Der Sommer ist keine einfache Zeit, um die über den Winter sorgsam herangepflegte Kellerbräune zu erhalten: Freunde locken mit Freibad, Eisdielen locken mit Eiskugeln und an den See könnte man sich eigentlich auch mal wieder legen. Während in der Steambibliothek die Unterhaltungsgiganten mit Abwesenheit glänzen, rotieren in den neuen Konsolen allerhöchstens nur Reinigungs-CDs. Um euch trotzdem vor frischer Luft und hochgiftigem Sonnenbrand zu schützen, habe ich mich in die tiefsten Archive und durch „Das könnte Sie auch interessieren“-Listen gewühlt, um euch fünf Hoffnungsträger des Spielspaßes und der Gänsehaut zu präsentieren.

Gänsehaut im Sommer? Ganz genau. Als Fan und schreckhaftes Opfer des Genres habe ich gezielt nach Horrorspielen Ausschau gehalten, die ganz frisch in den Laden gekommen sind oder den noch in der Ferne liegenden Release mit vielversprechenden Trailern verkürzen.

Watch_Dogs-Disclaimer

Ja, Watch Dogs steht in den Startlöchern und ja, vor Vorfreude passen manche Spielemagazine sogar ihr Logo an den erhofften Superhit an. Wärend letzteres sicherlich eine zweifelhafte Tradition innerhalb der Spielebranche darstellt, könnte ersteres schon bald 100% eurer Freizeitkapazität auffressen. Aber wie lautet noch gleich dieser bekannte Indianerspruch? „Erst wenn das letzte Collectable gefunden, die letzte Mission beendet und das letzte Artwork freigeschaltet ist, werdet ihr merken, dass ihr noch immer Bock auf mehr Spiele, mehr Unterhaltung, mehr Grusel habt.“ Und deswegen solltet ihr diese Liste in eure Browser-Favoriten packen – keine Angst, sie wird später noch da sein.

Oh, apropos Angst!

Among The Sleep: Ein Baby auf Abwegen

Among The Sleep (Release: 29.05.2014) erregte bei seiner Ankündigung vor einiger Zeit durch seinen ungewöhnlichen Protagonisten reichlich Aufmerksamkeit. Statt die üblichen Kandidaten für die Rolle der leidenden Hauptfigur, beispielsweise pensionierte Soldaten oder ausgebrannte Autoren, zu wählen, entscheidet sich das norwegische Entwicklerteam von Krillbite für eine außergewöhnliche Alternative: Als Baby, das sich kaum auf den eigenen Beinen halten kann, bewegt ihr euch meist kriechend durch die Welt der Erwachsenen – und darüber hinaus.

Dank der kostenfreien Demo kann man sich bereits einen guten Eindruck von dem Spiel verschaffen, dessen Horror und Spannungsbogen vor allem im einführenden Teil des Spiels durch die ungewöhnliche Perspektive des Spielers entsteht: Gegenstände und alltägliches Interieur wirkt in dem verlassenen Elternhaus bedrohlich und einschüchternd und das einfache Öffnen einer Tür stellt uns vor unerwartete Rätsel. Ohne zu viel zu verraten, bricht die Geschichte nach der ersten Stunde mit den etablierten Regeln und wird dabei sicherlich einige Spieler vor den Kopf stoßen. Da auch hier die Demo endet, müssen wir uns wohl auf das fertige Spiel gedulden, um herauszufinden, wie die Reise des Kindes weitergehen wird – und ob die folgenden Kapitel in dieser Gruselgeschichte halten können, was die erste Spielstunde so eindrucksvoll verspricht.

The Night is Dark and Full of Terrors - Alpträume, Angst und Panik: Aktuelle Horrorspiele mit Gänsehautgarantie

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Nachdem ihr zu Beginn des Spiels euer Elternhaus erkundet habt, wartet ein kleiner Twist auf euch, der allerdings Geschmacksache sein dürfte.
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DreadOut: Erschreckender Crashkurs in indonesischer Mythologie

DreadOut (Release: 15.05.2014) gehört rein thematisch zu den klassischen Horrorspielen aus dem asiatischen Raum, das traditionelle Mythologie in die Neuzeit übersetzt und deswegen schwierig vorauszusehen ist. Obligatorische Spielelemente, wie Checkpoints und der Neustart von Spielabschnitten hat das indonesische Team von Digital Happiness kreativ in Angriff genommen: Wenn die Protagonistin beispielsweise stirbt, erwacht sie wieder in einem Meer aus Finsternis und muss in die Richtung des Lichts laufen, um wieder in das eigentliche Spiel zurück zu gelangen.

Der Spieler schlüpft in die Haut der Schülerin Linda, die schutz- und ahnungslos in einer verlassenen Stadt herumirrt. Der dabei häufige Wechsel zwischen Egoperspektive und Third-Person machen in Kombination mit dem in Videospielen ungewöhnlichem Setting Indonesiens einen großen Reiz des Asia-Schockers aus.

Grafisch gehört DreadOut nicht zu den optischen Wundern, aber wer nach der Flut an budget-armen und hervorragenden Indie-Horror-Titeln noch immer glaubt, dass Gänsehaut nur mit FarCry-Engine funktioniert, darf an dieser Stelle diesen Text verlassen. Der Rest sollte sich DreadOut einmal genau ansehen und dem bunten Mix aus Gameplayelementen und indonesischer Mythologie eine Chance geben.

Daylight: Gratwanderung zwischen Schatten und Licht

Könnt ihr euch an das letzte Mal erinnern, als ihr einen Film gesehen habt? Also, ohne auch nur ein einziges Mal einen Blick auf euer Smartphone geworfen zu haben? Dachte ich mir. Die Entwickler von Zombie Studios prangern genau diese Mutter aller Suchtverhalten an und schenken uns mit Daylight (Release: 29.04.2014) ein Spiel, das diesen Missstand anprangert und selbst den Protagonisten eines Horrorspiels zum Sklaven seines Handydisplays macht.

Nein, so ist es selbstverständlich nicht, aber tatsächlich fällt der häufige Blick des Spielers auf das Handy deutlich auf – auch wenn das zum Überleben absolut essentiell sein wird. Die Entwickler von Zombie Studios haben ihr Spiel nicht nur mit der Unreal Eninge 4 aufgehübscht, sondern durch das großzügige Streuen von Zufallselementen dafür gesorgt, dass sich jeder Neustart möglichst anders und neu anfühlt.

Dabei trägt Daylight auf faszinierend konsequente Weise dem Umstand Rechnung, dass ihr ständig euer Smartphone zur Hand haben müsst: So bleibt euch nur eine freie Hand, um andere Gegenstände zu tragen und verlangt euch von Zeit zu Zeit schwierige Entscheidungen ab.

Zukunftsmusik: SOMA und The FLOCK

Bekanntlich ist Vorfreude ja die schönste Freude und das trifft auch auf Horrorspiele zu! Beim Streifzug durch Entwicklerhomepages und Steamkategorien entdeckte ich einige ambitionierte Projekte, deren Release aber noch weit in der Ferne liegt. Trotzdem möchte ich euch diese kommenden Vielleicht-Hits nicht vorenthalten und habe deswegen zwei meiner Favoriten herausgepickt.

SOMA: Amnesia 2.0

SOMA fühlt sich an, als hätten die Amnesia-Spiele einen Sci-Fi-Ableger gebährt. Tatsächlich arbeitet ein Großteil des an Amnesia beteiligten Entwicklerteams an diesem neuen Projekt, das euch tief ins Ungewisse stürzt. Während ihr auf der Suche nach eurer eigenen Herkunft und Identität seid, werdet ihr immer wieder vor vollendete Tatsachen gestellt: Ein Raum voller Leichen, aufgebrochene Türen, Blutspuren. Oft bleibt nur die Suche nach Indizien, um die Geheimnisse eurer Umgebung aufzudecken. Interessanter Kniff: Jede von euch gefundene Leiche trägt einen Chip bei sich, der die letzten zehn Sekunden des Opfers anzeigen kann. Mit diesem Gefühl, immer einen Schritt hinterher zu sein, spannt SOMA seine Spieler dermaßen auf die Folter, dass bereits bloße Geräusche den Fluchtinstinkt wecken.

Das Gameplaymaterial sieht vielversprechend aus und mit dem eingespielten Entwicklerteam sitzen Meister des Horrors an den Codierzeilen. Voraussichtlich im Frühjahr 2015 dürfen wir uns dann von der fertigen Gruselpackung selbst überzeugen, wenn das Spiel in die Läden kommt.

The FLOCK: Horror feat. Multiplayer

Mit dem Erstlingswerk des holländischen Entwicklerstudios Vogelsap plant das junge Team eine kleine Revolution innerhalb des Horrorgenres: Unter dem neu erfundenen Genrebegriff „Asymetrischer Multiplayer-Horror“ treten Spieler in einem düsteren, verwinkelten Levelareal gegeneinander an. Irgendwo befindet sich ein leuchtendes Artefakt, das der Umgebung helles Licht spendet. Der Spieler, der diesen Gegenstand als erstes aufnimmt, wird zum „Carrier“ und muss die Lichtquelle nun vor den anderen Spielern schützen. Der Clou: Tragt ihr das Licht, bewegt ihr euch deutlich langsamer und seid leicht für die wendigeren und schnelleren Jäger in den dunklen Katakomben sichtbar – allerdings könnt ihr ungeschickte Angreifer mit gezieltem Anstrahlen töten.
Der Spieler, der den Carrier schließlich tötet, wird selbst zum Lichtträger und wechselt die Rolle.

Damit entsteht eine Dynamik, die – wie die Trailer zeigen – tatsächlich nichts mit johlendem Multiplayerspektakel zu tun haben, sondern es den Spielern überlässt, eine gruslige und spannungsgeladene Atmosphäre zu erzeugen. Wir freuen uns schon jetzt auf eine erste Demo, um das ungewöhnliche Spielprinzip ausprobieren zu können.

Wenn euch diese kleine, aber feine Zusammenstellung gefallen hat, dann lasst es uns in den Kommentaren wissen. Für welches Genre würdet ihr denn gerne als nächstes eine handvoll gutgemeinte Ratschläge lesen?