Ankh (PC Review)
von Thomas Bayer

Das waren noch Zeiten, als wir Indiana "Indy" Jones und Guybrush Threepwood über den Bildschirm scheuchten. Unvergessen sind die Schimpf-Fecht-Duelle des Anti-Piraten Guybrush und seine Jagd auf den Oberbösewicht Le Chuck.

Mit mächtig schwarzem Humor und massenhaft skurillen Charakteren wissen diese Klassiker selbst heute noch zu begeistern. Vorausgesetzt, man kann über die gnadenlos veraltete Optik hinwegsehen. Ähnlich hochkarätige Adventures waren in den letzten Jahren leider Mangelware. Besonders Vertreter mit dem nötigen Schuss Selbstironie suchten Fans vergeblich.

Deutsche Qualitätsarbeit
Dass die Rettung nun ausgerechnet aus Deutschland kommt, ist ebenso unerwartet wie erfreulich. Deck 13 beglückt uns mit Ankh, der Geschichte um den jungen Assil. Der lebt im alten Ägypten und hat ein dickes Problem: Nach einer nächtlichen Party in der Grabkammer einer Pyramide trägt er einen Todesfluch mit sich spazieren, der sich ständig ausbreitet. Besonderes Pech: Um die Macht des Ankh, das er seitdem an einer Kette trägt, weiß er nichts.

Der lebende Tote…äh…Gott
Zu Zeiten der alten Ägypter gab es nur einen, der solch unangenehme Dinge wie Todesflüche heilen konnte: Der Pharao. Der verbirgt sich allerdings hinter hohen Palastmauern und unerbittlichen Wachen. Bis Assil bis dorthin vordringen kann, muss er zunächst mehrere - teils sehr skurille - Aufgaben meistern.

Ankh - Adventure a la Monkey Island! Der verkaterte Assil rettet Ägypten!

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Ganz wie früher Ankh ist gespickt mit abgefahrenen Charakteren, die ebenso gut aus Monkey Island oder ähnlichen Kultspielen stammen könnten. Die witzigen Dialoge, die mit einer gehörigen Portion Selbstironie daherkommen und das Adventure-Genre oftmals auf sie Schippe nehmen, werden eure Lachmuskeln mehr als einmal anregen und Spieler in schallendes Gelächter ausbrechen lassen. So erklären euch beispielsweise zu Beginn des Spiels zwei gedungene Mörder, dass man in Ankh nicht sterben könne. Auch Schiebe- und Klangrätsel blieben dem Spieler erspart. Wer kurz davor Adventure wie Die Reise zum Mittelpunkt des Mondes gezockt hat, wird sich ein Schmunzeln wohl nicht verkneifen können.

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Leichte Kost?
Adventure-Fans, die sich in wenigen Stunden durch Indiana Jones und Day of the Tentacle rätseln, werden mit Ankh teilweise unterfordert sein. Das Spiel richtet sich ganz klar an Einsteiger, die Rätsel sind oftmals entsprechend offensichtlich.

Im Laufe der Geschichte drehen die Entwickler allerdings durchaus am Schwierigkeitsgrad - erfahrene Spieler sollten also nicht zu schnell enttäuscht sein. Aufhören wird sowieso keiner - dazu ist die Geschichte von Ankh viel zu unterhaltsam. Die Reisezeiten zwischen den Locations halten sich dank der Schnellreisetaste in erträglichen Grenzen.

Ankh - Adventure a la Monkey Island! Der verkaterte Assil rettet Ägypten!

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Auch sonst bewegt sich Assil recht flott, lässt sich allerdings teilweise nur widerwillig zum Rennen überreden.

Interaktiver Comic
Ankh erinnert stellenweise an einen interaktiven Comicstreifen - und zwar im positiven Sinne. Die Grafik ist bunt und niedlich, ohne jedoch kindisch zu wirken. Dynamische Kamerafahrten und -Schwenks, Nahaufnahmen der Gesichter und Dialoge, die uns mehr als einmal die Tränen in die Augen getrieben haben. Leider sind die Charaktere stellenweise etwas "schief" auf die Hintergründe aufgesetzt.

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Die Vertonung der Charaktere ist ausgezeichnet gelungen. Der deutsche Synchrosprecher von Ben Stiller leiht z.B. Assil seine Stimme und weitere namhafte Sprecher wie die Synchronstimme von Rene Zellweger (Bridget Jones) und John Cleese (Monthy Python, Das Leben des Brian) sorgen für Atmosphäre und Freudensprünge. Würden doch andere Hersteller nur auch derart professionelle Sprecher verpflichten! Leider sprechen die Charaktere nicht immer lippensynchron. Angesichts der Sprecherqualität ist das jedoch zu verschmerzen.