Autor: Christopher Link

Das alte Ägypten war geprägt von Sklavenhandel, einer großen Schere zwischen arm und reich und barbarischen Strafen. In der ganz eigenen und historisch nicht unbedingt korrekten Version des Adventures "Ankh" erstrahlte Ägypten jedoch vor knapp einem Jahr in einem Glanz aus gekonntem Dialogwitz, kuriosen Charakteren und einer harmlosen Umgebung.

Nun steht mit "Herz des Osiris" die zweite Episode des Märchens aus 1001 Nacht in den Läden. Wir rollen für euch den fliegenden Teppich aus zu unserem Review…

Ankh - Herz des Osiris - Trailer

"Alkohol ist das Drahtseil, auf dem du stehst..."
Keine Macht den Drogen - vor allem nicht dem Alkohol! Diesen Satz hätte sich unser Held Assil vor seinem großen Besäufnis dreifach hinter die Ohren schreiben müssen. So ist ihm nicht nur das im Vorgänger so mühsam ergatterte Heiligtum Ankh - auch liebevoll Flaschenöffner genannt - von zwei zahnlosen Dieben gestohlen worden, auch seine große Liebe Thara hält nicht mehr allzu viel von unserem armen Helden. Die Tochter des Pharaos hegt nämlich große Gefühle für Assil und schrieb ihm einen Liebesbrief. Männer wissen wie eifersüchtig Frauen bei so etwas werden können… Auch Erzfeind Osiris lässt wieder von sich hören - na toll! Nicht gerade hübsch beginnt "Herz des Osiris" also, um genauer zu sein: in einer versifften Gasse. Na dann ans Werk!

Ankh - Herz des Osiris - Gehn wie ein Ägypter: Assil schlurft wieder durchs Land der Pharaonen.

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Assil lässt den Diebstahl des Ankh nicht so einfach durchgehen.
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Fans des Vorgängers werden keinerlei Einstiegsprobleme haben: Assil steuert sich wie eh und je. Mit der linken Maustaste lotsen wir unseren Helden durch die dreidimensionalen Umgebungen und dürfen nebenbei noch relevante Gegenstände betrachten, mit der rechten stecken wir nach Möglichkeit alles in unser Inventar, was nicht niet- und nagelfest ist.

Auch das ganze Drumherum kommt einem sofort vertraut vor. Es müssen wieder eifrig Locations untersucht, eine ganze Reihe an Leuten befragt und allerlei skurrile Rätsel gelöst werden. Am Grundprinzip hat sich also nichts geändert. Neu ist hingegen, dass man an einigen Stellen auch Assils Ex-Verlobte Thara sowie den Pharao himself steuern kann.

Packshot zu Ankh - Herz des OsirisAnkh - Herz des OsirisErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Dass es nicht unbedingt schlimm ist, wenn so gut wie alles vom Vorgänger übernommen wird, lässt sich am absolut gelungenen Humor ersehen: Die Gespräche zwischen Assil und anderen Charakteren strotzen nur so vor gekonntem Dialogwitz und satirischen Seitenhieben. So macht sich unser Held zum Beispiel mit einem Türsteher über die viel kritisierte kurze Spielzeit des Vorgängers lustig und nimmt sich auch noch das legitime Recht, allgemein über finanzielle Probleme in der Spieleindustrie zu scherzen.

Gar gesellschaftskritische Züge nimmt das Ganze in einem Gespräch mit einem arbeitslosen Sklavenhändler an, der kein Geld vom Staat bekommt und Assil zudem eine "absolut verlockende Stelle mit tollen Arbeitsbedingungen" anbietet. Hartz IV lässt grüßen.

Denk mal drüber nach!
Bei einem solchen Adventure kann man sich in Hinsicht auf die Rätsel folgerichtig nicht unbedingt auf pure Logik verlassen. Das war schon im Vorgänger so und wird bei "Herz des Osiris" weitergeführt. Abermals müssen eher ungewöhnliche Kopfnüsse gelöst werden. Beispiel gefällig?

Ankh - Herz des Osiris - Gehn wie ein Ägypter: Assil schlurft wieder durchs Land der Pharaonen.

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Der dicke Türsteher lässt uns nur herein, wenn wir uns rasieren.
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An einer Stelle des Spiels muss Assil in eine Bar, doch der bullige Türsteher will uns nicht eintreten lassen, da ihm unser Bart nicht gefällt. Also, was machen wir? Wir gehen zu einem weitsichtigen Frisör jenseits der Dioptriengrenze und möchten uns rasieren lassen. Um uns jedoch von diesem Maulwurf nicht die Kehle aufschlitzen zu lassen, bestehen wir auf die angebotene Heißwachsmethode. Doch wo bekommen wir das Wachs her? Als wir planlos durch die Gassen streunen, fällt uns ein verlassener und vermoderter Laden auf, an dessen Diele ein Haken hängt. Daneben starren hungrige Katzen gierig auf Assil. Uns fällt ein, dass wir noch einen Papagei in einem Käfig mit uns herumschleppen - fragt jetzt bitte nicht, wo wir den her haben...

Wir hängen den Käfig also an den Haken, warten darauf, bis die Katzen sich auf ihre Mahlzeit stürzen, und sehen zu, wie der ganze Laden in sich zusammenfällt. Dabei wird eine Schatulle freigelegt, in der wir das heiß begehrte Wachs finden, allerdings nur in fester Form. Daher brauchen wir noch ein Gefäß und müssen das Ganze erhitzen - zum Glück kennen wir einen hauptberuflichen Feuerschlucker…

Unnötige Kinderkrankheiten...
Zugegeben, irgendwie wirkt das nur zum Teil unlogisch. Schade ist aber, dass die Entwickler insgesamt viel zu wenig Hinweise vergeben, was als nächstes zu tun ist. Gerade im angeführten Beispiel hatten wir bereits so manchen Knoten in den Gehirnwindungen, bis wir endlich herausfanden, wo das Wachs aufzutreiben war. Und wieso man nicht einfach eine der unzähligen Fackeln oder Kerzen benutzen kann, um das feste Wachs zu erwärmen, war uns schlichtweg ein Rätsel (was für ein Wortspiel bei einem Adventure!).

Ankh - Herz des Osiris - Gehn wie ein Ägypter: Assil schlurft wieder durchs Land der Pharaonen.

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Ein Wiedersehen mit Bud Spencer & Terence Hill: Vier Fäuste für Kairo!
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Überhaupt ist der Schwierigkeitsgrad der Rätsel recht unausgewogen: Manche könnten von jedem Kleinkinder gelöst werden, bei anderen dürften selbst erfahrene Adventurehasen mit ihrem Latein recht schnell am Ende sein. Gerade dann vermissen wir eine optionale Hotspot-Anzeige, wie sie zuletzt vorbildlich in den Genrevertretern "Geheimakte Tunguska" und "Undercover: Operation Wintersonne" zu sehen war. Da hilft es nur bedingt, dass der Großteil des Spiels aus gelungenen Kombinationsrätseln besteht. Negativ fiel bei der Vielzahl an Objekten in den einzelnen Locations außerdem auf, dass es reichlich überflüssige Objekte wie Holzkisten und Vasen zu betrachten gibt, die meistens rein gar nichts mit den Rätseln zu tun haben.

Etwas mehr Wohlwollen überkommt uns dann, wenn wir an die fabelhafte Synchronisation denken. Wie im Vorgänger wurde Assil mit der deutschen Stimme von Ben Stiller Leben eingehaucht, weitere Highlights sind die Synchronsprecher von Größen wie Renée Zellweger und Comedy-Ikone John Cleese. Auch der orientalisch angehauchte Soundtrack, der die ganze Zeit im Hintergrund läuft, verleiht dem Ganzen ein dezentes Flair, in dem man sich sofort wohl fühlt. Die gute Stimmung verfliegt auch dann nicht, wenn man bemerkt, dass sich optisch fast nichts geändert hat. Die Atmosphäre wirkt durch eine etwas unscharfe Optik nun verträumter und geradezu märchenhaft. Detailverbesserungen gab es auch bei den Animationen. Die Charaktere werden einem durch die comicnahe Darstellung so sympathisch wie ehedem.