So viel Erklärung sind wir euch schuldig: Das wird hier jetzt kein Schema-F-Test. Statt euch Für und Wider von Nintendos „mieten, kaufen, wohnen“-Interpretation herunterzubeten, habe ich Sarah, den größten Animal-Crossing-Nerd unter der Sonne, mit einem Bewohner-amiibo bestochen, ihren Eindruck zum Happy Home Designer in Form dieses Makler-Dialogs mit euch und mir zu teilen. Mehr Abwechslung für euch, weniger Arbeit für mich

Sarah: Guten Tag, junger Mann. Na, wie hängt der Hut?

Gregor: Meh.

Sarah: Du bist doch relativ neu bei ImmoNook, stimmt’s? Gefällt’s dir hier bei uns nicht so? Was ist denn los?

Gregor: Immer dieselbe Leier hier, das ist los.

Sarah: Ah, ja, ich weiß, was du meinst. Das dachte ich hier am Anfang auch, 'ne? Die Kundschaft kommt, äußert ihre Wünsche und du führst sie aus. Tagein tagaus, immer dasselbe. Ich weiß, ich weiß. Aber hey, hier bei ImmoNook bist du der Haupt-Immobilien-Vertreter (okay, das klingt nicht so fancy) und Lead-Interior-Designer (das klingt super-fancy!). 13 Monatsgehälter, 30 Tage Urlaub im Jahr – was wünscht man sich denn mehr? Ach, und Karlotta – sie ist auch deine direkte Vorgesetzte, oder? – ist super lieb und der alte Tom Nook, der Inhaber der Firma, kümmert sich doch mehr um sein Golf-Handicap als um den Laden. Ist für ihn ein Selbstläufer. Und ich sag’ dir, so viel Kundschaft wie ich anwerbe... Der kann sich seelenruhig auf die faule Haut legen. Null Problemo. Ich finde, hier ist kein Tag wie der andere. Ständig neue Gesichter, neue nette Unterhaltungen, neue Einrichtungsgegenstände – so viel Inspiration überall! Kann gar nicht langweilig werden.

Animal Crossing: Happy Home Designer - Traumjob oder Beschäftigungstherapie? Ein Streitgespräch zwischen Kollegen

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An Arbeit mangelt es hier nie – an einer echten Herausforderung schon eher.
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Gregor: Punkt für dich. Ist ja auch kein Problem, das ich schon seit meinem ersten Tag hier habe, ganz im Gegenteil. Du hast schon nicht Unrecht: Karlotta ist eine gutmütige Chefin und hat schon mal länger als 'nen halben Nachmittage in einem „Wie motiviere ich meine Mitarbeiter“-Seminar gesessen. Sie weiß, wie sie ihre Leute in den ersten Wochen kontinuierlich an neue Aufgaben heranführt – nicht aber, wie sie uns langfristig bei Laune halten kann. Sobald man die Probezeit überstanden, ergo alle Feinheiten des Berufs nach und nach gelernt hat, ist das plötzlich alles nur noch Routine. Ich richte Häuser ein, gehe schlafen, richte Häuser ein, gehe schlafen, richte Häuser ein, gehe schla...

Sarah: ...fen. Ja, ich hab's verstanden. Aber hast du denn nicht diesen Ehrgeiz, für jeden Kunden das Optimum rauszuholen? Bei ganz vielen gehe ich immer mal wieder vorbei, weil ich jetzt den perfekten Gegenstand für sie im Sortiment habe. Und das Café, das Krankenhaus, die Schule, die wollen ständig erneuert, saniert, renoviert werden. Ein Grand Hotel muss doch stets auf dem neuesten Stand sein, damit Gäste kommen. Manchmal nehme ich mir auch einen Tag frei von der Kundenakquise und mache Hausbesuche bei meinen neuen Freunden – und ja, inzwischen sind viele meiner Kunden zu Freunden geworden. Manchmal bringe ich auch andere Bekannte mit und die verstehen sich immer bestens. Und je mehr Häuser du einrichtest, desto mehr Freunde hast du, desto mehr Möglichkeiten hast du also auch am nächsten Tag zur Verfügung.

Packshot zu Animal Crossing: Happy Home DesignerAnimal Crossing: Happy Home DesignerErschienen für 3DS kaufen: Jetzt kaufen:

Gregor: Aber das sind doch alles keine Herausforderungen! Keine Ahnung, aber ich habe manchmal das Gefühl, in unserem Städtchen hier würden nur anspruchslose Jubelperser wohnen. Denen ist doch völlig wumpe, wie wir ihre vier Wände einrichten. Hauptsache ihre zwei, drei vorgegeben Möbel stehen irgendwo herum, dann sind sie zufrieden – selbst wenn wir so gut wie alles andere völlig willkürlich einrichten. Wie kann man denn mit so was zufrieden sein!? Ich vertrage Kritik und will meine Arbeit als Herausforderung, nicht Beschäftigungstherapie sehen. Jetzt mal ernsthaft, sogar unsere Kataloge haben für jeden Kunden einen eigenen Reiter, der alles auflistet, was unserem aktuellen Klienten gefällt. Als wäre nicht ohnehin offensichtlich genug, was die Leute in ihrer Wohnung haben wollen. Sorry, wenn ich das jetzt mal so klar sage, aber unseren Job könnte auch ein Affe machen.

Der Happy Home Designer ist das perfekte Spiel für Fans – und dem Rest von uns keine Rechenschaft schuldig.Fazit lesen

Sarah: Vielleicht, aber das ist nicht der Punkt. Sieh’s doch positiv: Es gibt keine Frustmomente! Und selbst wenn du den Tieren nur ihre drei, vier Lieblingssachen in die Hütte stellst – du hast ihnen gerade ein neues Heim gegeben! Mit Anbindung an eine tolle Stadt! An einem wunderschönen Ort! Hättest du für deine private Haussuche mehr Anforderungen? Klar gibt es kein richtiges Ziel, aber gab es das je in unserer Welt? Es funktioniert bei mir alles nach dem einen Prinzip: Ich hab die Tiere ganz fürchterlich lieb und will ihr Leben verschönern. Außerdem wird jeden Tag mein Sammelwille erneut geweckt. Ich will alle unsere Einwohner kennenlernen! Jedes Kleidungsstück haben und jeden Einrichtungsgegenstand in jeder seiner zahlreichen Formen entdecken!

Animal Crossing: Happy Home Designer - Traumjob oder Beschäftigungstherapie? Ein Streitgespräch zwischen Kollegen

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Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich beim Einrichten auszutoben.
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Gregor: Apropos Einrichtungsmöglichkeiten: Ich peile das einfach nicht. Nicht das Einrichten per se, sondern die verstopften Kataloge, an denen wir uns abarbeiten müssen. Ungenaue Aufteilung, überfüllte Abschnitte und auch sonst sind die Dinger nur bedingt übersichtlich. Selbst nach dutzendfacher Nutzung blättere ich oft hilflos und viel zu lang durch die Seiten, immer auf der Suche nach einem bestimmten Möbelstück, ohne es auf Anhieb zu finden. Das nervt. Hart.

Sarah: Gut, das kann man so machen – oder man nutzt einfach die Suchfunktion und gibt ein paar Buchstaben ein. Bei mir führt das eigentlich immer zum Ziel oder zu einer geeigneten Alternative, wie bei Google. Und das Einrichten ist doch super und total einfach. Du brauchst keine teure Einzugshilfe, keinen Sanitär-/ Elektro-/ Bauingenieur oder Gott weiß wen, das machst alles du. Dazu braucht es nun mal einen großen Katalog, damit wir schöne Außenfassaden, Dächer, Fenster, Türen, Tapeten, ja selbst die Atmosphäre und so weiter und so fort gestalten können.

Gregor: Klar, damit könnten wir bis zum Sankt Nimmerleinstag neue Butzen einrichten und keine würde wie die andere aussehen. Dafür kratzen wir aber auch oft nur an der Oberfläche bzw. verändern fast ausschließlich optischen Kram. Und ja, natürlich ist das nun mal unser täglich Brot, aber was spricht dagegen, ein bisschen mehr zu machen als das, was in unserer Jobbeschreibung steht?

Ich will niemandem vorschreiben, was er zu tun hat, aber mal ehrlich: Findest du nicht, dass unsere Kunden stinklangweilige Typen sind? Die sitzen mal auf ihrer Couch oder dösen im Bett, das war's. Wie kann man eine mit Spielsachen, Gitarren und Was-weiß-ich-für-Kram vollgepackte Wohnung haben, ohne sie zu nutzen? Wozu richte ich den Dödeln ihre Bude überhaupt so spaßig ein, wenn sie am Ende doch nur auf den Möbeln hocken?

Sarah: Ach, papperlapapp, sie tanzen super gern zu Musik, essen liebend gerne Donuts, erfreuen sich an schönen Sachen, sie kochen liebend gerne oder lesen Bücher... Wenn du ihnen nur einen Stuhl und ein Bett in die Wohnung stellst, ist die Wohnung vielleicht... etwas zu spartanisch eingerichtet. Außerdem gibt ja noch das ganze Drumherum. Du kannst eigene Muster malen und gestalten, mit denen du die Einrichtung versiehst und vor allem haben wir doch unser umfangreiches Maklernetzwerk, das Netzwerk der schönen Häuser. Nutzt du das nicht? Da können wir mit anderen Kollegen in Kontakt treten, uns inspirieren lassen oder Inhalte teilen und damit jedem Makler auf der Welt zur Verfügung stellen.

Animal Crossing: Happy Home Designer - E3 2015 - Trailer zur Ankündigung

Und wo wir gerade bei unseren Kollegen sind: Hast du Fred schon getroffen? Ich liebe Fred! Bevor ich diesen Job angetreten habe, war ich Bürgermeister in einem kleinen Dorf (da bin ich hin und wieder immer noch und sehe nach dem Rechten). Dort habe ich nur mein eigenes Haus eingerichtet und Fred war der Otter, der nachts durch meine Butze strich und meine Einrichtung bewertet hat. Klingt creepy, aber er ist so niedlich. War zuerst ganz erstaunt, dass er sich dieser „feindlichen Übernahme” durch Tom Nook gefügt hat, aber er genießt dafür jetzt das Festangestellten-Leben mit all seinem Vorteilen.

Gregor: Bringt dir dein früherer Job denn noch andere Vorteile in deinem neuen Leben als „Happy Home Designer”?

Sarah: Hm, nicht wirklich, was ein wenig schade ist. Man sieht immer mal wieder alte Bekannte und erfährt ein bisschen mehr über ihre Persönlichkeit, aber selbst meine engsten Freunde aus meinem eigenen Dorf erkennen mich nicht wieder, wenn ich die ImmoNook-Uniform trage. Als wäre ich eine komplett andere Person! Bocki, Warzi, Franka oder Fido… Das tut mir schon ein bisschen weh und Franka... Mein Herz schmerzt noch immer, wenn ich an sie denke. Trotzdem bin ich dann in dem Moment professionell genug, mein Pokerface aufzusetzen und ihr die schönste Wohnung herzurichten, zu der ich in der Lage bin.

Gregor: Als Bürgermeister bestand ja deine Aufgabe vermutlich vor allem darin, ein eigenes Dorf zu gestalten und aufzustellen. Fehlt dir das jetzt nicht irgendwie? Ich meine, ist doch schon ein Rückschritt – oder nicht? Jetzt kannst du nur noch innerhalb einer festgesetzten Stadt agieren.

Sarah: Hmm... ich bin in einer völlig neuen Welt, deswegen kann ich nicht wirklich sagen, dass mir was fehlen würde. Was mir jedenfalls nicht fehlt, ist die Möglichkeit, meine Lieblinge, um die ich mich kümmern will, zu enttäuschen, weil ich ihren gewünschten seltenen Fisch in dem Moment nicht sammeln konnte.

Gregor: Ist halt insgesamt schon ein ganz anderer Job, macht ja auch irgendwie Sinn. Ich muss jetzt eigentlich auch mal langsam aus'm Käse kommen, sonst werden wir gleich die wütende Karlotta kennenlernen. Eine Sache hätte ich aber noch: Seit ein paar Tagen sehe ich dich immer wieder mit diesen komischen Karten hantieren: Was hat's denn damit auf sich? In unserem Lehrbuch habe ich dazu nur sehr vage Informationen gefunden.

Animal Crossing: Happy Home Designer - Traumjob oder Beschäftigungstherapie? Ein Streitgespräch zwischen Kollegen

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Diese Karten werden noch für ordentlich Gesprächsstoff und jede Menge Asche auf Nintendos Bankkonto sorgen.
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Sarah: Ach, die! Ja, die sammle ich, die kann man kaufen. Guck, hier ist ein Foto von einem Charakter drauf. Wenn ich die Karte im Spiel einlese, kann ich ihm ein Haus einrichten. Einige Leute findest du nur auf der Karte, die kommen nicht eigenständig bei ImmoNook vorbei, deswegen bin ich auch schon kräftig am Tauschen mit Freunden. Ich geb dir gerne mal eine Broschüre mit, da kannst du dich mal reinlesen. Vielleicht hast du ja Bock drauf?

Gregor: Okay, was du mir hier also zu verklickern versuchst, ist Folgendes: Ich erwerbe für 40 Tacken meine Maklerqualifikation in dem Glauben, damit allumfassend versorgt zu sein – und bekomme damit nicht einmal uneingeschränkten Zugriff auf all unsere Klienten? Obwohl sie bereits in unserer Stadt leben, ergo nichts dagegen sprechen würde, ihre Häuser schon jetzt einzurichten, muss ich mir diese Karten vom Mund absparen, wenn ich wirklich alle Kunden bedienen will? Is’ ja wohl ein schlechter Witz. 400 (!) Karten werde ich ganz bestimmt nicht von meinem mickrigen Gehalt zahlen! Schweinebande…

Sarah: Aber niemand zwingt dich ja dazu, sie zu kaufen. Du kannst sie genauso gut auch einfach ignorieren – mehr als genug zu tun gibt’s doch trotzdem bei uns. Ich leg sie einfach mal hier auf den Tisch. ja? Gut.

Gregor: Das hat meine Motivation zwar nicht gerade ins Unermessliche gesteigert, aber danke trotzdem. Ich mache mich dann mal wohl lieber wieder an die Arbeit. Reingehauen!

Sarah: Halt die Ohren steif, mein gefiederter Freund!

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