Ein Test zu Angry Birds? Wirklich? Ich meine, über 50 Millionen Leute haben sich das Spiel für alle nur denkbaren Plattformen heruntergeladen, es besteht eine gute Chance, dass jemand just seine Partie unterbrochen hat, um diese Zeilen zu lesen. Israelische Comedy-Shows machen Sketche über das Spiel, eine Zeichentrickserie wird gerade produziert. Welche Neuigkeit soll denn hier noch schlummern? Es gibt das Spiel doch bereits fürs iOS, Android, Symbian 3, Windows, Mac...

Angry Birds - NASA Trailer

...wie was, eine PS3-/PSP-mini-Version? Seufz, na gut, schauen wir uns das mal an...

Pack die Schweine bei den Eiern

Für die dreieinhalb Leute, denen Angry Birds noch nichts sagt, erklären wir kurz das Spielprinzip. Es handelt sich um einen Artilleriesimulator, bei dem man mit einer großen Zwille verschiedene Arten von Cartoon-Vögeln als Geschosse auf Festungen schießt, in denen sich stationäre Schweine aufhalten. Ziel ist es, mit der vorgegebenen Anzahl von Vögeln die Schweine zu treffen bzw. die Festung um sie herum so einstürzen zu lassen, dass die Rüsseltiere erschlagen werden.

Die Festungen bestehen aus aufeinanderliegenden und ineinander verkeilten Blöcken aus dreierlei Material und reagieren auf den Beschuss gemäß einer Physik-Engine. Kleinere Variationen sorgen innerhalb der Levels für Abwechslung: Schweine mit Stahlhelmen halten mehr Schläge auf die Rübe aus, TNT-Fässer ermöglichen Kettenreaktionen und nach und nach werden neue Arten von Vögeln freigeschaltet, die verschiedene Spezialfähigkeiten haben. So können sich blaue Piepmätze zum Beispiel vor dem Aufschlag aufspalten (in mehrere kleine Vögel; ist viel harmloser, als es klingt) und grünes Federvieh kommt wie ein Bumerang in einer Kurve zurückgeflogen.

Angry Birds - Das schießt den Vogel ab

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Keine Überraschung: Am Spielprinzip hat sich nix geändert.
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So etwas wie eine Geschichte gibt es auch noch: Die Schweine haben die Eier der Vögel gestohlen. Das bedeutet Krieg. Das war's und reicht ja auch, wozu für ein Minispiel Shakespeare bemühen? Eine der Stärken des Spiels ist, neben dem Nur-noch-ein-Level-Faktor, die charmante Gestaltung: Die knuffigen Vögel und Säue kommen kugelrund und ohne Gliedmaßen daher, die Schweine haben nach dem Beschuss blaue Augen und Zahnlücken, und natürlich hat manch ein Kamikaze-Geier, dem Namen des Spiels entsprechend, eine wulstig-finstere Augenbraue über den Glotzern zu prangen.

Der Sound beschränkt sich auf wenige, dafür mittlerweile für das Spiel ikonische Laute. Das „Wheee!“ eines abgeschossenen Vogels, das gehässige Grunzen, falls man einen Level nicht schafft, oder die Fanfare, die man nach Beendigung eines Levels genießen darf, kennt man zwar bald auswendig, doch das stört nicht weiter (im Zweifelsfall macht man den Ton aus und hat wortwörtlich nichts verloren). Und je weniger wir über den Ohrwurm von Titelmusik reden, desto besser, denn der ist ansteckender als Vogelgrippe und dreimal so tödlich.

Packshot zu Angry BirdsAngry BirdsErschienen für PC, PS3 und PSP kaufen: Jetzt kaufen:

Gut zu Vögeln, schlecht zu Gamern

Wie gesagt, wir alle kennen das Spiel. Interessant ist jetzt natürlich, ob und für wen sich die Anschaffung des jungen Klassikers als „mini“ für die beiden Sony-Konsolen empfiehlt. Die gute Nachricht vorweg: Holt ihr euch Angry Birds vom Playstation Network, sind bereits die mittlerweile gut 200 Level dabei, die auf den anderen Plattformen im Laufe der Zeit hinzugefügt wurden. Das bedeutet natürlich Spielspaß satt.

Doch nun stoßen wir auf ein paar Probleme. Angry Birds ist mit einem Preis von 2,99 Euro zwar alles andere als teuer, wenn man aber bedenkt, dass der Zeitkiller für iOS nur 79 Cent kostet und die Level-Updates kostenlos sind, fragt man sich schon, warum man als Sony-Kunde mehr als das Dreifache bezahlen soll. Man könnte sich das aus Sicht der Macher Rovio Mobile und des Studios Abstraction Games, die für den vorliegenden Port verantwortlich sind, so erklären, dass die Anpassung für das neue System ja nun mal Geld kostet. Da stellt sich eine Frage: welche Anpassung?

Angry Birds - Das schießt den Vogel ab

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Das Spielprinzip ist nach wie vor witzig, aber ehrlich: Wer braucht eine PS3-Version?
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Wie es ja quasi schon Tradition bei den Playstation-minis ist, wurde Angry Birds quasi eins zu eins hinübergehievt und kein Stück verändert. Wer also auf eine HD-Überarbeitung gehofft hat, wird genauso enttäuscht wie derjenige, der eine optimierte Steuerung erwartet. „Ja, gut, was gibt es schon zu steuern?“, fragt jetzt so mancher. Zum Beispiel die Kamera: Sie befindet sich permanent im Zoom, sodass man nur die Festung oder das Katapult sieht.

Nach wie vor ein ultrawitziges Rauschgift, das aber bei seiner Portierung Federn gelassen hat. Wer statt Smartphone eine PSP hat, darf die drei Euro bezahlen - oder er spielt gleich was Größeres.Fazit lesen

Will man zur Übersicht hinauszoomen, muss man zwei Schultertasten nicht nur drücken, sondern gedrückt halten. Wozu dieser Sackstand, wenn nur einer der Face-Buttons belegt ist? Auch das Spannen des Katapults, das auf dem iPhone selbst mit Fettfingern problem- und stufenlos möglich ist, ist ein wenig hakelig geworden - feinere Nuancen beim Zielen sind so deutlich schwieriger zu realisieren.

Unnötig zu erwähnen, dass das Spiel für die PS3 quasi komplett nutzlos ist. Anstatt was „Richtiges“ zu zocken, würde man zu Hause vor dem Fernseher etwas spielen, was suboptimal aussieht und kostenlose Alternativen hat (zum Beispiel das Flashspiel „Crush the Castle“, von dem Angry Birds sein Spielprinzip entlehnt hat). Besitzer einer PSP können darüber nachdenken, sich den ollen Zeitfresser zu holen - allerdings nur, wenn sie ihn nicht bereits für eine andere Plattform haben, ansonsten ist die mini-Version einfach weggeworfenes Geld.