Technisch muss Obsidian schwer einstecken. Man merkt, dass die Kalifornier die Unreal-Engine niemals so gut im Griff haben wie etwa BioWare. Das Herzstück des Spiels, die detaillierten Gesichtsanimationen, kommt ohne Kratzer davon: Auch wenn man im direkten Vergleich nicht ganz in Mass-Effect-2-Sphären vordringt, sehen die Gesichtszüge aller Personen wunderbar lebhaft aus. Vor allem Thorton zeigt mit seinen hin und her wandernden Augenbrauen, die sich böse nach unten ziehen oder erleichtert hochrutschen, wie man Stimmungen vermittelt – wirklich eine gute Vorstellung.
Der Anzughengst Henry Leland bekommt einen der besten und wichtigsten Auftritte – was führt er im Schilde?Das gilt auch für den Rest der Personenriege, etwa für den mysteriösen Henry Leland, der mit seinem zwielichtigen Mienenspiel einen der besten und wichtigsten Auftritte hat. Das sind durch die Bank gute schauspielerische Leistungen! Auch deswegen, weil sich die englischen Sprecher hervorragend in ihre Rollen einfügen, gekonnt mit ihren Akzenten spielen und alle Figuren super zum Leben erwecken.
Aber der Rest erreicht heutzutage einfach kein gutes Niveau mehr: kümmerliche Explosionen, üble Ruckelattacken auf Xbox 360 und PS3, der alte Tearing-Schelm, staksige Sterbeanimationen, detailarme, wenig interaktive Innenräume und die längsten Unreal-Nachladewehwehchen, die ich je erlebt habe. Letztere sind ja keine Besonderheit mehr, sondern schon so was wie eine Vorschrift an die Entwickler, die man grummelnd hinnehmen muss. Aber hier dauert es teils über eine Minute, bis alle Texturen ihren finalen Anstrich haben – neuer Rekord, Obsidian.
Keiner der Außenabschnitte wirkt besonders natürlich, vieles bleibt statisch und steril.Sieht man von alledem ab, bleibt trotzdem ein Spiel, das in der Schule gerade mal mit einer 3 davongekommen wäre: Das Graubraungemuschel im Nahen Osten beherrschen die Entwickler noch am besten, obwohl es schon sehr kantig aussieht. Später spaziert man durch einen Park ohne einen einzigen mickrigen Strauch auf der Wiese, während Bäume quasi permanent durch Felsen ragen und der Hintergrund als verwaschene 2D-Bitmap-Tapete an den Horizont geklatscht wird – das wirkt alles kein Stück natürlich. In den Innenräumen fehlt schlichtweg der Schattenwurf von Objekten; selbst Thortons Schatten bleibt immer in derselben Pose unter ihm kleben. Haaaaach...
Viel bleibt zwischen den Missionen nicht zu tun: E-Mails checken, auf dem Schwarzmarkt stöbern, Thorton rasieren...Hinzu kommt, dass Alpha Protocol in Sachen Schauplätze nicht unbedingt auf den Putz haut. Ich meine nicht mal die Abschnitte an sich, die selten ein Gefühl von Größe oder vermitteln, von den Nachladepausen mal abgesehen. Es fehlen einfach ein paar Locations wie Bars oder Clubs à la Deus Ex, wo man sich auch mal auf eigene Faust umsehen und ermitteln darf. Ganz ohne Waffen, Panzerung und den ganzen Kram. Selbst die wenigen Treffen mit Personen irgendwo in friedlichen Gebieten, beispielsweise eine Unterredung mit einem Kontaktmann in seiner schäbig-muchtigen Kaschemme, laufen vollautomatisch ab; Thorton darf weder selbst den Eingang noch den Ausgang benutzen, sich nicht umsehen oder ein bisschen stöbern. Pro Operation hätten vielleicht schon zwei, drei solcher kurzen Szenen gereicht.
Es muss ja nicht gleich eine zusammenhängende Stadt sein, aber wenigstens ein paar kleine Intermezzi abseits der Mission. Als Weltenbummler, der Thorton nun mal ist, hätte er ein paar kulturelle Momente wirklich verdient: einen Blick in die belebten Straßen oder einen Plausch mit Zivilisten, deren Perspektive ohnehin viel zu kurz kommt. Ich kann nach jeder Mission den Fernseher anschalten, jedes Mal berichten dieselben zwei Nachrichtensprecher (kurz und bündig) über die sich zuspitzenden Probleme rund um den Globus, malen gar einen dritten Weltkrieg an die Wand. Aber einen Blick auf die Reaktionen der Bevölkerung gewährt mir Obsidian nicht. Schade, so ist der Krieg aus dem politischen und geheimdienstlichen Blickwinkel nach und nach erlebbar, aber nicht aus der zivilen.
von SEGA, Obsidian EntertainmentGenre: Action, RollenspielPC, PS3, XBox 360: 28.5.2010Offizielle WebseiteFreigegeben ab 16 Jahren
Max Payne 3PS3, XBox 360: 18.5.2012
Risen 2: Dark WatersPC: 27.4.2012
Tom Clancy's Ghost Recon Future SoldierPS3, XBox 360: 24.5.2012
The Elder Scrolls 5: Skyrim
Diablo 3 TestJetzt endlich: unser finaler Test mit Wertung
Diablo 3 KomplettlösungKomplettlösung: Alle Quests, Klassenguides, Tipps
Risen 2: Dark Waters KomplettlösungMit der Komplettlösung die Meere befreienMit der derzeitigen und auch weiteren Benutzung dieser Seite stimmen Sie unseren Nutzungsbestimmungen zu.
Copyright 2003-2012, Webguidez Entertainment GmbH
Impressum | Team | Jobs | Netzwerk | Get Hosted | FAQ | Kontakt
gamona Server und Datenbanken werden professionell gewartet von der Comtrance GmbH