, das uns direkt an das schadhafte Rädchen in unserem höchst fragilen Wirtschaftskreislauf transportiert. Ob wir uns die Welt auch in der vierten Auflage der Anno-Serie Untertan machen, decken wir in unserem Erfahrungsbericht auf...

Anno 1404 - Die Welt entdecken in unserer Video-VorschauEin weiteres Video

Spielspaß ohne Ende

Bevor wir uns verdientermaßen auf den Anno 1404-Thron schwingen können, vergehen jedoch mindestens ein Dutzend Stunden feinster Aufbau-Simulation. MIND-EST-ENS! Weder dieser Fakt noch die Beibehaltung der typischen Anno-Bestandteile wie Aufbau, Forschen, Handeln dürften Fans der Reihe verwundern. Entwickler Related Designs (in Kooperation mit Blue Byte) hat aber trotz des Festhaltens an bewährten Strukturen des Spielablaufs eine ganze Reihe von Neuerungen und Änderungen eingebracht, die sich sehen lassen können.

Anno 1404 - Besser denn je: das neue Anno

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Aller Anfang ist leicht! Mit dem richtigen Berater umso mehr!
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Man war sich in den heiligen Hallen der Mainzer Spieleschmiede wohl bewusst, dass man bei allen Erneuerungsgelüsten die altbekannten Stärken der Anno-Spiele nicht über Bord werfen durfte, und hat stattdessen an vielen kleinen Schräubchen gedreht.

Anders als in Anno 1701 gibt es diesmal beispielsweise eine zusammenhängende Story-Kampagne, die euch sehr lange bei Laune halten wird. Während Profis hier möglicherweise ein wenig unterfordert werden, bietet die Kampagne Anfängern und Einsteigern einen idealen Startplatz für ihre strategischen Abenteuer.

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Ein richtiger Bösewicht darf in keiner guten Story fehlen!
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Mit dem sanft ansteigenden Schwierigkeitsgrad, den man zudem noch mit einem dreistufigen Startbedingungssystem selber beeinflussen kann, einem stets anwesenden virtuellen Berater (Richard Northburgh), vielen nützlichen Hilfestellungen und der Einführung des Orients als neue Kultur wirkt dieser Teil des Wirtschaftsstrategiespiels wie ein langes und sehr unterhaltsames Tutorial. Doch keine Angst, deshalb erwartet euch keine stundenlange Langeweile oder dröges Schema-F-Gameplay.

Unterhaltsame aber klischeehafte Story

Die Story ist zwar grundsätzlich recht stringent aufgebaut und lässt den Ausgang aufgrund von klischeehaften KI-Charakteren schnell erahnen. Trotzdem wird man mit netten Zwischensequenzen (in der Game-Engine), tollen Sprechern, einem hervorragenden Soundtrack und einer Vielzahl von Aufgaben bis zum Ende gut unterhalten und mit hoher Motivation bei der Stange gehalten.

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Alle Bedürfnisse und Wirtschaftsprozesse werden so anschaulich dargestellt wie hier.
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Wie gewohnt steht hierbei der wirtschaftliche Aufbauaspekt im Mittelpunkt des Spielablaufs, trotz der bevorstehenden Kreuzzüge betätigt ihr euch erneut eher selten als Heermeister. Ein gewisser Unsympath namens Guy Forcas sorgt dafür, dass euch zu keinem Zeitpunkt die Aufträge ausgehen. Mal zimmert ihr eine kleine Handelsflotte für den arroganten Sack, dann wieder verlangt er Werkzeuge, den Transport von Waren oder bestimmten Personen und gibt sich stets Mühe herablassend und unfreundlich zu sein.

Nebenher verwaltet ihr aber nicht nur mehrere Siedlungen oder Städte, ihr helft auch eurem Mentor Lord Northburgh beim Bau eines prächtigen Doms oder rettet in einer Mini-Nebenquest einige Schiffbrüchige. So wogt das Geschehen dank vieler abwechslungsreicher Aufgaben und Zusatzquests ständig hin und her - und doch thront über allem euer strategisches Geschick beim Aufbau und Steuern des wichtigen Wirtschaftsprozesses.

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Handelsrouten lassen sich dank intuitivem Interface mit wenigen Klicks erstellen.
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Am Anfang steht meist nichts, oder nur ein Schiff. Ihr beginnt mit einem Marktplatz und baut um diesen zentralen Ort herum eure Siedlung, etabliert Behausungen für eure Bevölkerung und Industriekomplexe für eure Waren. All dies wird gefüttert von eurem Auftragsbuch und den Bedürfnissen eurer Untertanen, die sich in acht überschaubare Kategorien gliedern und anhand von Balken- und Kreisdiagrammen jederzeit ablesbar sind. So erkennt man auf einen Blick, ob eine Bevölkerungsgruppe gerade optimal versorgt wird oder ein Mangel an Fleisch, Fisch oder anderen Nahrungsmitteln und/oder Konsumartikeln herrscht.

Viel Neues trifft auf gut Bewährtes. Ergebnis: Klasse!Fazit lesen

Es gilt dabei alle Einwohnergruppen im Auge zu behalten, denn jede "Kaste" hat ihre eigenen Sorgen und Nöte und niemals können alle Mitglieder eurer Bevölkerung den höchsten Rang einnehmen. Wäre ja auch noch schöner, schließlich muss ja auch irgendjemand die Drecksarbeit übernehmen.

Sinnvolle Neuerungen

Noch besser als in den Anno-Vorgängern gelang diesmal die Umsetzung einer übersichtlichen und intuitiv verständlichen Produktionskette. Man hangelt sich dabei sukzessive von einfachen wirtschaftlichen Zusammenhängen zu komplexeren Abläufen. Platziert ihr anfangs mit wenigen Klicks Bauernhäuser, Feldwege oder die Dorfkapelle und benötigt dafür nur sehr wenige Ressourcen, ändert sich dieses Bild parallel zu eurem Spiel-Fortschritt.

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Erfolge und Ruhmespunkte motivieren immer wieder zum Weiterspielen.
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Schnell stößt man dann mit einer Insel an die Grenzen der möglichen wirtschaftlichen Expansion und benötigt dringend Rohstoffe, die man nur auf anderen Eilanden oder gar ausschließlich im Orient findet. Soll sich eure Bevölkerung über einen gewissen Status hinaus entwickeln, benötigt ihr etwa Gewürze, die sich nur im Morgenland gewinnen lassen. Für viele Produktketten, beispielsweise Eisen, benötigt man nicht nur einen einzigen Rohstoff, sondern mehrere und muss dafür die entsprechenden Vorräte anlegen.

Sonst heißt es ganz schnell wie eingangs erwähnt: "Einer Ihrer Betriebe produziert nicht mehr." Die Abhängigkeiten einzelner Industriekomplexe voneinander sind groß, aber dank des absolut gelungenen Interface jederzeit überschaubar gehalten. Stress kommt - ganz Anno-typisch - aufgrund des eher gemächlichen Spielablaufs nur sehr selten auf.

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Die große Detailverliebtheit ist enorm und lädt zum entspannten Zugucken ein.
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Das ist umso bemerkenswerter, zumal die Warentypen im Vergleich zu Anno 1701 verdoppelt wurden. Damit schafft man zwar einerseits die Grundlage für einen komplexeren Wirtschaftsablauf. Andererseits sind die Voraussetzungen für Gebäudeaufstiege und Warenproduktionen so übersichtlich gestaltet, dass die Spielmechanik davon sogar profitiert. Besonders bequem fällt beispielsweise das Erstellen maritimer Handelsrouten aus: Mit nur wenigen Klicks erstellt ihr in Anno 1404 unterschiedlichste Warenumschlagswege, die von euren Schiffen vollautomatisch befahren werden.

Apropos Frachter: Die Gestaltung der Wasserflächen ist eine wahre Augenweide. Wie sich das Sonnenlicht in den Fluten spiegelt und die Wellenbewegungen animiert sind, ist schon ein ganz besonderer Anblick! Überhaupt macht Anno 1404 optisch eine hervorragende Figur und überzeugt mit liebevollem Design von Gebäuden und Einwohnern bis hinein ins letzte Detail, schönen Animationen und einer insgesamt aufgeräumt hübschen Präsentation. Negativ fällt hier lediglich die etwas zu geringe maximale Zoomstufe auf. Möglicherweise sind die opulenten grafischen Faktoren zugleich der Grund für die relativ langen Lade- und Speicherzeiten.

Zwischen Orient & Okzident

Doch zurück zu den spielerischen Neuerungen. Der Orient wurde sehr gut in den Spielablauf integriert und ist in vielerlei Hinsicht eine gute Ergänzung zu den bewährten Inhalten des Okzidents. Der Handel mit den Orientalen ist jedoch zu einseitig ausgelegt und funktioniert häufig nur in eine Richtung. Hier wäre eine größere Vielseitigkeit mit flexiblerem Warenmanagement wünschenswert gewesen.

Spieltechnisch unterscheidet sich die neue Kultur - abgesehen von Details - nicht allzu sehr von den bekannten Abläufen, sorgt allerdings für Abwechslung, wenn man beispielsweise Nomadensiedlungen baut oder sich zunächst das Vertrauen eines Großwesirs erarbeiten muss, um an dringend benötigte Güter zu gelangen.

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Natürlich darf auch der berühmte Wuselfaktor in Anno 1404 nicht fehlen.
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Als weitere Neuheit steht euch in Anno 1404 die Ressource "Ruhm" zur Verfügung. Diese spezielle Währung heimst ihr durch spielerische Erfolge und Quests ein oder indem ihr bestimmte Ziele im Spiel erreicht. Die Ruhmespunkte wiederum tauscht ihr gegen "Items" ein, die eure Gebäude oder Schiffe mit besonderen Funktionen und wertvollen Boni aufwerten. Kommt es in Anno 1404 zu einem der eher seltenen militärischen Konflikte, kann man dies auf dem Wege der Diplomatie lösen und Piratenangriffe mit monetären Mitteln lösen. Sprich: Man kauft sich den Frieden, statt seine wertvollen Schiffe in Seeschlachten mit offenem Ausgang zu gefährden.

Die Verhandlungskunst stellt allerdings abermals einen eher rudimentären Teil-Aspekt des Strategiespiels dar. Ähnliches lässt sich über das überarbeitete Kampfsystem berichten. Während Seegefechte größtenteils ablaufen wie zuvor, hat man die Landschlachten wieder auf eine passivere Basis gestellt. Statt einzelne Einheiten zu rekrutieren, schickt man Gebäude (z.B. Heerlager) in die Schlacht. Entscheidend ist dann in der Regel die Anzahl der Militärgebäude, taktisches Geschick oder strategischer Weitblick sind hier weniger wichtig für den Erfolg. Diplomatie und Kampf bleiben im Gegensatz zum Rest des Gameplays also recht belangloses Beiwerk und bieten wenig Spieltiefe.

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Die neue Fraktion des Orient ist eine sinnvolle Ergänzung des Anno-Prinzips.
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Während die Kampagne, der tolle Endlosmodus oder die anspruchsvollen sechs Szenarien sehr viel Unterhaltung bieten, hat man jedoch ein beliebtes Feature komplett eingespart: den Mehrspieler-Modus. Multiplayer-Fans gehen völlig leer aus und müssen leider auf spannende Onlinegefechte verzichten. Die Möglichkeit, eigene Screenshots oder Speicherstände auf einem Webportal als Tauschmaterial anzubieten, kann angesichts der ansonsten überragenden Spielinhalte dagegen eigentlich nur als schlechter Witz verstanden werden. Übrigens: Für die Erstinstallation wird eine Onlineverbindung benötigt.