Es gibt Geräte, die sind sinnlos, aber faszinierend. Siehe Apples komische Uhr, die ohne ein iPhone im Hintergrund nicht richtig funktioniert und somit kaum mehr als ein sauteures zweites Display darstellt. Es gibt aber auch Geräte, die ihre Sinnlosigkeit nicht so gut verstecken können und sich bereits nach dem ersten Einschalten unbeliebt machen. Zu diesen Geräten gehört leider Alienwares Alpha – eine angebliche Kreuzung aus Spielkonsole und PC.

Alienwares Alpha sieht eigentlich ganz schnuckelig aus. Ein kleiner schwarzer Kasten, ein wenig größer als eine Wii, wartet auf seinen Einsatz und schickt in der Packung einen altmodischen Xbox-360-Controller voraus.

Der kleine Kasten mit dem Alienware-Logo auf der Front lässt sich ganz schnell an den heimischen Fernseher oder den PC-Monitor klemmen. Ist ja nicht viel zu tun. HDMI-Kabel hier, Stromkabel da, fertig ist die Installation. Ein Druck auf den Alienware-Kopf und siehe da, ein Bild erscheint auf dem Fernseher. Leider komplett falsch aufgelöst und nur zu einem Viertel richtig sichtbar. Na das geht ja gut los! Es folgen mehrere Blindfluganläufe in nicht einsehbaren Menüs, die man nicht kennt. Aber dass das eine sinnloses Unterfangen ist, kann sich jeder denken. Also doch lieber ein Neustart.

Alienware Alpha - Der PC-Konsolen-Hybrid im Test: Noch nicht einmal Beta

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Unscheinbar, aber doch ganz schick: Sehen lassen kann sich der Hybrid.
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Nach dem zweiten Anlauf skaliert Alpha das Bild richtig. Es folgt ein rotes Menü mit jeder Menge Optionen sowie dem Einstieg in den Hauptbetrieb, der einzig und allein Steams „Big Picture“-Modus zugeschrieben wurde. Wer den Anblick von seinem PC kennt, wird völlig tiefenentspannt der Routine nachgehen, Userdaten in die Tastatur tippen, Spiele herunterladen und loslegen. Aber Momentchen mal. Tastatur? Soll das Ding nicht eine Art Konsole mit PC-Innereien sein? Versprach das überaus lobpreisende Prospekt nicht denselben Komfort wie eine Konsole? So von wegen Wohnzimmer-Atmosphäre und so?

Na, in dem Fall scheiden Tastatur und Maus ganz klar aus. Deren Verwendung ist auf dem niedrigen Couchtisch sowieso saumäßig unbequem. Ran mit dem Xbox-Controller. Aber Vorsicht, schon der nächste Schritt könnt zu einem Beitrag in der Controller-Weitwurf-Weltmeisterschaft führen – und man will seine teuren Wohnzimmerfenster doch nicht kaputtmachen.

Die Lust auf schepperndes Glas steigt immens beim Anblick der Software-Tastatur, denn allein das Eingeben der Steam-Nutzerdaten kommt einer Beschäftigungstherapie gleich. Bei Alphas Joypad-Eingabeschema werden sämtliche Buchstaben in Dreier- oder Vierergruppen den Feuerknöpfen zugewiesen. Will man etwas damit schreiben, so hält man den jeweiligen Feuerknopf fest und sucht sich den richtigen Buchstaben aus der Gruppe per Analogstick aus. Erinnert entfernt an eine umständliche Variante einer Handy-SMS aus der Prä-Smartphnone-Ära. Dauert auch nur dreimal länger, als ein einfaches Tastatur-Layout samt Cursor, so wie es bei den handelsüblichen Konsolen der Fall ist. Man gewöhnt sich auch mit der Zeit nicht daran, weil der Aufbau einfach nur höchst sinnlos und um die Ecke gedacht ist. Hier wollte jemand unbedingt etwas „anders“ machen und hat dabei die schlechtest denkbare Lösung hervorgekramt.

Na gut, genug mit dem Sarkasmus. Ist ja nicht so, als ob technische Spielereien bei gamona unwillkommen wären und irgendeinen Schnitzer erlaubt sich jeder Hersteller. Dummerweise ist die Software-Tastatur nicht der einzige Lapsus, der Alienware unterlaufen ist.

Die Mär von den 1080p

Ein Blick in das beigelegte Pressematerial zeigt, welche Argumentationskette Alienware gerne in diesem Artikel sehen würde. So richtig schlau daraus wird man nach der ersten Begutachtung jedoch nicht. Spiele sind direkt nach Veröffentlichung oft etwas günstiger auf Steam zu haben als auf den Konsolen – das ist ein unumstößlicher Fakt und da wollen wir auch gar nicht widersprechen. Dass Alienware jedoch anhand dieser Kosten Rechnungen anstellt, ist Mumpitz, schließlich wird niemand gezwungen, seine Spiele gleich am Tag der Veröffentlichung zu kaufen. Auch sehe ich den Vorteil für Alienware nicht, denn die Kohle kassiert doch Steam. Für Alpha werden keine Lizenzabgaben fällig. Wozu also überhaupt die Erwähnung?

Alienware Alpha - Der PC-Konsolen-Hybrid im Test: Noch nicht einmal Beta

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Verglichen mit den Konsolen nimmt sich die Alpha sehr platzsparend aus. Gute Sache, nur merkt man das auch an der Leistung.
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Vielleicht sollte jemand den Leuten von der Alpha-PR mal stecken, dass das Schlechtmachen völlig bezugloser anderer Plattformen ganz übles Marketing unter der Gürtellinie ist. Die Schule der PR sagt: Werbe mit deinen Stärken und nicht mit den Schwächen der Anderen. Warum? Weil eben jene angeblichen Schwächen der Anderen ganz schnell zum Bumerang werden können. Und wie sich Alienware hier selbst ins Bein schießt, ergibt eine echt drollige Geschichte.

Denn im gleichen Atemzug wie die Preisvergleiche wird die 1080p-Diskussion aufgegriffen, mit dem Versprechen, Alpha sei selbst in seiner schwächsten Ausführung den Konsolen überlegen, weil man ja jederzeit 1080p bei allen Spielen erreichen könne.

Nur komisch, dass die Hälfte aller Spiele, die wir ausprobiert haben, unter 1080p ungenießbar waren. Was soll man denn bei der verbauten Hardware auch erwarten? In der uns vorliegenden Kiste schlummern ausschließlich Chips, die wenig Hitze entwickeln. Darunter ein schwachbrüstiger i3-Prozessor (4130T @ knapp unter 2,9 GHz), der lediglich auf dualer Chiparchitektur basiert, mickrige 4 GB Arbeitsspeicher sowie eine stromsparende Laptop-Grafikkarte. Die verbaute Geforce 860M saugt nur 45 Watt im Betrieb, bringt dafür aber nicht einmal die halbe Leistung einer veralteten Geforce 660 auf die Waage. Bei aller Liebe, diese Hardware gegen Konsolen aufwiegen zu wollen, ist mehr als gewagt, denn für Alpha optimiert niemand, während für Konsolen bis zum letzten Pixel optimiert wird.

Darum läuft Ryse auf der verspotteten Xbox One auf 900p (bzw. hochskaliert auf 1080p) sahnemäßig flüssig, während Alpha auf ähnlichen Einstellungen unter die 15-FPS-Marke fällt. Aber haltet euch fest, der Knüller kommt noch, denn die Kiste dazu zu bringen, bei Ryse überhaupt 1080p anzuzeigen, ist nur durch Tricks möglich. Es ist völlig gleich, welche Optionen man in den Menüs von Ryse einstellt, der Treiber der Grafikkarte wird das Spiel immer nur in hochskaliertem 720p anzeigen. Und selbst dann bleiben Begeisterungsstürme aus, weil die kleine Kiste mit Mühe und Not zwischen 25 und 30 Bildern pro Sekunde schaukelt.

Zuerst kam der Gedanke auf, es ginge wohl um einen Software-Fehler seitens Cryteks Grafikdemo, aber weit gefehlt. Gegentests an normalen PCs zeigen, dass Alphas Hardware selbsttätig herunterschaltet und sich nur überlisten lässt, wenn man den Fenstermodus aktiviert und von dort aus auf Vollbild umschaltet. Tut man das, wird Ryse selbst bei niedrig eingestellten Effekten und bei grob aufgelösten Texturen zu einer ruckeligen Diashow. Alpha erreicht in der vorliegenden Konfiguration also nicht einmal die Leistungsqualität einer Xbox One, kostet aber rund 120 Euro mehr. Da muss man schon einige Spiele am Veröffentlichungstag einkaufen, um das zu kompensieren.

Zugegeben, Ryse ist ein grafisch anspruchsvolles Spiel und eher die Ausnahme als die Regel. Aber wie sieht es denn mit anderen modernen Titeln aus? Wir haben ja schon Zugriff auf Project Cars – also schnell mal laden und nachschauen.

Puh. Ganz ehrlich, da ist nichts schönzureden. In 1080p-Auflösung lief Project Cars enorm unter Konsolenniveau. Soll heißen, entweder man muss die Darstellungsqualität extrem herunterschrauben oder an der Auflösung drehen. Unter 720p bei etwas geringerer Sichtweite als auf den Konsolen lief das Ganze dann in erträglichen 30 FPS. Auf Xbox One und PS4 schafft das Spiel die doppele Bildrate bei mindestens 900p. Noch Fragen?

Nichts Halbes und nichts Ganzes

Die von uns gemessenen Leistungstiefpunkte betreffen vornehmlich aktuelle Spiele. Ältere Titel sahen dagegen recht gut aus. Etwa BioShock Infinite, das selbst in hoher Qualität butterweich lief. Auch Half Life 2, Grid 2 und The Pinball Arcade machten eine hervorragende Figur, wobei letzteres kein Wunder ist, schließlich läuft der Flipper-Simulator unter Direct X9. Aber selbst bei MMOs, die bekanntlich nur phasenweise an den Hardware kratzen, kamen Schwächen zutage. Herr der Ringe Online funktionierte in den sparsamen Startgebieten prima, verfiel aber in Rohan mit seinen vielen DX11-Effekten und Wucherungen heftig ins Stottern. Es war noch halbwegs erträglich, offenbarte allerdings eine weitere Schwäche, denn nach wie vor sind sämtliche Texte am TV-Bildschirm unlesbar. Einerseits wegen der Entfernung zum Fernseher, andererseits wegen des Aufschwämmens der Buchstaben.

Natürlich kann man hier das Chatfenster vergrößern, inklusive Font. Nur macht es wenig Sinn, bei vielen Gesprächsteilnehmern nur zweieinhalb Sätze lesen zu können, oder den halben Bildschirm mit dem Chatfenster zuzukleistern. Dies ist nicht zwingend ein Problem der Alpha-Konsole, sondern ein seit Jahren vernachlässigter Faktor bei PC-Spielen, die nun mal für PC-Bildschirme mit Quadratpixeln ausgelegt sind, die man direkt vor der Nase hat. Darum ist der „Big Picture“-Modus von Steam auch nicht mehr als ein Placebo. Keine Programmierschmiede kam jemals auf die Idee, Textfarben und Formen für Schlitzmasken zu optimieren, obwohl dies beim Betrieb am TV dringend notwendig ist.

Alpha als Konsolenersatz oder als Hybriden zu bezeichnen, ist somit sehr fragwürdig. Diese Kiste hat nichts von einer Konsole. Sie fährt ja nicht einmal schnell hoch (und vom Runterfahren wollen wir gar nicht erst sprechen). Faktisch geht es um einen beliebigen Small-Form-Factor-PC, dem man eine Pseudo-Konsolen-Shell aufgezwungen hat. Und die ist auch noch absolut unflexibel, denn wer auf den normalen Windows-8.1-Desktop schalten möchte, muss das Gerät komplett neu starten. Wobei dann zutage kommt, dass Alpha mitnichten zukunftsorientiert ist.

Alienware Alpha - Der PC-Konsolen-Hybrid im Test: Noch nicht einmal Beta

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Ryse läuft leider nur mit Hängen und Würgen halbwegs flüssig - und schon gar nicht in den versprochenen 1080p.
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Ein Upgrade auf Windows 10 dürfte mit aller Wahrscheinlichkeit scheitern, obwohl Microsoft es an alle Win7- und Win8-Benutzer verschenkt. Warum? Weil die fest definierte Windows-Partition gerade mal genug Platz für Windows 8 lässt. Genau genommen wurde so arg gespart, dass ein etwaiger Monsterpatch aufgrund einer (noch unbekannten) Sicherheitslücke nicht auf dieser Partition installierbar wäre. Warum Alpha trotz Flash-Speicher für Windows gefühlte Ewigkeiten zum Hoch-und Herunterfahren braucht, wissen wohl nur die Designer.

Bliebe noch zu erwähnen, dass es weitere, stärkere Varianten von Alpha gibt, die es ganz bestimmt mit einer Konsole aufnehmen können. Auch ließe sich unsere vorliegende Fassung aufrüsten, etwa mit mehr Arbeitsspeicher oder einer größeren Festplatte. Nur entfernen sich beide Lösungen dann noch weiter vom Preis einer Konsole, Optimierung fehlt weiterhin und das Konzept bleibt löchrig. Zumal die verlangten 480 Euro nicht einmal für eine Medien-PC attraktiv erscheinen.

Ebenfalls zu erwähnen ist die Stream-Funktion des Geräts, die auf Nvidias Technologie basiert, aber an Sinnlosigkeit nicht zu übertreffen ist, da man dann gleich zwei Geräte betreiben muss, um irgendwelche PC-Spiele am Fernseher abzunudeln und obendrein gelegentliche Lags in Kauf nimmt. Die Bildqualität in Stream ist gut, trotzdem hat das Feature wenig Sinn. Einziger Vorteil ist das Ausbleiben einer weiteren Installation. Geschenkt!