Studien, die sich mit Videospielen beschäftigen, handeln meist von den Auswirkungen virtueller Gewalt oder Süchten, die möglicherweise von MMOs ausgelöst werden. Eine neue Studie beschäftigt sich nun mit einem Spiel, das als völlig harmlos, friedlich, freundlich und zudem als unglaublicher Kassenschlager gilt: Angry Birds!

Angry Birds - Studie beschäftigt sich mit dem Suchtfaktor von Angry Birds

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Angry Birds ist einfach und belohnt die Spieler für primitive Verwüstung einer niedlichen Umgebung. Das sind Faktoren, die eine Abhängigkeit begünstigen.
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Das wütende Federvieh hat im Laufe des Jahres einen unglaublichen Start hingelegt. Über die iOS-Geräte wurde es millionenfach heruntergeladen, setzte seinen Erfolg über Android und den PC fort und wurde sogar für den Nintendo DS umgesetzt. Rovio, die Entwickler hinter dem Spiel, erlangten einen aktuellen Marktwert von über einer Milliarde Dollar. Grund genug für die Marktforscher von aytm.com, sich einmal näher mit den sozialen und psychologischen Hintergründen der Nutzungszahlen auseinanderzusetzen. Das Ergebnis ist erstaunlich.

Die Marktforscher befragten 500 amerikanische Erwachsene im alter von über achzehn Jahren, die mindestens eines der drei „Angry Birds“-Spiele heruntergeladen hatten. Das ursprüngliche Angry Birds wurde von 76% heruntergeladen (45% entschieden sich für die Bezahlversion), Angry Birds Seasons wurde von 29% heruntergeladen (14% davon kauften das Spiel) und der letzte Titel, Angry Birds Rio wurde von 28% der Nutzer heruntergeladen (wovon 16% die Bezahlversion erstanden).

Setzt man das Kaufverhalten mit Alter und Geschlecht der Spieler in Relation, so ergab die Untersuchung, dass 35% der Männer eher bereit waren, das Spiel zu kaufen, als die Frauen. Beiden 18-24 Jahre alten Spielern lag die Kaufbereitschaft bei 33%. Aber auch hier sind Geschlechtsunterschiede festzustellen: Bei den 18-24 jährigen Männern war die Bereitschaft, das Spiel zu kaufen um 76% höher als bei den Frauen über 25 Jahren.

Was die Spielzeit angeht, ermittelte aytm eine geradezu schwindelerregende Zahl: alle Spieler zusammen spielten über 200 Millionen Minuten am Tag. Das entspricht 380 Jahren - oder 16 Jahren pro Stunde. Dabei verschleuderten sie insgesamt mehr als 100 Milliarden Vögel. Also mehr, als es (zumindest geschätzt) lebende Vögel auf der Erde gibt.

Für die psychologischen und soziologischen Grundlagen der Studie befragten die Marktforscher 1000 Spieler, die mindestens eins der Angry-Birds-Spiele mehr als 25 Mal gespielt haben. Auf die Fragen hin, wie sich die die Spieler meistens fühlten, wenn sie ein „Angry Birds“-Spiel spielten, antworteten 6% mit „sehr beunruhigt“, 17% mit „ein wenig beunruhigt“, 22% mit „weder beunruhigt noch entspannt“, 32% mit „ein wenig entspannt“ und 23% mit „sehr entspannt“. Auf die Frage hin, wie sich die Stimmung typischerweise beim Spielen von Angry Birds verändert, antworteten 5%, dass sich ihre Laune verschlechterte, 37% gaben an, dass sich nichts veränderte hätte und über 58% sagten, ihre Laune hätte sich verbessert.
Interessant daran ist, dass arbeitslose Spieler doppelt so häufig eine Verschlechterung der Laune angaben als Spieler die in Lohn und Brot standen und dass Spieler im Alter von 18-24 sogar fünfmal so häufig eine schlechtere Laune bekamen als Spieler im Alter von 25 und älter.

Danach befragt, welche Art von Gefühlen sich manchmal durch das Spielen von Angry Birds einstellen, gaben 24% an, dass sie sich irritiert fühlen, 19% fühlen sich beunruhigt, ebenfalls 19% fühlen sich geradezu verärgert, 39% empfinden ein Gefühl von Macht, 50% sind entspannt und 53% empfinden Freude. Bei den Singles und den verheirateten Spielern sind beide gleichauf, wenn es darum geht, Freude zu empfinden, allerdings kommt es bei Singles sieben Mal häufiger vor, dass sie sich traurig fühlen und zweieinhalb Mal so oft, dass sie sich ärgern. Bei ledigen Spielern ist es neun Mal wahrscheinlicher, dass sich ihre Laune durch das Spielen von Angry Birds verschlechtert, verglichen mit anderen Spielen, die sie spielen.

Was den Suchtfaktor angeht, äußerten 18% der Spieler, dass sie sich niemals abhängig fühlten, 54% manchmal, 15% oft und 13% immer. Psychologe Michael Chorost, erkärte in der Zeitschrift Psychology Today, welche Designmerkmale von Angry Birds dazu führen, dass es besonders suchtfördernd ist. Zum einen ist es sehr einfach und hat keine Lernkurve, um es zu spielen. Es belohnt die Spieler mit primitiven Glückgefühlen, wenn sie Sachen zerstören. Zudem ist es realistisch, denn die Physik im Spiel ist genau so, wie man sie erwarten kann - und zu guter Letzt ist es lustig, was die Geräusche und Animationen angeht. Die Kombination aus all diesen Elementen führt richtet Verwüstung in unserer Hirnchemie an: Die Erwartung einer Belohnung überlastet das Dopamin-System, was dazu führt, dass man unbedingt wissen will, was passiert, wenn man den nächsten Vogel abschießt. Einige Menschen sind für diese Effekte empfänglicher als andere - und schießen einen Vogel nach dem anderen ab.

Bei den jüngeren Spielern (18-35 Jahre) war es übrigens dreimal so häufig, dass die Spieler auf die Abhängigkeitsfrage mit „oft“ oder „immer“ beantworteten, als bei älteren (über 35 Jahren). Bei Ledigen kam das immerhin noch doppelt so häufig vor, als bei verheirateten Spielern.

Von den Spielern, die diese Suchtfaktoren bemerkt und sich daran gestört haben, haben 12% das Spiel gelöscht, um zu verhindern, dass sie es wieder spielen und weitere 12% denken ernsthaft darüber nach, es zu löschen. Alle anderen spielen schlicht weiter.

Ist man also jung, arbeitslos und ledig, hat das Spielen von Angry Birds keine all zu positiven Auswirkungen auf die Psyche und führt nicht selten zur Abhängigkeit.

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