Anarchy Reigns ist das neue Spiel des Studios Platinum Games, das uns Madworld, Bayonetta und Vanquish schenkte. Es steht in der Tradition ruppiger Brawler à la Streets of Rage und macht das, was diese Spiele immer tun. Und ihr? Kloppt euch durch endlose Gegnerhorden und erfüllt Missionen. "Endlos" ist bei diesem Spiel wörtlich zu nehmen, denn in den vier offenen und großräumigen Arealen wird Welle um Welle an Gegnern auf euch gehetzt. Bis nur noch sie stehen oder ihr.

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Jeder erledigte Feind steigert das, was in den Mehrspielerkämpfen eines Call of Duty "Killstreak" hieße. Je höher dieser liegt, desto mehr Punkte gibt es für eure Highscore, aber desto härter werden auch die anrückenden Gegner.

Ahnungslos, wie ich anfangs war, stand ich nach einiger Zeit fleißigen Gegnerverdreschens einer erdrückenden Übermacht bulliger Mutanten gegenüber, die mich regelrecht zerpflückt haben. "WTF?! Wie soll man denn das schaffen?", war mein erster Gedanke, aber statt eines klassischen Game-over-Screens und Checkpoint-Neustarts wurde mein Charakter wiederbelebt, der Killstreak zurück auf Null gesetzt. Die Mutanten lösten sich in Luft auf und machten wieder Platz für die Standardgegner.

In diesem Moment wurde mir klar, dass Anarchy Reigns nicht das x-te Hack'n'Slay nach der Formel God of War oder Devil May Cry ist, sondern etwas ganz Eigenes. Wer sich auf diese entrückte Zukunft mit ihren Cyborgs, Mutanten und Verbrechern einlassen will, sollte daher nicht voreilig den Vergleich suchen, sondern unbefangen an das Spiel und seine Abläufe herangehen. Um es mit den Worten von Jedi-Meister Yoda zu sagen: "Vergessen musst du das, was früher du gelernt."

Anarchy Reigns ist erfrischend anders und liefert guten, kurzweiligen Action-Trash mit einem erstklassigen Soundtrack.Fazit lesen

Worum geht es?

Anarchy Reigns verschlägt euch in eine Zeit, in der die Menschheit an Friede und Ordnung genauso wenig glaubt wie an Magie. Nach dem unaufhaltsamen Fortschritt der Technik und zahlreichen Konflikten, in denen Massen an Giftstoffen und Mutagenen freigesetzt wurden, hat sich der Bevölkerungsschnitt dramatisch gewandelt. "Normale" Menschen sucht man in der Welt von Anarchy Reigns fast schon mit der Lupe. Die breite Masse, das sind die Anderen, die Fremden: Monster, Roboter, Cyborgs.

Es zählt nur noch das Gesetz des Stärksten, der Reichsten, und dieses Gesetz wird von der BPS durchgesetzt. Max, einer der Topagenten, ist spurlos verschwunden, nachdem seine Frau ermordet aufgefunden wurde. Ein Team, bestehend aus dem jungen Leo, der hübschen Sasha und dem eiskalten Nikolai, wird mit der Jagd auf den unter Verdacht stehenden Max betraut. Er soll um jeden Preis aus dem Verkehr gezogen werden.

Ihre Suche führt sie in eine dunkle Bar in der heruntergekommenen Stadt Altambra. Hier treffen sie auf den Kopfgeldjäger Jack, der Spielern des Wii-Titels Madworld wohlbekannt sein dürfte. Jack ist ebenfalls auf der Suche nach Max, hat mit ihm sein eigenes Hühnchen zu rupfen. Das Aufeinandertreffen der beiden Parteien endet ziemlich ruppig und ihr müsst euch entscheiden, welchem Pfad ihr folgen wollt. Der schwarzen Seite in der Rolle von Jack oder der weißen als Leo.

Anarchy Reigns

- Das nächste Bayonetta?
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Jack aus Madworld ist einer der beiden Hauptcharaktere.
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Beide Geschichten laufen unterschiedlich ab. In den insgesamt vier Stages bereist ihr zwar mit beiden Charakteren die gleichen Welten, aber jeder von ihnen hat Zugang zu bestimmten, dem anderen versperrten Bereichen. An einigen wenigen Punkten treffen beide auch mal aufeinander, haben die meiste Zeit aber nichts miteinander zu schaffen.

Packshot zu Anarchy ReignsAnarchy ReignsErschienen für PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Jede Stage beinhaltet drei Storymissionen, fast ausschließlich Bosskämpfe. Die Missionen werden nicht einfach durch das Absolvieren vorangegangener Missionen freigeschaltet, sondern durch emsiges Punktesammeln, entweder nach dem Besiegen von Gegnern oder dem Erfüllen von Nebenmissionen. Diese kann man beliebig oft wiederholen, in den meisten Fällen sind es Ziele wie "Töte X Gegner innerhalb der Zeit" oder "Töte so viele Gegner wie möglich".

Dass dabei keine Langeweile aufkommt, zumindest nicht so schnell, das liegt an dem guten Kampfsystem und den gelegentlichen Variationen der Aufträge. Mal gibt es eine Waffe mit unendlich Munition oder man reitet auf dem Rücken eines Berserkermutanten und pflügt durch die Gegnerhorden.

Eines der zwei Enden bekommt nur zu sehen, wer beide Kampagnen durchspielt, was insgesamt ungefähr sieben Stunden in Anspruch nimmt. Ausgehend davon, für welchen der beiden Charaktere ihr euch zuerst entschieden habt, erlebt ihr das Finale aus seiner Perspektive. Wollt ihr auch das zweite mögliche Ende sehen, müsst ihr das Spiel eben noch mal mit dem anderen Charakter durchholzen.

Ohne irgendwas zu verraten: Die Geschichte ist absolut belanglos. Die Charaktere sind flach, die Dialoge noch flacher und im Grunde geht es um Nichts. Der Storymodus sollte bei Anarchy Reigns eher der Dreingabe dienen oder dazu, Extras freizuschalten und weitere Charaktere für das eigentliche Herzstück zu gewinnen: den Mehrspielermodus.

Wie wird gespielt?

Anarchy Reigns glänzt vor allem durch sein unterhaltsames Kampfsystem. Jeder Charakter verfügt über eine einzigartige "Tötungswaffe", die sich im Kampf aktivieren lässt und Energie verbraucht. Normale Angriffe und das Erleiden von Schaden füllen eure in vier Segmente unterteilte Tötungswaffenanzeige auf. Für jedes gefüllte Segment könnt ihr einen normalen und für je zwei Segmente einen starken Tötungsangriff ausführen.

Diese Leiste füllt sich sehr schnell, sodass ihr ständig normale und Tötungsangriffe stilvoll kombinieren könnt. Wesentlich langsamer füllt sich hingegen eure Wutanfallanzeige. Wenn es so weit ist, geht ein Glühen von eurem Charakter aus und ihr könnt für kurze Zeit in den Wutanfallmodus wechseln, in dem eure Angriffe verstärkt werden, eure Tötungswaffenanzeige dauerhaft auf Maximum ist und ihr langsam Gesundheit regeneriert.

Mein einziger großer Kritikpunkt an dem Kampfsystem sind die trägen Block- und Ausweichbewegungen, Letzteres zudem sehr umständlich mit zwei Tasten auszuführen, weshalb ein erfolgreiches Defensivmanöver unheimlich knifflig werden kann.

Während ihr außerhalb von Missionen in einer Stage beliebig oft sterben dürft, ohne irgendwelche Konsequenzen erleiden zu müssen, stehen euch für jede Mission eine bestimmte Anzahl an Leben zur Verfügung. Wenn euch also zum Beispiel ein Boss dreimal aus den Latschen haut, gilt die jeweilige Mission als gescheitert und muss erneut gestartet werden. Da sich eure Lebensanzeige unter normalen Umständen nicht von selbst wieder auffüllt, seid ihr vor allem auf eure Fähigkeiten angewiesen und darauf, dass ein erledigter Gegner mit etwas Glück eine Heilkugel fallen lässt.

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Einer der wenigen optischen Lichtblicke: Sasha.
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In jedem Abschnitt kommt es außerdem immer wieder zufällig zu bestimmten Umweltereignissen, über die euch das Spiel mittels Texteinblendung informiert. Die Palette umfasst Bomberangriffe, Schwarze Löcher, Giftgaswolken und Leben regenerierende Kraftfelder, um nur einige zu nennen. All das sorgt auch dafür, dass ihr nie zur Ruhe kommt – nervig vor allem für diejenigen, die sich ungestört umsehen und nach versteckten Extras suchen wollen.

Im Laufe der beiden Kampagnen laufen euch viele Bossgegner über den Weg, die nach einem Sieg als spielbare Charaktere im Trainings- und Mehrspielermodus zur Verfügung stehen. Jeder der insgesamt 16 Charaktere verfügt über ein anderes Repertoire an Angriffen und Tötungswaffen und ist entweder langsam oder schnell, stark oder schwach. Da das Spiel in Deutschland als Limited Edition vertrieben wird, erhält jeder Neukäufer außerdem die Hexe Bayonetta als DLC.

Der Multiplayer

Der Storymodus ist zwar nett, doch der Schwerpunkt liegt ganz klar auf dem Multiplayer-Geschehen. Bis zu 16 Spieler können sich online in elf verschiedenen Modi gegenseitig das Gesicht massieren. Es gibt normales One-on-One, Deathmatch, Team-Deathmatch, Capture-the-Flag und vieles mehr. Der Limited Edition liegt außerdem ein Code bei zum Freischalten zusätzlicher Modi. Wer seinen Namen für die ganze Welt an der Spitze einer Rangliste sehen will, wird genauso bedient wie Gelegenheitsspieler, die einfach nur des Spaßes wegen spielen wollen.

Für das Spielen in Ranking-Matches winken zur Belohnung Erfahrungspunkte, die euch im Level aufsteigen lassen. Durch das Erreichen höherer Ränge spielt ihr verschiedene Fähigkeiten frei, mit denen ihr eure Kämpfer ausrüsten könnt, sowie weitere Spielfiguren, sofern diese nicht bereits durch euren Fortschritt im Storymodus verfügbar sein sollten. Ihr könnt zudem allerhand Embleme freischalten, um euch den Respekt der anderen Spieler zu verdienen.

Etwas schade ist allerdings, dass sich das Leveln und Freischalten neuer Fähigkeiten nur auf den Mehrspielerbereich auswirkt. Die Solokampagne muss ohne jegliche Rollenspielelemente auskommen.