Es gibt Spiele, die leben vom Schauwert, andere sind nur wegen ihrer Spielmechanik interessant. Und dann gibt es Games, die vor allem aufgrund ihrer einnehmenden Atmosphäre punkten. Nach mehreren Previews bin ich mir sicher, dass Aliens: Colonial Marines nicht so sehr wegen der ersten beiden Bausteine im Gedächtnis bleiben wird, sondern weil es Gearbox Software gelingt, den Schauer der Filme ins Spiel zu verfrachten.

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Film-Atmosphäre

Dabei war ich mir zunächst gar nicht so sicher, ob das wirklich hinhaut. Gegen außerirdische Monster habe ich schließlich schon oft genug gekämpft, sie sollten keine nervliche Bedrohung mehr darstellen. Erst recht nicht, wenn sie, wie in diesem Shooter, in Massen auftreten.

Aliens: Colonial Marines setzt nämlich dort an, wo "Aliens" aufhörte. Kurz nachdem der zweite Einsatz einer gewissen Ellen Ripley sein katastrophales Ende findet.

Erneut werden dieselben Fehler gemacht, Gier siegt über Verstand. Und die armen Marines müssen ausbaden, was ihre Vorgesetzten ihnen eingebrockt haben. Sie landen weitab der menschlichen Zivilisation auf dem berüchtigten Kolonistenplaneten LV-426 und sind von einer Meute tödlicher Aliens umgeben. Der Horror des ersten Alien-Films mag ein Stück weit verflogen sein, bei mir kriecht die Angst vor diesen üblen Viechern mit Säureblut schnell wieder am Rückenmark entlang - eine Art Lähmung macht sich breit.

In London durften wir endlich ein Stück der Kampagne und verschiedene Mehrspieler-Modi spielen. Es wirkt (bis hierhin), als würde man als Hauptfigur in einer direkten Fortsetzung der zweiten Episode eingreifen. Als hätte es den umstrittenen dritten Teil nie gegeben.

Wenn ich durch die halbdunklen Gänge von "Hadleys Hope" laufe, deren 158 Bewohner alle verschwunden sind, sehe ich die leergeschossenen Geschütze, von Säure zerfressene Metallböden, verwüstete Labore - selbst der verflixte Androide sieht haargenau aus wie Bishop! Aber ich sehe auch, dass die Grafik nicht mehr taufrisch ist und doch unter der langen Entwicklungszeit gelitten hat.

Die Aliens-Atmosphäre jagt mir eine Heidenangst ein, hoffentlich erlahmt das am Ende nicht durch die ständige Ballerei.Ausblick lesen

Da, wo Ripley sich einst mit ihrer Crew verschanzen wollte, erlebe auch ich eine Attacke der Aliens. Gemein, wie sie sind, greifen sie aus allen Richtungen an, brechen durch die Decke, klettern über Wände oder aus Schächten - doch die zuvor neu munitionierten Sentry-Guns helfen, sie zurückzuschlagen. Fürs Erste.

Die Lichter flackern dabei unentwegt, Monitore schwanken zwischen "Offline" und "nix los". Und mittendrin steht der Bishop-Nachfolger... und starrt einen Bildschirm an. Ich stelle mich daneben und die schwarzen Todesengel ignorieren mich ebenfalls - jedenfalls für eine Weile. Solche Stimmungskiller gehören im fertigen Spiel verboten.

Aliens: Colonial Marines - Zurück in der Hölle von LV-426

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Nur noch durch diese Tür - ist das die Rettung für die Marines oder gewinnen doch noch die Aliens?
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Ich frage mich, ob zu viele der elenden Mistviecher mich gegen die Angst vor ihnen abstumpfen lassen. Bedingt - manchmal nehme ich sie nur noch als anstürmende Masse wahr. Dann wieder piepst der Motion-Tracker (wie alle anderen Waffen und Gadgets mit Original-Filmsounds ausgestattet) auf, signalisiert ein sich näherndes Ungetüm. Wo ist es? Oben, unten? VERDAMMT, ZEIG DICH! Dann ist es zu spät. Oder doch nicht, denn auch im Nahkampf kann ich überraschend viel einstecken. Merkwürdig.

Packshot zu Aliens: Colonial MarinesAliens: Colonial MarinesErschienen für PC, PS3, Wii U und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Mehrspieler-Klimbim

Die Entwickler sagen, sie wollen mir den Spaß am Spiel nicht nehmen, wenn sie mich dabei sofort exekutieren. Ich denke nur: "Bullshit, du willst den Gelegenheitsspieler nicht vergraulen!" Weil ich höflich bin, sage ich das natürlich nicht. Aber es ist genauso inkonsequent wie Spec Ops, wo sich die Soldaten zwar ihre Gedanken über Fehlverhalten machen, daraus aber keine Konsequenzen ziehen.

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An der Oberfläche die Stellung zu halten, fällt in "Escape" noch schwerer als in den verwinkelten Räumen der Kolonie.
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Aliens, die ich im Kampf wegschubsen kann oder deren Blut mich nur wenig ankratzt, verlieren aber einen Teil ihrer tödlichen Faszination. Mal sehen, wie das in einer kompletten Kampagne aussehen wird.

Darüber hinaus werden auch einige Mehrspieler-Modi für spritzendes Alien- und Marineblut sorgen. In beiden gespielten Spielformen steht ein Gedanke an erster Stelle: Alleine bist du nichts - außer tot. Vor allem die Marines müssen ständig als Team agieren, sich Rückendeckung geben. Die Aliens können schließlich auf unterschiedlichen Routen attackieren. Für die menschlichen Soldaten gibt es in "Escape" nur eine Richtung: die zum nächsten Tor, einem Fahrstuhl, der sie der Rettung näher bringt.

Richtig haarig wird es etwa, wenn die Squad den halbwegs übersichtlichen Innenraum der Kolonie verlassen muss und sich auf der Planetenoberfläche den Feinden ausgesetzt sieht. Hier muss man wirklich eng zusammenstehen und seine Bereiche sichern. Immerhin darf man an den einzelnen Stationen immer wieder Munition aufstocken und sich neue Waffen holen, etwa eine Smart Gun.

Doch sobald man auch mal in die Haut der Aliens schlüpft, merkt man, wie schwierig es ist, Erfolg gegen ein gut funktionierendes Marine-Team zu haben. Zum einen kratzen die Viecher unter Beschuss recht schnell ab. Wenn keine Überraschungsattacke gelingt, zieht man im direkten Duell meist den Kürzeren. Außerdem dauert es ziemlich lange (jedenfalls länger als 5-10 Minuten...), um sich an die Spielweise der unterschiedlichen Alien-Figuren zu gewöhnen.

Die einen Spucken gefährliche Säure-Batzen, andere verhackstücken ihre Kontrahenten lieber mit scharfen Krallen. Es hilft dabei nur wenig, dass ich die Gegner durch Wände hindurch erspähe - wenn mir kein geeigneter "Angriffsvektor" gelingt, bin ich platt.

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Schwerer Stand für die Marines - die Aliens können aus allen erdenklichen Richtungen attackieren.
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Extermination

Während sich die Marines in "Escape" ständig auf dem Rückzug befinden, legen sie in "Extermination" pausenlos den Vorwärtsgang ein. Müssen sie auch, denn wenn es nicht gelingt, rechtzeitig mit Sprengsätzen Aliennester in die Luft zu jagen, bleibt nur noch die äußerst brutale Niederlage. Die schwarzen Xenomorphen dagegen verteidigen ihre Brut bis aufs Blut und können das sperrige Gelände oft zu ihrem Vorteil nutzen. Aber auch hier gilt: Das besser zusammenspielende Team gewinnt.