Die Katze lässt das Mausen nicht: Das Studio Obsidian Entertainment hat auffallend viele Rollenspiele im Portfolio. Dabei beschränken sich die Spiele-Experten nicht auf das typische Fantasy-Setting, sondern machten auch schon mal mit Knights of the Old Republic 2 einen Ausflug ins Star Wars-Universum. Auch das dystopische Fallout 2 ging auf das Konto einiger Programmierer, die später zu Obsidian stoßen sollten. Ein Rollenspiel mit einer Zeitlinie in der Gegenwart ist somit ein logischer Schritt, denn Zukunft, Fantasy- oder Endzeit sind von den Entwicklern schon einmal behandelt worden.

Das jüngste Obsidian-Eisen im Feuer trägt dementsprechend wieder deutliche RPG-Züge. Trotzdem werden auch andere Elemente wie Action, Dialoge und Schleichpassagen der Charakterlevelei hinzugefügt. Schließlich spielt sich Alpha Protocol im Agentenmilleu ab, in dem Informanten eine genauso wichtige Rolle spielen wie ein geschulter Umgang mit der Waffe. Sega hat sich die Lizenz den für neuesten Streich der Amerikaner gesichert und will die Agentenmixtur im Oktober für Xbox 360, Playstation 3 und den PC herausbringen.

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Mehr Bourne als Bond

Michael Thorntons geheime Mission führt nach Osteuropa. Amerikanische Raketen sollen dort ein Passagierflugzeug abgeschossen haben. Bevor sich die ohnehin schon angespannten diplomatischen Verhältnisse in einer ausgewachsenen Krise entladen, muss unser Agent der Sache nachgehen und die Schuldigen auf einem Silbertablett liefern können. Es ist nicht bekannt, wer dieses Attentat eingefädelt hat, geschweige denn woher das Geschoss kam, das den Flieger vom Himmel holte. Eigentlich kein allzu schwieriger Job für einen Agenten wir Michael.

Alpha Protocol - Die KotOR2-Macher auf den Spuren von James Bond

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Alpha Protocol wird ein Rollenspiel zwischen Bourne und Bond.
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Die Jagd nach den Schuldigen entwickelt sich aber schnell zum Katz- und Maus-Spiel um den halben Erdball. Von Moskau geht es weiter in den Nahen Osten, anschließend nach Fernost und wieder nach Westeuropa. Bald schon sieht sich Thornton einer satten Intrige ausgesetzt, in der er niemandem mehr trauen kann – oder meinen es doch einige einflussreiche Leute gut mit ihm? Besser ist es, wenn er sich nur auf seine Instinkte und sein Können verlässt. Wer schon mal eine Spionage-Geschichte in Büchern oder Filmen mitverfolgt hat, weiß: Agenten sterben einsam.

Sein Rückzugsraum ist eine recht mondäne Wohnung, die direkt an seinem jeweiligen Einsatzort liegt. Trotz Stadtplänen und zahlreicher Schauplätze muss unsere Spielfigur nicht erst zum Platz des Geschehens hinfahren und sich Wege merken. In kurzen Cutscenes wird der Anfang jedes Auftrages geschildert und der Spieler anschließend mitten ins Geschehen geworfen.

Packshot zu Alpha ProtocolAlpha ProtocolErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Ein Genre-Mix wie ein guter Wodka Martini

Der moderne Agent ist natürlich auch komplett verkabelt. Seine Missionen erhält er per E-Mail, Terminals halten Informationen über wichtige Örtlichkeiten oder Personen bereit und mit einem Headset ist er direkt mit einer unterstützenden Kommandantin verbunden, die wichtige Details direkt per Funk in sein Ohr säuselt. Manchmal summt sie aber auch einfach den „Walkürenritt“ von Wagner vor sich hin, während um Michael herum Soldaten, Söldner und Kriminelle eine heftige Schießerei veranstalten. Beim Geheimdienst ist ein solches Humorverständnis heutzutage wohl ein Einstellungskriterium.

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Der erste Auftrag führt euch nach Moskau.
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Der erste Auftrag in Moskau führt Thornton zu Waffenhändlern, die vielleicht etwas über die Herkunft der Rakete wissen könnten. Wie er diese Geschäftsleute nun gesprächig bekommt, bleibt dem Spieler überlassen. Ungeduldige Naturen bearbeiten die Stirn des Händlers mit der Tresenkante, damit sie an Informationen kommen, zurückhaltende Spieler versuchen es eher mit einem angenehmen Plausch an der Bar. Beide Methoden können zum Ziel führen, haben jedoch unterschiedliche Konsequenzen. Hat ein mächtiger Kaufmann den Agenten in angenehmer Erinnerung, hält er vielleicht noch zusätzliche Annehmlichkeiten für ihn bereit.

So kann ein freundlich gesonnener Informant vielleicht veranlassen, dass die Wachen vor einem Hotel nicht mehr aus Marines in Alarmbereitschaft bestehen, oder er gibt einen Rabatt auf Ausrüstung, die das Agentenleben deutlich erleichtern. Die eigenen Waffen können nämlich aufgewertet und um sinnvolle Gadgets erweitert werden. Der Spieler kann seine Spielweise sehr weitläufig selbst bestimmen.

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Natürlich kommt auch die Action nicht zu kurz.
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Kampfbetonte Zocker werden wohl auf eine kräftige Combatrüstung zurückgreifen, die viel Platz für Extrawaffen und Munition bietet, ihn aber nicht unauffällig durch die Kampfzonen lotst. Ein Stealth-Anzug dagegen wehrt nicht viele Treffer ab, lässt den Spieler aber schnell und unbemerkt durchs Zielgebiet schleichen.

Die Lizenz zum Zocken

Neben der Actionbetonung liegt der Akzent eindeutig auf der Charakteraufwertung. Es stehen eine Menge Fähigkeiten zur Verfügung, die Michael auch bitter nötig haben wird, wenn er die bösen Buben am Ende dingfest machen will. Dazu gehört der Umgang mit den einzelnen Waffen ebenso wie geschultes Nahkampftraining, Tarnfähigkeit, Computer- und Hackingskills oder Sabotage. Zusätzliche Spezialfähigkeiten retten Michael so manches Mal aus beinahe ausweglosen Situationen oder erleichtern ihm den Umgang mit seinem Equipment.

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Die Inszenierung der Story erinnert an die letzten BioWare-Titel.
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Das Spiel setzt auch mit diesen Elementen nicht auf einen stur linearen Verlauf der Handlung, sondern gibt dem Spieler immer wieder neue Situationen an die Hand, die er auf individuelle Weise lösen kann. Experimentierfreudige Rollenspiel-Fans sollten sich also genügend Platz für Speicherstände schaffen, um sich viele der angepassten Situationen anschauen zu können.

Die Mixtur aus Rollenspiel und Action wird sich nicht an Fans gut erzählter Agentengeschichten vorbei schleichen können.Ausblick lesen

Für getötete Gegner, geknackte Schlösser und Computerterminals und viele andere Aktionen gibt es Erfahrungspunkte, mit denen die einzelnen Skills aufgewertet werden können. Außerdem kann man Geld von gehackten Konten überweisen. Die ergaunerte Kohle wird dann wieder schnell auf dem Waffenmarkt investiert.

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Dürfen nicht fehlen: zwielichte Anzugträger.
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Neben dem tiefgründigen Charaktersystem hat Alpha Protocol auch einige Filmszenen auf den Datenträger gebannt. Je nach Dialogverlauf und eigens gewählter Handlungsweise werden diese abgespielt. Insgesamt sind mehr als 120 Stunden Dialogszenen aufgenommen worden. Die gesamte Spieldauer läppert sich auf über 25 Stunden Haupthandlung.

Die Hintergründe und Charaktermodelle sind optisch solide gestaltet, während die Waffenmodelle noch ein wenig grob wirkten. Vielleicht werden da noch ein paar kleine Verfeinerungen vorgenommen, die den Detailgrad erhöhen. Über andere Schauplätze als Moskau kann noch nichts gesagt werden – da freuen wir uns aber jetzt schon auf ein abwechslungsreiches Aussehen der Areale.

Die präsentierten Abschnitte offenbarten eine beachtliche Spieltiefe, die jede Menge Raum zum Ausprobieren und Entdecken lassen. Auch wenn es nicht zum Open-World-Gaming kommt, so versprechen die vielen Details zumindest eine in weiten Teilen offene Story, die mehrere alternative Enden haben soll. Selbst amouröse Beziehungen können mit einigen Spielfiguren begonnen werden, was aber eigentlich auch in der Natur der Sache liegt: Kann man sich einen James Bond ohne verführtes Girl an seiner Seite vorstellen?