Alles andere als spartanisch wird es in den Medien zurzeit behandelt, das gute alte Sparta. Eigentlich ist das Thema sogar präsenter denn je zuvor. Zu verdanken ist das dem monumentalen Effekt-Kinofilm "300" auf Basis des gleichnamigen Comic-Romans von "Sin City"-Autor Frank Miller.

Das klassische Echtzeitstrategiespiel "Ancient Wars: Sparta" springt dankend auf den Zug auf und entführt uns zeitgleich auf dem PC ins alte Griechenland. Ob die virtuelle Expedition genauso spannend daher kommt wie der Kino-Blockbuster, haben wir im Rahmen epischer Gefechte überprüft. Hier unser Erfahrungsbericht.

Ancient Wars: Sparta - Trailer: Troop Formations7 weitere Videos

Age of Sparta
Harte Hunde waren sie, die Spartaner. Statt wie Axel Schulz ständig die Visage poliert zu bekommen, haben sie persische Widersacher Sagen zufolge gleich im Dutzend vermöbelt. In "Sparta: Ancient Wars" ist davon keine Spur - statt Superhelden in kurzen Röcken schickt ihr ganz normale Menschen in kurzen Röcken in die Schlacht. Doch damit nicht genug: Wer als modernes Echtzeitstrategiespiel durchgehen will, der muss mehr als nur eine spielbare Partei bieten. Deshalb dürft ihr zusätzlich auch die Ägypter und die Perser zum Sieg führen. Alle in einer separaten, jeweils neun Missionen währenden Kampagne.

Ancient Wars: Sparta - Die Spartaner erobern Kino und PC: Ist Ancient Wars genauso pompös wie 300?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 56/601/60
Ein Screenshot aus dem neuesten Siedler-Teil? Mitnichten: Auch in "Sparta" wird gebaut, was die Rohstoffe hergeben.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Strategie-Einsteiger könnten "Ancient Wars: Sparta" genauso gut für die neueste "Age of Empires"-Auskopplung halten. Denn in Sachen Gameplay orientiert sich das Schlachtenepos überdeutlich an Microsofts Strategie-Schlachtschiff. Hier wie dort hebt ihr zuallererst eine funktionierende Basis aus den Angeln. Baracken, Forschungsgebäude, Minen und Verteidigungsanlagen kosten allerdings unverhältnismäßig viele Rohstoffe. Dadurch wird das Unterfangen Basisbau unnötig in die Länge gezogen. In fast jedem Einsatz müsst ihr erst eine halbe Ewigkeit Däumchen drehend abwarten, bis eure Bauern genug Gold und Holz ab- und die Gebäude aufgebaut haben. Gerade zu Beginn einer Partie ähnelt der Titel deshalb viel mehr einem Aufbau- denn einem reinrassigen Echtzeitstrategiespiel.

Dritter und letzter Rohstoff im Bunde ist Nahrung. Im Gegensatz zu Holz und Gold rekrutiert ihr mit dem leckeren Fleisch keine Truppen, sondern erhöht deren Motivation und Heilungsrate. Ist die Armee nicht ausreichend mit Essen versorgt, wird lahmer gekämpft und Gesundheit nicht mehr regeneriert. Im Vergleich mit der Vorabversion ist die Ressourcenverteilung nun übrigens wesentlich ausgereifter. Dass wir mitten in der Mission ohne Gold dastehen, ist uns in der finalen Fassung nicht mehr untergekommen.

Packshot zu Ancient Wars: SpartaAncient Wars: SpartaErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Die Qual der Einheitenwahl
Ist das Ressourcenpolster fürs erste gesichert und die Basis erstrahlt in vollem Glanz, könnt ihr euch endlich an die Rekrutierung eines Heeres machen. Anders als im großen Vorbild "Age of Empires" bekommt ihr in "Sparta" keine festen Truppengattungen vorgesetzt, sondern dürft euch Kämpfer nach eigenem Gusto zusammen basteln.

Ancient Wars: Sparta - Die Spartaner erobern Kino und PC: Ist Ancient Wars genauso pompös wie 300?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 56/601/60
Der aggressive Bruder von Benjamin Blümchen mischt kräftig mit!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Im komfortabel zu bedienenden Einheiten-Baukasten stattet ihr ein 08/15-Männlein mit Primär- und Sekundärwaffe oder alternativ einem Schild aus. Schwerter, Bögen, Speere, Äxte, Schilde - die Auswahl ist schier grenzenlos. Einmal konfigurierte Krieger dürft ihr abspeichern und fortan regulär im Akkord ausbilden. Im Kampf selbst lasst ihr eure Truppen per Mausklick in Windeseile die Waffengattung wechseln und könnt so äußerst spontan auf wechselnde Gefahren reagieren. Unsere äußerst mächtigen Bogenschützen haben wir etwa stets auch mit Speeren ausgestattet. Langsame Schwertträger konnten wir damit ganz einfach aus der Distanz beharken. Und sobald uns der Gegner schnelle Kavallerie auf den Hals hetzt at, haben wir den Burschen flugs Speere in die Hand gedrückt. Das Ergebnis: Reiter am Spieß!

Raum für Experimente ist jedenfalls reichlich vorhanden. Schnell werdet ihr aber merken, dass nur wenige Kombinationen wirklich Sinn machen. Kämpfern sowohl Kurz- als auch Langschwerter in die Hand zu drücken, ist ähnlich wirkungsvoll wie eine Xbox-360-Disc in das PC-Laufwerk zu schieben.

Der Kaugummi-Effekt
Basenbau und Einheitenrekrutierung sind in den meisten Missionen Pflichtprogramm. Das ist wie erwähnt langwierig und deshalb auf Dauer äußerst monoton. Überhaupt sind die Einsätze nicht gerade eine Stärke des Spiels. Meist gilt es, alle Truppen des Gegners auszuschalten und dessen Stützpunkt in Schutt und Asche zu legen. Und das - ihr ahnt es wahrscheinlich bereits - zieht sich ebenfalls wie Kaugummi. Der Sieg wird euch erst dann gewährt, wenn auch die letzte Hütte gefallen ist. Wichtige, zentrale Gebäude zu zerstören, reicht nicht aus.

Ancient Wars: Sparta - Die Spartaner erobern Kino und PC: Ist Ancient Wars genauso pompös wie 300?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 56/601/60
Auch in der Nahansicht hübsch: Die detaillierten Einheiten sind eine der Stärken des Spiels.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Immerhin: Einige wenige Missionen weichen vom Standardmuster ab. Dann müsst ihr mit einer vorgegebenen Anzahl an Truppen etwa einen symbolträchtigen Streitwagen finden oder wichtige Einheiten beschützen. Außerordentlich spannend inszeniert sind auch diese Einsätze freilich nicht. In erster Linie liegt das an den überaus langweiligen Zwischensequenzen in Spielgrafik. In starren Kameraeinstellungen philosophieren Helden über die schwierige Lage, bemitleiden sich selbst und geben unbedeutenden Stuss von sich. Haltet die Füße immer schön in Bewegung! Sonst schlafen sie euch mit Sicherheit ein.

Frust und Lust
Ebenfalls meckern müssen wir über die künstliche Intelligenz und speziell die Wegfindung. Dass euch die KI selbst auf dem höchsten der drei Schwierigkeitsgrade nur über pure Masse zusetzt und stur immer wieder an den gleichen Stellen angreift, sind wir selbst von Genregrößen wie "Command & Conquer 3" gewohnt. Nervig und frustrierend ist es dennoch!

Fast noch schlimmer ist allerdings die Unfähigkeit eurer Einheiten, Laufbefehle auszuführen, ohne sich zu verlaufen oder an Hindernissen hängen zu bleiben. Je größer die Wegstrecke, desto katastrophaler die Wegfindung. Zur Ehrenrettung des Titels sei gesagt, dass sich das Problem durch kurze Bewegungsbefehle merklich abschwächen lässt.

Ancient Wars: Sparta - Die Spartaner erobern Kino und PC: Ist Ancient Wars genauso pompös wie 300?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 56/601/60
An Engstellen wie Brücken fällt die schlechte Wegfindung am stärksten ins Gewicht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Trotz aller Schimpftiraden ist "Ancient Wars: Sparta" aber kein wirklich schlechtes Spiel. Die von den Entwicklern eigens kreierte Physik-Engine hat uns beispielsweise außerordentlich gut gefallen. Häuser fallen bei Beschuss glaubhaft in sich zusammen, Einheiten werden durch anrollende Baumstämme oder Katapultbeschuss spektakulär durch die Lüfte gewirbelt. Mit einigen Monaten zusätzlichem Feintuning hätte aus "Sparta" ein erstklassiger Genrevertreter werden können. So aber bleiben ein bitterer Beigeschmack und viel verschenktes Potenzial!