Doch zurück zu den spielerischen Neuerungen. Der Orient wurde sehr gut in den Spielablauf integriert und ist in vielerlei Hinsicht eine gute Ergänzung zu den bewährten Inhalten des Okzidents. Der Handel mit den Orientalen ist jedoch zu einseitig ausgelegt und funktioniert häufig nur in eine Richtung. Hier wäre eine größere Vielseitigkeit mit flexiblerem Warenmanagement wünschenswert gewesen.
Spieltechnisch unterscheidet sich die neue Kultur - abgesehen von Details - nicht allzu sehr von den bekannten Abläufen, sorgt allerdings für Abwechslung, wenn man beispielsweise Nomadensiedlungen baut oder sich zunächst das Vertrauen eines Großwesirs erarbeiten muss, um an dringend benötigte Güter zu gelangen.
Natürlich darf auch der berühmte Wuselfaktor in Anno 1404 nicht fehlen.Als weitere Neuheit steht euch in Anno 1404 die Ressource "Ruhm" zur Verfügung. Diese spezielle Währung heimst ihr durch spielerische Erfolge und Quests ein oder indem ihr bestimmte Ziele im Spiel erreicht. Die Ruhmespunkte wiederum tauscht ihr gegen "Items" ein, die eure Gebäude oder Schiffe mit besonderen Funktionen und wertvollen Boni aufwerten. Kommt es in Anno 1404 zu einem der eher seltenen militärischen Konflikte, kann man dies auf dem Wege der Diplomatie lösen und Piratenangriffe mit monetären Mitteln lösen. Sprich: Man kauft sich den Frieden, statt seine wertvollen Schiffe in Seeschlachten mit offenem Ausgang zu gefährden.
Die Verhandlungskunst stellt allerdings abermals einen eher rudimentären Teil-Aspekt des Strategiespiels dar. Ähnliches lässt sich über das überarbeitete Kampfsystem berichten. Während Seegefechte größtenteils ablaufen wie zuvor, hat man die Landschlachten wieder auf eine passivere Basis gestellt. Statt einzelne Einheiten zu rekrutieren, schickt man Gebäude (z.B. Heerlager) in die Schlacht. Entscheidend ist dann in der Regel die Anzahl der Militärgebäude, taktisches Geschick oder strategischer Weitblick sind hier weniger wichtig für den Erfolg. Diplomatie und Kampf bleiben im Gegensatz zum Rest des Gameplays also recht belangloses Beiwerk und bieten wenig Spieltiefe.
Die neue Fraktion des Orient ist eine sinnvolle Ergänzung des Anno-Prinzips.Während die Kampagne, der tolle Endlosmodus oder die anspruchsvollen sechs Szenarien sehr viel Unterhaltung bieten, hat man jedoch ein beliebtes Feature komplett eingespart: den Mehrspieler-Modus. Multiplayer-Fans gehen völlig leer aus und müssen leider auf spannende Onlinegefechte verzichten. Die Möglichkeit, eigene Screenshots oder Speicherstände auf einem Webportal als Tauschmaterial anzubieten, kann angesichts der ansonsten überragenden Spielinhalte dagegen eigentlich nur als schlechter Witz verstanden werden. Übrigens: Für die Erstinstallation wird eine Onlineverbindung benötigt.
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