Langsam wird's hässlich. Sogar hässlicher als das Spiel. Nach den Gerüchten, nach denen Gearbox kaum an der Entwicklung des First-Person-Shooters beteiligt war und Sega die Veröffentlichung der zuvor noch als beste Version betitelten Wii-U-Fassung gestrichen haben soll, sowie einem Beweis, dass die Demo-Version offensichtlich geschönt wurde, hat nun ein angeblicher interner Tester auf Reddit ausgepackt. Und was er zu erzählen hatte, wirft ein schlechtes Licht auf Sega, aber vor allem Gearbox.

Aliens: Colonial Marines - Laut Insider wusste Sega von den Unzulänglichkeiten, Wii-U-Version eine Katastrophe

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Noch hässlicher geht nicht? Abwarten.
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Bizarrerweise hat der Tester bereits seinen Account als auch seine gesamten Posts gelöscht. Handelte es sich doch nur um einen Troll, der Öl ins Feuer gießen wollte, oder hat er aus Angst, von den Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen zu werden, vorsorglich alle Spuren beseitigen wollen? Schließlich verlor schon einmal ein Mitarbeiter seinen Job, nur weil er aus dem Internen plauderte. Und damals war sein Unternehmen auch nur indirekt genannt worden.

Der Kerl wollte nur ein Spiel über seinen Alltag machen. Hier allerdings spricht jemand explizit aus dem Nähkästchen. Ein weiterer möglicher Grund wäre allerdings, dass der Insider aufgrund seiner Schilderungen von einem Vorgesetzten entlarvt wurde und nun unter Druck seinen Account und alle seine Posts löschen musste. Doch hier geht es auch nicht um die Frage, warum er seinen Account gelöscht hat, sondern darum, was er zuvor ausplauderte.

So sollen die Verantwortlichen von Sega davon gewusst haben, wie schlecht das Spiel sei, als sie es kurz vor der Veröffentlichung beworben haben. Viel hätten sie aber nicht mehr tun können, denn sie hätten das Spiel erst Mitte 2012 zum Testen erhalten. Der Fehler von Sega soll darin gelegen haben, dass man Gearbox aufgrund des Erfolges mit Borderlands vollkommen vertraute, einen ebensolchen Erfolg mit dem 'Aliens'-Franchise zu landen.

Auch soll Gearbox, entgegen anders lautender Meldungen, sehr wohl stärker an der Entwicklung beteiligt gewesen sein. So sollen die TimeGate Studios das Spiel zwar anfangs entwickelt haben, doch als die Tester das Spiel in die Hände bekamen, war es Gearbox' Kind und blieb es auch bis zur Veröffentlichung. TimeGate soll das Spiel in einem total verbuggten Zustand übergeben haben, voller Platzhalter, die aussagten, was an die jeweilige Stelle kommen sollte.

Gearbox hätte dann selbst vielversprechende Passagen aus dem Spiel genommen, um so wenig wie möglich ausbessern zu müssen und nur das Nötigste zu tun. So fiel selbst der Beginn dieser Arbeitsmethode zum Opfer, der darin bestanden hätte, sich als Spieler aktiv mit den Marines auf das Boarden der U.S.S. Sulaco vorzubereiten.

Auch Cutscenes mussten weichen, sowie die Möglichkeit, sein Squad zu befehligen. Selbst handlungsrelevante Wendungen, die etwas Spannung ins Spiel gebracht hätten, etwa der Verrat eines Squad-Mitglieds, wurden herausgenommen. So ging es Gearbox schlussendlich nur darum, "Progression Blockers", also Dinge, die den Spieler daran hinderten, ein Level zu meistern, und Crashes zu fixen.

Das Problem mit Gearbox sei der plötzliche Erfolg mit Borderlands gewesen. Durch den riesigen Erfolg lenkte das Studio all seine Ressourcen auf das Sequel und verlagerte die Entwicklung an Aliens: Colonial Marines auf externe Studios wie Demiurge oder eben TimeGate. Gearbox interessierte sich einfach nicht mehr für das Spiel, war aber vertraglich daran gebunden, es Sega zu liefern.

Und da ist schon der nächste Knackpunkt: So soll Gearbox die Gelder, die man für Aliens: Colonial Marines von Sega erhalten hatten, stattdessen für Borderlands 1 & 2 ausgegeben haben. Sega verlor schätzungsweise zwischen 40 bis 60 Millionen Dollar und soll in Erwägung ziehen, womöglich rechtliche Schritte gegen Gearbox einzuleiten.

Was den Unterschied zwischen der E3-Demo und dem fertigen Spiel betrifft, so wäre das eine absolute Lüge vonseiten Gearbox' gewesen, denn die Demo soll gar nicht auf der Unreal-3-Engine beruhen und wäre niemals aus dem Spiel entnommen worden.

Die Wii-U-Version, die von Demiurge entwickelt wurde, sei ein Sonderfall für sich.

"Oh wow. Ja, okay. Ich hatte gehofft, dass jemand danach fragen würde. Ich habe die Wii-U-Version gespielt. Die angeblich beste Version von allen? Ist sie nicht. Sie ist die schlechteste. Sie ist ein einziger Witz. Die Wii-U-Version ist im Grunde dieselbe Version wie bei den anderen Konsolen, nur mit Framerate-Problemen, schlechteren Texturen und grauenhaft unsinnigen Minispielen, die man da reingeschmissen hat. Man erhält einen Scanner, um Gegner zu scannen, und bekommt Bonuspunkte, die dabei helfen, ihnen zu schaden. Wenn man Türen aufschneidet, was sehr oft im Spiel geschieht, erhält man ein Spiel, in dem es darum geht, die optimale Hitze zu halten. Diese Minispiele erhöhen bloß das Frustrationslevel und nehmen einem den Spaß. Wir wissen nicht, ob das Spiel rauskommt. Sega überlegt, es zu streichen, aber im Moment ist es noch im Rennen."

Doch einen kleinen Trost hat der anonyme Insider dann doch für alle enttäuschten 'Aliens'-Fans. So sei seine Firma derzeit an der Entwicklung eines neuen Alien-Spieles für die Next-Gen-Konsolen (hier die PS4) beteiligt. Entwickelt wird es von Creative Assembly und das Spiel soll unglaublich aussehen und sehr düster sein.

Wenn das, was der Tester mitgeteilt hat, auch nur ansatzweise stimmt, dürfte Gearbox-CEO Randy Pitchford bald nicht mehr viel zu lachen haben.

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