Amped (Xbox 360 Review)
von Nedzad Hurabasic

Im Winter erscheinen jede Menge Sportspiele, natürlich dürfen da auch Umsetzungen zu Trendsportarten wie Snowboarding nicht fehlen. Die meisten dieser Spiele sind jedoch recht dröge Wiedergaben der Realität und halten sich spießig an die Vorgaben des Genres.

Amped 3 für die Xbox 360 will diese Konventionen zumindest teilweise aufbrechen und beeindruckt mit bizarren Zwischensequenzen und passablem Gameplay. Wer ist der King auf der Piste?

Da packst dich weg!
Wenn es nach der Anfangssequenz von Amped 3 geht, dann ist das zweifellos ein Häschen. Aber nicht so eins, an das ihr gerade denken mögt. Es handelt sich um eure Spielfigur, die in einem rosa Kostüm steckt und das Intro in dieser lächerlichen Kostümierung absolvieren muss. Aber - null problemo - das stecken wir cool weg und lassen auch die Scherze unserer Crew über uns ergehen. Das bringt uns Respekt ein, aber glücklicherweise können wir den Fellüberzug schon bald abstreifen und unserem Spielcharakter eine passendere Oberbekleidung zuweisen. Die Clique, bestehend aus J-Dawg, dem Boarder mit Profiambitionen, Hunter, dem risikofreudigen Pistenprinzen, Sebastian, dem Buddha-Boarder und Weiner-Boy, dem Kung-Fu-Azubi. Eigentlich schließt das Resort "Northstar" an diesem Osterwochenende seine Pforten und wir wollen uns mit unseren Freunden auf den Weg nach Chile machen. Doch leider geht das im Resort hart verdiente Geld flöten und wir müssen zusehen, wie wir doch noch nach Südamerika kommen ...

Schon dieser leicht schräge Beginn zeigt, wohin der Hase läuft oder besser gesagt, in welche Richtung sich die Story entwickeln wird. Im Laufe von fünf Akten entwickelt sich eine der interessantesten Geschichten der letzten Monate und hält den Spieler vor allem aufgrund der wahnwitzigen Ideen bei Laune.

Während das Gameplay schon relativ vergleichbar ist mit anderen Trendsporttiteln wie etwa Tony Hawks, besteht die verrückte Story aus einem Sammelsurium kreativer, witziger und kranker Einfälle, die von den teilweise bizarren aber unglaublich fantasievollen Zwischensequenzen getragen wird. Im ähnlich verrückten und abgefahrenen Stil ist auch das Menü entworfen, das eher an zusammengewürfelte Kollagen erinnert und nicht an ein übersichtliches Menüsystem.

Trotzdem findet sich der Spieler recht schnell darin zurecht. Das ist auch darin begründet, dass es nicht allzu viele Punkte gibt.

Amped 3 - Lord of the Boards: Fette Snowboard Moves oder nur Schlitten fahren?

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Der wichtigste Menüpunkt und gleichzeitig der Mittelpunkt des Spiels ist sicherlich "Auf die Hänge", der sofortigen Zugang zu der jeweils geladenen Bergregion gewährt. Insgesamt gibt es sechs Berge, doch abgesehen vom Ersten müssen natürlich, um die Motivation hoch zu halten, die weiteren Hügel erst freigeschaltet werden. Doch schon der erste Berg bietet die Gelegenheit zu jeder Menge Schneeaction. Die Storykampagne selbst ist zwar linear aufgebaut, dem Spieler steht es aber frei jederzeit zu tun und zu lassen, was er will. Wer lieber nur ein wenig Freestyle-mäßig den Berg runter donnern will, kann das tun.

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Er kann sich aber auch eine der vielen Herausforderungen (Challenges) stellen und auch die Geschichte weiterführen. Wenn er die entsprechenden Bedingungen erfüllt. Die Übersicht behält der Gamer über eine Pistenkarte, die den Berg visualisiert und auf dem Events, Absetzpunkte und bereits absolvierte Challenges mit verschiedenen Icons dargestellt sind. Sich darin zurecht zu finden stellt kein Problem dar, wer einfach nur ein bisschen auf dem Berg fahren möchte, lässt sich an einem Hang absetzen und schon gehts los. Wer unterwegs auf eine der unzähligen Herausforderungen trifft, die auf dem ganzen Berg verteilt sind, darf sich ihnen natürlich trotzdem stellen.

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Bei diesen Aufgaben soll der Spieler beispielweise durch Tricks und Combos eine möglichst hohe Punktzahl in der vorgegebenen Zeit erreichen, muss beim "Samurai-Slalom Tore fristgerecht durchfahren oder Profifahrern auf der Spur bleiben, ohne abgehängt zu werden. Nebenbei verdient sich der Spieler damit Respekt und Coins, das ist die Währung in Amped 3. Mit Respekt werden neue Gebiete freigeschaltet, Coins ermöglichen dem Spieler seine Figur mit neuen Ausrüstungsgegenständen und anderen Objekten einzudecken, die es im Shop gibt. Außerdem gibt es jede Herausforderung in verschiedenen Schwierigkeitsstufen und Medaillen und Auszeichnungen winken für besonders gutes Abschneiden.

Alles easy, ey!
Doch wie spielt sich das alles? Mit einem Wort: einfach. Ähnlich zugänglich wie das Skateboarden bei Tony Hawks fällt es nicht schwer die Spielfigur auf dem verschneiten und eisigen Untergrund unter Kontrolle zu halten. Der linke Stick steuert den Boarder über die Piste, lässt ihn Drehungen vollführen und Anhalten bzw. Losfahren. Wer sich umsehen möchte, benutzt dazu den rechten Stick. Zum Beschleunigen dient Taste "A", die aber auch zum Springen benötigt wird. Das ist die einzige kleine Hürde, die das Gameplay aufstellt. Sobald die Taste losgelassen wird, hebt die Spielfigur ab.Das ist aber vor allem dann nützlich, wenn an einer Rampe durch die Sprungkraft ein noch höherer oder weiterer Sprung gelingen soll oder eine Rail angesteuert wird. Die Metallschienen, Boxen oder andere Objekte wie Felsen können beliebig gegrindet werden, meist ist es nötig hinaufzuspringen, wenn die Rail aber den Boden bzw. den Schnee berührt genügt es draufzufahren. Wer durch Pulverschnee fährt, kann sich durchs "Carven" Extrapunkte verdienen. Das geht sehr einfach, indem jeweils bei Richtungsänderung die entsprechende Schultertaste betätigt wird. Alle anderen Moves ergeben sich aus Sprüngen oder im Kombination mit Fahrten auf Rails.

Befindet sich der Spieler in der Luft oder "reitet" Objekte, kann er durch verschiedene Tastenkombinationen Drehungen, Spins, Flips, Off-Axis-Bewegungen und Grabs seine Punktzahl drastisch hochtreiben und auch Multiplikatoren einstreichen. Eine weitere Wertung wird durch die Coolness-Challenge eingeführt.

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Je mehr erfolgreiche Tricks und Herauforderungen beim Befahren des Hangs erfolgreich gemeistert werden, desto höher steigt die Coolness-Anzeige. Sobald sie sich komplett gefüllt hat, zieht die Spielfigur die Blicke der umstehenden Wintersportler auf sich. In diesem Zeitraum beeindruckt jeder gelungene Trick die Zuschauer. Gewinnt der Gamer eine bestimmte Anzahl für sich, so wird der nächste Teil des Skiresorts für weitere Abenteuer zugänglich.

Wer gerade am Hang unterwegs ist, kann übrigens auch das Gefährt wechseln und das Snowboard zur Seite legen. Neben dem Board kann der Spieler auch mit einem Snowmobil über die Piste rasen oder auch mit einem Schlitten den Berg hinabsauen. Mit dem Schlitten kann und soll der Spieler Unfälle bauen und wird dafür auch noch belohnt! Je spektakulärer der Crash, desto höher die Belohnung. Krass! Auch auf dem Schneemobil können verschiedene Tricks hingelegt werden, aber nicht jedes Modell beherrscht alle Moves.

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Im Verlauf des Spiels lassen sich unterschiedliche Vehikel in allen Kategorien freischalten und lassen dem Gamer so jede Menge Entfaltunsgmöglichkeiten. Wenig Entfaltung gibt es jedoch hinsichtlich der Multiplayer-Funktionen des Spiels. Den gibt es nämlich gar nicht. Nur einige wenige Challenges lassen sich zu zweit angehen, das wars dann aber auch schon. Das ist doch etwas dürftig, tut dem Spielspaß letztendlich keinen Abbruch.

Grafisch ist Amped 3 eher Durchschnittsware, wenn man das Niveau der Xbox 360 heranzieht. Einige Highlights wie der sehr schöne Himmel und teilweise detaillierte Texturen verwöhnen das Auge.

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Verschiedene andere Objekte wirken hingegen trotz Bump-Mapping nicht wirklich überwältigend. Dafür macht die Präsentation der Geschichte und vor allem der Zwischensequenzen einiges wieder wett und das Spiel einzigartig und in dieser Art bisher unerreicht. Monty Python lässt grüßen! Auch soundtechnisch macht das Spiel viel her und kann fast auf ganzer Linie überzeugen. Der geile Soundtrack rockt oder hip-hopt gekonnt vor sich hin und bildet so die absolut passende Untermalung für den Pistensport. Allenfalls die Vertonung der Charaktere ist nicht einwandfrei gelungen, doch dies könnte auch ein Stilmittel sein. Bei diesem "kranken" Spiel weiß man nie ...