Es war einmal… ein Genre, das landauf, landab bekannt war als „Adventure“. Das Adventure regierte eine lange Zeit als weiser und gerechter König das Land der Spiele und wurde von seinen Untertanen geliebt für seine schönen Geschichten und die blühenden Grafiklandschaften in prächtigster VGA-Qualität, die sein Reich heimelich machten.

Bis eines Tages ein böser Zauberer das Land des Adventures heimsuchte und wie ein Rattenfänger mit seinen Gesandten Lord Ego-Shooter und Prinz Echtzeitstrategie die Bewohner aus ihren Hütten lockte und ihnen ein fernes Land verhieß, in dem Milch und Shader-Model 3.0 und jede Menge Blut fließen.

Das Adventure blieb allein in seinem verwaisten Reich zurück und verwandelte sich vor Gram allmählich in einen hässlichen, kleinen Frosch, der langsam in Vergessenheit geriet. Und viele Jahre ward nichts mehr von ihm gehört…

Alter Ego - Des Rätsels Lösung in unserem Video ReviewEin weiteres Video

Bis sich eines Tages eine Gruppe verschrobener Tschechen in das Land des Frosches verirrte. Die Tschechen hatten Mitleid, als sie den Frosch sahen, und bauten ihm der alten Zeiten willen auf den Ruinen seines einstigen Schlosses eine neue prächtige Burg: Black Mirror Castle. Nun ja, zumindest war sie prächtiger als der lausige Tümpel, in dem der Frosch vorher gehaust hatte.

Alter Ego - Mörderisch spannend? Das neue Spiel der Black-Mirror-Macher

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Die Verwandtschaft zu Black Mirror ist Alter Ego deutlich anzusehen.
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Doch dem Frosch stieg der neue Ruhm zu Kopf, und er ließ sich von so ziemlich jeder Prinzessin küssen, der er weismachen konnte, er würde dadurch zurück in einen Prinzen verwandelt. Die Tschechen jedenfalls saßen von da an ein wenig blöd in der Ecke rum und guckten dumm aus der Wäsche.

Um seine Gunst zurückzugewinnen, bauten sie ihm ein kleines Sommerhäuschen auf den Hügeln von Ni-Bi-Ru, gleich in der Nachbarschaft, doch war der Frosch zu dem Zeitpunkt schon mit ein paar heißen Ischen durchgebrannt, wie der holden Madame Telltale, der stattlichen Lady Daedalic oder dem schwulen King Art.

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Düstere Stimmung, unheimliche Nebel: Future Games lehren erneut das Gruseln.
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Also nahmen die Tschechen all ihren Mut zusammen und erbauten auf einem kargen Landstrich in unmittelbarer Nähe zum Reich des Frosches ein neues Schloss, eines, das schöner und moderner sein sollte als das staubige Gemäuer des griesgrämigen Amphibs, in dem freie Liebe und jede Menge Koks möglich waren. Und sie nannten es Reprobates. Doch war Reprobates auf einem Sumpf gebaut und aus billigen Ikea-Spanplatten dürftig zusammengenagelt, und so versank es noch, bevor es wirklich fertig war, und riss die Tschechen beinahe mit sich in den Abgrund…

Der Frosch lachte hämisch und ließ sich aus Trotz ein neues Black Mirror gleich neben dem alten bauen, das genau so aussah wie das vorherige und in dem Koks und freie Liebe strickt verboten waren. Aber weil die Tschechen noch nicht gestorben waren, leben sie noch heute. Und machen weiter: mit Alter Ego…

Das eine und das andere Ich

Alter Ego ist der Versuch der tschechischen Entwickler von Future Games, an ihre „Black Mirror“-Wurzeln anzuknüpfen, sprich: klassisches Point & Click ohne Splitscreen- und Countdown-Sperenzchen, dafür düstere Stimmung und blutig rätselhafte Geschehnisse, die es zu ergründen gilt.

Mit Alter Ego möchten Future Games an ihren ersten Hit, Black Mirror, anknüpfen. Toitoitoi, dass es gelingt!Ausblick lesen

Als in Ketten gelegter Dieb und blinder Passagier Timothy Moor erreichen wir per Schiff aus der Neuen Welt die britische Hafenstadt Plymouth, wo wir uns eigentlich mit einem Freund treffen wollten, nun aber erst einmal auf der Flucht vor der Polizei durch Abwasserkanäle robben – mit stramm gezogenen Handschellen ein denkbar undankbares Vergnügen.

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Gelegentliche Zwischensequenzen treiben die Handlung voran.
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Zum Glück finden wir Unterschlupf in einer Wäscherei, wo uns die ebenso freundliche wie hübsche Wäscherin behilflich ist – jedoch nicht, ohne uns zuvor mit den adventure-typischen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu beauftragen: den Waschzuber reparieren, die Handschellen loswerden, einen zu neugierigen Beamten ablenken.

Das alles passiert durch klassisches Kombinieren von Gegenständen, anfangs noch ziemlich einfach gehalten und leider auch wenig originell. Realistisches statt Abgedrehtem versprechen die Entwickler und meinen damit vermutlich, dass keine zwei Meter hohen Wattestäbchen in Hosentaschen gesteckt werden. Zumindest zu Beginn wirken die Puzzles jedenfalls etwas bemüht.

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Liegen lernen: Die Story braucht eine Zeit, um in die Gänge zu kommen.
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Da müssen wir einen Polizisten vor dem Haus ablenken, indem wir triefnasse Zigaretten aus der Wäsche angeln, sie zum Trocknen erst durch den Mangler drehen (!), dann auf den Kamin legen und sie ihm schließlich auf eine Bank fallen lassen, um ihn anzulocken. Alsdann schicken wir ihn ins Land der Träume, indem wir unsere abgelegten Handschellen auf seinen Kopf plumpsen lassen… Dann doch lieber Zwei-Meter-Wattestäbchen und Bananenpflücker.

Ob Kunst- oder Fehlgriff der Entwickler wird sich noch zeigen: Als hundsgemeiner Dieb ist „Held“ Timothy jedenfalls kein Sympathieträger. Wir klauen einem blinden Bettler die Geldmünzen aus dem Hut und tauschen sie gegen Jackenknöpfe ein – „Alter Ego“ möchte bewusst Alter-native sein zur strahlenden Weltenretter-Retorte seiner Genre-Verwandtschaft.

Bleibt abzuwarten...

Den Job des Helden übernimmt dafür Hauptcharakter Nr. 2, den wir im nächsten Kapitel spielen und kennen lernen: Detective Bristol wird an seinem ersten Tag im Revier sogleich mit einem mysteriösen Fall konfrontiert: Auf dem Friedhof gab es einen Mord, das Grab eines kürzlich verstorbenen Adligen wurde geschändet und geplündert. Es gilt, Nachforschungen an- und Zusammenhänge herzustellen.

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Im Notizbuch fügt sich der Fall allmählich zu einem kohärenten Bild zusammen.
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Hier dreht Alter Ego endlich richtig auf. Statt einfach nur mehr zweck- als sinnvoll Gegenstände miteinander zu kombinieren, muss der Spieler schon beinahe eine detektivische Leistung vollbringen: einen Stofffetzen mit der Jacke des Toten vergleichen, Zeugenaussagen überprüfen, Spuren nachgehen. Gesammelte Erkenntnisse hält der Detective skizzenhaft in seinem Notizbuch fest, wo sich der Fall nach und nach zu einem schlüssigen Bild zusammenfügt.

Leider endete unsere Preview-Version an dieser Stelle bereits schon wieder, als das Spiel gerade begann in die Gänge zu kommen. Wie die beiden Handlungsfäden zwischen Dieb und Ermittler, zwischen dem Mord und der geraubten Leiche miteinander verwoben werden, erfahren wir also erst, wenn in wenigen Wochen die Testversion in unserer Redaktion eintrifft.

Aber genau daran wird sich festmachen, ob aus Alter Ego noch ein Schuh draus wird, der in die Fußstapfen von Black Mirror passt. Denn ein Grusel-Adventure steht und fällt nunmal mit seiner Story, und von der gab es bisher leider zu wenig zu sehen…