„Zu blutig für Deutschland“. Eine Einschätzung, die ausnahmsweise mal nicht von der USK getroffen wurde, sondern vom Publisher selbst. Sega erkannte schon einige Monate vor Veröffentlichung, dass man „Alien vs. Predator“ wohl nicht ohne Schnitte auf den hiesigen Markt werfen könne – und die lehnt man bei Sega strikt ab. Schlecht für Gaming-Deutschland, oder?

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Nervig: die Bugs

Am Anfang war erst einmal Stille. Totales Dunkel. Wobei – totales Blau trifft es wohl eher. Eine dicke Fehlermeldung prangt auf dem Bildschirm, kompletter Crash. Es ist wieder einmal die PC-Version, wieder einmal irgendwelche Treiber. Im Netz häufen sich denn auch die Meldungen verzweifelter Spieler, die für „Alien vs. Predator“ zwar 40 Euro bezahlt haben, aber nicht spielen können. Mögliche Tweaks gibt es mindestens ebenso viele wie Rechnerkonfigurationen, in unserem Fall half nicht einer der zahlreichen Lösungsansätze. Manch einen Spieler kann man da dieser Tage wohl sogar im All schreien hören.

Aliens vs Predator 3 - Import-Test: Nicht traurig sein, Deutschland, du verpasst nichts

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Nix mit Alienjagd: Auf manchen Rechnern will AvP gar nicht erst starten.
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Für uns tat es zum Glück ein anderer Testrechner, bei dem der Totalabsturz nach dem Introfilm ausblieb, dafür muckte der allerdings im DirectX11-Modus. Richtig gelesen: „Alien vs. Predator“ ist der erste Titel der neuen Grafikgeneration, bei dessen Betrieb sich unweigerlich zwei drängende Fragen im Unterstübchen manifestieren. Warum funktioniert genau dieses Feature nicht (wo doch Microsofts Gütesiegel „Games for Windows“ auf der Packung prangt)? Und warum sieht „AvP“ nicht wie ein Grafikfortschritt aus?

Wenn man sich durch drei Kampagnen von „Alien vs. Predator“ geschlagen und im Multiplayer-Modus auf die Jagd gegangen ist, werden dies jedoch nicht die einzigen Fragen sein, die nach der fehlerbehafteten Xenomorphenhatz bleiben. „Wie kann man so viel schlummerndes Potential nur so gekonnt umschiffen?“, wäre nur eine. Wie es trotzdem geht – auf den folgenden Seiten.

Spannungsarm: die Marines

Flackernde Lichter, huschende Schatten, das leise Surren der Taschenlampe im Ohr, im unteren Blickwinkel blinkt der Bewegungsmelder nervös vor sich hin. Dann ein lauter Knall – wir drehen uns panisch um die eigene Achse und starren direkt in die scharfen Fänge eines Aliens. Das faucht uns böse an, holt mit den Klauen aus, wirft uns zu Boden und fährt sein zweites Maul auf… Schreck lass nach.

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Auf leisen Sohlen: Wieder schleichen wir uns durch dunkle Gänge - nur das Erschrecken klappt nicht mehr so gut.
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Wow! Was ist diese Marine-Kampagne spannend. Ständig droht Gefahr, von überall und allen Seiten. Nach jedem Schockeffekt rast das Herz, nicht wenige Spieler ziehen hier schon den Stecker – zu nervenaufreibend ist das Erlebte. Während wir durch die dunklen Gänge schlichen, kamen wir uns nicht selten wie eine Maus in einem Labyrinth vor. Gefüllt mit Katzen wohlgemerkt. Das war 2001. Im Ur-„Alien vs. Predator“.

Bitte notieren, liebe Entwickler: Wenn man keine Ideen hat, sollte man auch das Remaken sein lassen.Fazit lesen

Heute, neun Jahre später, locken uns dieselben Mechanismen nicht mehr wirklich hinter dem Ofen hervor. Entwickler Rebellion fährt zum Teil sogar die exakt gleichen Schocksequenzen auf, nutzt alle ebenso gängigen wie bekannten Spannungselemente. Hier ein zu Boden krachendes Rohr, da eine Gasleitung, dann wieder ein leises Zischen im Rücken. Das ist freilich nicht schlecht, aber – hach – hat mittlerweile doch einen monströsen Bart.

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Die Geschichte um Weyland Yutani und geheime Experimente ist so frisch wie der Atem eines Aliens.
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Die Atmosphäre kommt da nur sehr selten ins Kochen. Hervorzuheben sei hier vor allem ein brachiales Intermezzo innerhalb einer Disco. Die Aufeinandertreffen mit Aliens und Predatoren verkommen schnell zur Routine, wie vieles in diesem Spiel. Das Ende der Marine-Kampagne enttäuscht, ebenso wie die klischeebeladene Geschichte. Weyland Yutani, die fiese Firma aus den Filmen, sie muss natürlich auch hier wieder als Erzfeind herhalten.

Schwindelerregend: die Aliens

Seitenwechsel. Als Mensch sind wir schließlich ständig unterwegs. Als sabbernde, Säure blutende, an den Wänden krabbelnde Fremdorganismen hingegen eher selten. Die Alien-Kampagne reiht (ebenso wie die Marine-Story) sechs Missionen hintereinander, orientiert sich dabei aber ebenfalls lediglich an bereits Dagewesenem.

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Verwirrend: Der Wall-Walk der Aliens sorgt für Orientierungsprobleme.
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Vor allem der große Kontrast zur Menschen-Kampagne fällt zunächst auf: Wir mutieren plötzlich vom Gejagten zum Jäger, pirschen uns an unsere Opfer heran, schalten Lichtquellen aus. Beinahe fühlt man sich an die Schleicheinsätze eines gewissen Herrn Fischer erinnert, wenn es nicht in regelmäßigen Abständen gehörig krachen würde. Entdecken uns die Opfer ist das Geschrei meist groß.

Hier wird „Aliens vs. Predator“ dann auch zum ersten Mal reichlich unfair: Natürlich halten wir als Xenomorph kaum etwas aus, müssen also bei mehr als einem Gegner flüchten. Die extrem gewöhnungsbedürftige Steuerung macht uns aber immer wieder gleich mehrere Striche durch die Rechnung. Zudem sind die steten Richtungswechsel eine wahre Belastungsprobe für die Orientierung. Dabei fehlt dieses Mal die Bewegungsfreiheit – Lüftungsschächte dürfen wir etwa nur an bestimmten Stellen nutzen.

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Gegen mehr als einen Gegner können die Aliens nichts ausrichten - auch im Mehrspieler-Modus.
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Eine Story gibt es für die Aliens nicht, stattdessen hält die Alienqueen als Auftraggeber für simple Sabotageaktionen (Stromkästen zerstören) her - öde. In den Vorgängern gelang es dagegen den Xenomorphen durch den Alien-Lebenszyklus (vom Facehugger zum ausgewachsenen Wändekrabbler) zumindest etwas Persönlichkeit zu verleihen – aus unerklärlichen Gründen hat Rebellion den aber ersatzlos gestrichen.

Schlachtmeister: der Predator

Kampagne Nummer drei dürfte da für viele Fans noch der größte Spaß sein: Als übermächtiger Predator durch einen tropischen Wald springen, per Unsichtbarkeit an den Feind heranschleichen und dann gnadenlos niedermeucheln.“Aliens vs. Predator“ bietet an dieser Stelle tatsächlich zum ersten Mal, was es verspricht – ohne ein großes „Aaaaaber“ scheint es dann aber doch nicht zu gehen.

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Widerlich: Die Stealth Kills des Predators sind wirklich ekelerregend.
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Die Steuerung, das alte „AvP“-Sorgenkind, schlägt hier ganz besonders hart zu. Eine Tastenbelegung, die eher an den „Microsoft Flight Simulator“ erinnert denn an gängige Egoshooter, macht das Jagen häufig zur reinen Qual. Verschiedene Sichtmodi, unzählige Waffen, Spezialfähigkeiten und dann auch noch die Bewegung – wirklich präzise kann da wohl niemand agieren.

Dementsprechend fragil ist der eigentlich als überlegener Jäger konzipierte Predator im Kampf. Abhilfe schaffen da die mittlerweile fast legendären Stealth Kills, also jene Ein-Knopf-Attacken, wegen denen Sega auf einen deutschen Release von „Aliens vs. Predator“ verzichtet hat. Aus gutem Grund: Was hier an Köpfen, Wirbelsäulen und sonstigen Gliedmaßen herausgerissen wird, würde wohl auch einem Fleischer die Ekelgrieben in die Mundwinkel treiben.

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Völlig überladen: Wer den Predator optimal bedienen will, braucht eine dritte Hand.
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Hat man die Stealth Kills jedoch erst einmal für sich entdeckt, wird die restliche Kampagne praktisch aus dem Stand trivialisiert: Beinahe jeder Gegner lässt sich so auf der Stelle ausschalten - nach dem x-ten Splattermove ist das Ganze dann auch nicht mehr eklig, sondern nervt aufgrund der immergleichen Todesanimationen. Begrenzt werden die Kills nur durch eine fragwürdige Designentscheidung: Der Predator darf nur an bestimmten, vorgegebenen Punkten zum Sprungangriff ausholen, mit dem er den Gegner aus der Entfernung ausschaltet.

Nichts für Kenner: der Multiplayer

Alles in allem bleibt eine Ansammlung recht veralteter Spielmechanismen. Es gibt Skriptsequenzen, aber mit der Sprengkraft aktueller Genregranaten wie „Modern Warfare 2“ halten die nicht mit. Interaktionen mit NPCs bleiben ebenfalls aus. Das Leveldesign ist wenig originell, beschränkt sich gerade beim Predator auf simple Schlauchpassagen. Nur in einem Punkt gibt man sich (schmerzhaft) nah am Zeitgeschehen: Die Spielzeit liegt mit knapp acht bis zehn Stunden im derzeitigen Quickie-Trend.

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Im Multiplayer-Modus nervt der überlegene Predator.
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Gelungen sind hingegen Sound und Grafik, obgleich letztere dem anvisierten Standard nicht immer entspricht. Mit DirectX11-Effekten sieht „AvP“ natürlich noch einmal etwas schicker aus, aber dann muss man die vielen kleinen Miniruckler, die immer wieder im Spiel zu merken sind, noch häufiger ertragen. Oder – wie eingangs erwähnt – kann überhaupt nicht spielen. So geht es derzeit den meisten DX11-Nutzern.

Bleibt zu guter Letzt der Blick auf den Multiplayer-Modus – in den Vorgängern immer der größte Spaß. Und ja, auch hier hat sich das Rad der Zeit schon zu weit gedreht, um Bestnoten zu garantieren. Die aktuellen Referenztitel wie „Modern Warfare“ oder „Battlefield: Bad Company 2“ bieten allesamt besseres Matchmaking, kürzere Spielersuche und allgemein das zeitgemäßere Gameplay.

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DirectX 11 sorgt für hübschere Grafik - und zusätzliche Probleme.
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Für den kurzen Spaß zwischendurch ist „Aliens vs. Predator“ aber brauchbar: Wer einfach seinen Durst nach schneller, unkomplizierter Action (und viel Blut) stillen möchte, wird ansprechend bedient. Profis werden sich aber am unausgegorenen Balancing stören: Der Predator ist derzeit viel zu übermächtig, entsprechend sieht man auf vielen Karten fast ausschließlich den außerirdischen Jäger herumhüpfen.