Wir schreiben das Jahr 1986. Ein dunkler Hinterhof wird im November zur Bewährungsprobe, alle Schatten scheinen in Bewegung zu sein. Was lauert dort? Natürlich nichts, aber ich hatte Schiss. Der Grund: Aliens - die Rückkehr. Mit 15 hätte ich den Film eigentlich gar nicht sehen dürfen. Und tat es dennoch. Obwohl ich vorher zur Beruhigung extra Ewoks: Kampf um Endor geguckt hatte, traute ich mich kaum in den finsteren Seitenflügel. Jetzt holt mich mein Trauma ein. 25 Jahre später ruft nämlich Aliens: Colonial Marines unliebsame Erinnerungen ins Gedächtnis zurück.

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Dabei hatte ich seinerseits alles versucht, um die fiesen Killer aus meinem Kopf zu bekommen. Sogar ein lebensgroßes Alien-Poster in meinem Zimmer platziert. Und jetzt das.

Back to the future

Zu allem Überfluss beginnt das neue Science-Fiction-Actionabenteuer auch noch dort, wo der zweite Teil endete. Nur mit dem Unterschied, dass die armen Marines gar nicht wissen, was sich auf der U.S.S. Sulaco zugetragen hat. Ihr erinnert euch sicher noch an den mörderischen Kampf, den Ellen Ripley in der Ladebucht des Transportschiffs mit der Alien-Königin ausficht. Im Spiel stolpert die Hauptfigur exakt an dieser Nachbildung des Original-Filmsets über den abgetrennten Unterkörper des Androiden Bishop.

Die Handlung des auch von 20th Century Fox offiziell als Sequel anerkannten Actionspiels setzt also an einem bekannten Punkt ein, führt jedoch auf unbekanntes Terrain. Mikey Neumann von Gearbox Software erklärt den Gedanken dahinter: "Zunächst soll es natürlich eine verdammt gute Fortsetzung von Aliens werden. Wenn man sich alle Alien-Filme anschaut, gibt es ein vorherrschendes Thema.

Das Alien gewinnt immer. Ich meine - niemand kommt ungeschoren davon. Vielleicht gibt es einige, die mit dem Leben davon kommen, aber die Xenos haben ihnen richtig in den Hintern getreten. Mit diesem Wissen als Hintergedanken und der Tagline von Aliens - ‚This time it‘s war‘ mit 13-16 Marines - was passiert erst, wenn wir 400 Soldaten in die Schlacht werfen? Unser Ansatz verfolgt also den Ausbruch eines umfassenden Krieges. Die Intention ist also definitiv, die Dimension massiv zu erhöhen."

Aliens: Colonial Marines - So packend wie ein neuer Aliens-Film

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Ein Teil von Bishop wartet immer noch auf seine Rettung…
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An Bord herrscht das nackte Chaos. Überall sehen wir verschmiertes Blut, die Elektrik ist teilweise zerstört und Kabel brutzeln vor sich hin. Die laut Firmenchef Randy Pitchford neue Rendering Engine "Deferred" sorgt für ein gespenstisches Ambiente. Der Mix aus flackernden Lampen und beängstigenden Schatten beschert verflixt dynamische Lichtspiele. Teile des monströsen Settings sind aber auch andere bekannt-berüchtigte Markenzeichen wie lange Raumschiffgänge, unerwartete Dunkelheit und selbstverständlich jede Menge ekligen Glibbers.

Packshot zu Aliens: Colonial MarinesAliens: Colonial MarinesErschienen für PC, PS3, Wii U und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Im Weltall hört dich niemand schreien

Die Situation ist bereits zu Beginn verzweifelt, etliche Marines sind den Aliens zum Opfer gefallen. "Don‘t tell me your name", sagt die Hauptfigur in der Ahnung, dass die meisten Kameraden die nächsten Minuten wohl eh nicht überleben. Wozu sich unnötigen emotionalen Ballast aufhalsen, wenn man doch möglichst cool bleiben muss? Für nachdenkliche Spaziergänge bleibt ohnehin keine Zeit. Bald muss der erste Ansturm der fast perfekten Lebensformen abgeschmettert werden, dabei kommen natürlich die aus den Filmen bekannten Waffen zum Einsatz. So auch die Smart Gun, die einmal fixierte Feinde selbsttätig weiterverfolgt.

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Die Smart Gun behält ihre Ziele automatisch im Visier.
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Auch der Motion Tracker gehört selbstverständlich zum Umfang des Marschgepäcks und bringt den Schauer der Annäherungsangst automatisch mit: Piep ...Piep .. Piep . Piep, Piep, Piep, Piep. Aber woher kommen die verdammten Viecher? Oben oder unten? "Die Xenos nutzen die Umgebung eigentlich ständig zu ihrem Vorteil", beschreibt Producer Brian Burleson das Überraschungsmoment der Aliens. "Man muss wirklich aufpassen, wo man hingeht. Wenn es eine klitzekleine Möglichkeit gibt, dass ein Xeno aus einer Richtung kommen kann, dann wird er es vielleicht auch tun. Ihr habt die ganzen Bewegungen in den Schatten gesehen, da muss man schon höllisch auf der Hut sein!"

Zu Einzelheiten der Story, die nach Teil zwei UND drei spielt, wollte sich verständlicherweise niemand äußern, Andeutungen gab es aber dennoch. So können wir etwa erneut mit einer synthetischen Lebensform - also einem Androiden - rechnen. Kommunikation oder gar Waffenstillstand mit den Aliens wird es aber laut Chief Creative Officer Brian Martel garantiert nicht geben: "Nein, kein Frieden mit den Xenos, sie würden uns einfach töten!"

Geteilte Freud = doppelter Spaß?

Obwohl sich Gearbox im Rahmen des bekannten Alien-Kanons bewegen muss und damit gewissen Restriktionen unterworfen ist, scheint man das jedoch nicht als Kreativ-Bremse zu empfinden. Mikey Neumann sieht das sogar als Herausforderung, die darin liege, die Grenzen auszuloten und dadurch zu innovativen Lösungen inspiriert zu werden. Trotzdem sei es gelungen, den Kanon zu erweitern - etwa beim Lebenszyklus der Aliens. Der sei nun etwas komplizierter aufgebaut als zuvor.

25 Jahre später holt mich ein Schrecken ein, den ich tief in meinem Unterbewusstsein versteckt hatte. Feuer frei auf meinen schlimmsten Alptraum!Ausblick lesen

Immerhin, Leute mit schwachem Herzen müssen sich der Alien-Horde nicht allein stellen. Der Koop-Modus erlaubt bis zu vier Spielern gleichzeitig (via Drop In / Drop Out) ätzend-gelbes Alienblut freizusetzen. Für Entwickler Gearbox ist die "shared experience" nicht nur irgendein beliebiges Spiel-Feature. In Colonial Marines sind alle Spielmodi miteinander verbunden.

Wie wir den Spielablauf empfinden, wie wir zocken, bleibt aber uns überlassen, erklärt Burleson: "Solo-, Koop- und Multiplayermodus teilen sich beispielsweise die freischaltbaren Features wie Waffen, Attachements oder andere Metagame-Elemente. Je mehr man spielt, desto besser wird die Spielfigur über alle Modi hinweg. Das ist eines der Kernelemente der kombinierten Spielerfahrung. Viele fragen auch, ob das Spiel noch unheimlich ist, wenn es im Koop-Modus gespielt wird. Die Antwort ist: Wenn deine Freunde sich darauf einlassen, wird es Schrecken bieten. Wenn sie jedoch nur herumspringen und herumalbern, eher nicht. Wir zwingen natürlich niemandem auf, wie er zocken soll. Hauptsache, er hat Spaß!"

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Rambos haben im Multiplayermodus keine Chance gegen die Alien-Horden.
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Auch das Sounddesign gehört - wie bei den Filmen - zu den bedeutendsten Elementen, die das Ambiente bestimmen. Die Sounds von Motion Tracker oder Pulse Rifle seien etwa so unvergesslich, dass es extrem wichtig sei, diese exakt nachzubilden. Gearbox bezeichnet es als "große Herausforderung", den musikalischen Soundtrack und die Special-Effects originalgetreu umzusetzen. Meinen bisherigen Eindrücken zufolge klappt das aber prima - vor allem die Actionsequenzen mit aktiviertem Motion Tracker jagen mir einen schrecklich-schönen Schauer über die Haut.

Das Gerät zückte ich allerdings nur im Mehrspielermodus, die Einzelspielerkampagne durften wir leider noch nicht ausprobieren. Dort treffen die zwei Spielerfraktionen als Marines und Aliens in asymmetrischer Kriegsführung aufeinander. Das heißt, wie beispielsweise in Left 4 Dead verfügen beide Seiten über völlig gegensätzliche Fertigkeiten und Upgrademöglichkeiten. Während die bis an die Zähne bewaffneten Soldaten den Xenos mit martialischer Waffengewalt entgegentreten, müssen die Aliens in den Nahkampf gelangen, um ihre Kontrahenten auszuschalten.

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Die Kampagne steht kooperativ vier Spielern offen.
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Eines haben die Opponenten gemeinsam: Nur wer im Team agiert, hat tatsächlich Aussicht auf Erfolg. Werde ich von einem Alien überrascht, das sich in einem Luftschacht nähert oder an der Decke lauert, ist es um mich geschehen. Wer jetzt aber glaubt, hier schleicht man ewig dunkle Gänge entlang, irrt. Die Matches laufen verdammt schnell ab, das Spieltempo ist so hoch, dass man kaum Zeit zum Verschnaufen erhält.

Für Marines mit typischer und gut funktionierender Shooter-Steuerung gilt es, sich so gut wie möglich nach allen Richtungen gegenseitig abzusichern und nicht im falschen Moment nachzuladen. Verschiedene Aufgabenstellungen sollen später verhindern, dass sie sich schlicht an einer Stelle einbunkern.

Wie die Marines verfügen auch die Aliens über unterschiedliche Klassen und Upgrades, spielen durften wir die Xenos jedoch bisher noch nicht. Nur zusehen war erlaubt. Die flinken Monster aus dem All sehen beispielsweise ihre Opfer durch Hindernisse hindurch, mutieren zu Riesenviechern, klettern an Wänden und Decken entlang, huschen fix auf Feinde zu, überbrücken mit Sprüngen rasch Distanzen und machen in Windeseile unaufmerksame Kontrahenten nieder.

Ihr ätzendes Blut verursacht zudem einigen Schaden bei den Marines. Als effektivste Waffe erwies sich in unserer Spielsession übrigens die Schrotflinte, mit der man der dunklen Brut schnell zu Leibe rückt.