Wer waren noch mal gleich Future Games? Ach ja, die „Black Mirror 1“-Macher… Wenn ein Spieleentwickler nicht unter seinem wirklichen Namen geläufig ist, sondern nur als „Macher von XY“, dann kann das nur zweierlei bedeuten: Entweder XY war ein Werk von solch legendärer Strahlkraft, dass die Nennung seines Namens auch Jahre nach der Veröffentlichung noch demütige Ehrerbietungsstarre auslöst.

Oder besagter Entwickler hat mit XY vor ewigen Zeiten mal einen halbwegs ordentlichen Glückstreffer gelandet und zehrt seitdem von dessen Ruhm, nachdem er sonst nur Mist produziert hat. Auf Future Games – pardon: die Macher von Black Mirror 1 – trifft Letzteres zu…

Alter Ego - Des Rätsels Lösung in unserem Video ReviewEin weiteres Video

Ein Fall für Zwei

Es ist ein ungleiches Paar, dessen Wege sich durch schicksalhafte Verquickungen kreuzt: Der Taschendieb Timothy Moor wollte eigentlich seine triste Heimat Großbritannien gen Neue Welt hinter sich lassen, wird aber als blinder Passagier verhaftet und hat auf der Flucht nun die halbe Polizei von Plymouth auf seinen Fersen.

Alter Ego - Es gibt bessere Alter Nativen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 57/611/61
Ungleiches Team: Detective Briscol und Taschendieb Timothy.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Detective Briscol tritt seinen ersten Arbeitstag im neuen Revier an und wird sogleich mit einem mysteriösen Fall konfrontiert: Das Grab eines Adeligen wurde geschändet, und der Totengräber fiel einem bestialischen Mord zum Opfer. Dass besagtem Edelmann beim abergläubischen Volk der Ruf anhaftet, ein blutrünstiges Monster gewesen zu sein, und die Bissspuren am Hals des Opfers auf einen Vampir als Täter hindeuten, setzt die Ereignisse in den übernatürlich schaurigen Kontext, den man von einem Future-Games-Spiel erwartet.

Ähnlich wie beim ersten Black Mirror oder dem eher unbekannten Scratches pendelt Alter Ego auf die Weise ständig zwischen den Polen des Übersinnlichen und dessen Einbildung, legt falsche Fährten aus, die im Wechselspiel nahe legen, die Bestie sei nur Aberglaube oder doch real. In der Tradition eines Edgar Allan Poe belässt das Spiel seinen Horror bei der Andeutung und lässt ihn nur als Ahnung im Kopf des Spielers entstehen. Oder hätte es gerne so…

Nicht gewollt oder nicht gekonnt

Denn bei alledem geht Alter Ego viel zu ungeschickt vor, um tatsächlich Spannung aufkommen zu lassen. Möchte man das Spiel unter ein griffiges Motto stellen, drängt sich die Formel vom „Gewollt, aber nicht gekonnt auf“. Falsche Fährten werden viel zu unbeholfen platziert. Statt Andeutungen zu hinterfragen und den Knoten aus zahlreichen Handlungsfäden genüsslich zu entwirren, wartet der Spieler ungeduldig auf einen Knalleffekt, der sich bis zum Ende nicht blicken lassen möchte.

Alter Ego - Es gibt bessere Alter Nativen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 57/611/61
Es dauert eine Weile, bis die Story in die Gänge kommt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Überhaupt das Ende: Dieses kommt so plötzlich, dass man nur ob seiner Endgültigkeit nicht versucht ist zu denken, Future Games hebe sich den Rest der Geschichte in „Vampyre Story“-Manier für einen Nachfolger auf. Es drängt sich der Verdacht auf, Alter Ego sei ursprünglich sehr viel größer angelegt gewesen und aus Zeit- oder Geldmangel im Laufe der Entwicklung zusammengestrichen worden – ein Argument, für das auch die sehr kurze Spieldauer von ca. sechs bis acht Stunden spricht.

Auch innerhalb der Kapitel fehlt es dem Spiel deutlich an Umfang: Selten sind mehr als zwei bis drei Screens gleichzeitig erreichbar. Die geringe Anzahl der so verfügbaren Hotspots machen die ohnehin schon leichten Rätsel endgültig zur Farce. Originalität ist in dieser nicht unwichtigen Adventure-Disziplin ohnehin in Alter Ego nicht zu erwarten. Schlüssel, von denen man mit Kerzenwachs ein Duplikat erstellt, Fußabdrücke, die mit Gips ausgegossen werden, und Hunde, denen Fleisch zur Ablenkung gereicht – hat man alles schon so oft gesehen, dass die richtige Aktion fast schon im Reflex Mausklick wird.

Alter Ego - Es gibt bessere Alter Nativen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 57/611/61
Die Parallelen zu Black Mirror sind unverkennbar.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das Kombinieren zweier Gegenstände im Inventar (Haken und Seil, huiuiui) bildet da fast schon das Höchste der Gefühle. Bisweilen scheint es gar, als resignierten Future Games vor der eigenen Ideenlosigkeit, indem sie die Lösung gleich selber mitliefern: Von oben genanntem Schlüssel reicht es beispielsweise schon, den Wachsabdruck zu machen. Die Kopie wird dann automatisch zwischen zwei Kapiteln angefertigt. Da hier offensichtliches Potential in fast schon fahrlässiger Manier nicht genutzt wird, möchte ich zur Ehrenrettung von Future Games hoffen: Vielleicht hätten sie doch gekonnt. Aber einfach nur nicht gewollt…

Gewollt, aber nicht gekonnt: Im Genre des gepflegten Grusels gibt es bessere Alter Nativen.Fazit lesen

Denn Ansätze zu einem guten Spiel sind durchaus vorhanden sind. Dass Future Games einen Loser und einen kriminellen Unsympathen zu den Helden ihres Thrillers machen, ist zumindest mutig. Auch dieselbe Geschichte aus zwei unterschiedlichen Perspektiven zu erzählen, gibt immer wieder Gelegenheit zu cleveren Spielereien mit dem unterschiedlichen Wissensstand von Protagonisten und Spieler. So etwa, wenn wir als Detective Briscol erstmals zufällig auf unser zweites Alter Ego Timothy treffen, diesen aber nicht ansprechen können, weil wir ihn ja eigentlich noch nicht kennen.

Alter Ego - Es gibt bessere Alter Nativen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 57/611/61
Die Zwischensequenzen sind ordentlich, aber nicht bahnbrechend.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Oder wenn wir am Ende als Timothy einen unscheinbar wirkenden Ring finden, dessen zentrale Bedeutung als Wendepunkt der Geschichte dieser aber nicht begreifen kann, weil ihm relevante Informationen fehlen, die wir als Spieler aber haben. Doch anstatt diese Erzählweise für raffinierte Verwirrspiele und schockierende Erkenntnisse zu nutzen, präsentiert uns das Spiel die Auflösung in einem drögen Dialog, der uns all das vorkaut, das wir doch so gerne selbst in Erfahrung gebracht hätten…