Manch ein schwer enttäuschter und um sein sauer verdientes Geld gebrachter Fan wird sich sicherlich darüber freuen, dass das Debakel um Aliens: Colonial Marines nicht ohne Konsequenzen für alle Beteiligten bleibt und bleiben wird. Nachdem bereits Publisher Sega und der eigentliche Entwickler Gearbox Software wegen irreführender Werbung verklagt wurden, scheint es Co-Entwickler TimeGate Studios schwerer erwischt zu haben, als man dachte. Nachdem Anfang März zunächst einige Mitarbeiter entlassen werden mussten, hat TimeGate Studios nun Gläubigerschutz beantragt.

Aliens: Colonial Marines - Co-Entwickler TimeGate Studios schuldet sogar einer Pizzeria noch Geld

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Die Spieler haben sich geirrt, das wahre Grauen erleben die Verantwortlichen
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Anfang März teilte TimeGate Studios' Präsident Adel Chaveleh noch mit, dass schätzungsweise rund 25 Mitarbeiter entlassen werden mussten. Gab aber als Grund noch an, dass dies aufgrund eines geplatzten Deals und der Neustrukturierung in Hinsicht auf die kommenden Konsolen von Sony und Microsoft geschehe. Vermutungen, dass der geplatzte Deal und damit auch die Kündigungen durchaus mit der Arbeit an Aliens: Colonial Marines zusammenhängen könnten, zeigten sich nun als berechtigt.

Nicht nur, dass Sega und Gearbox Software wegen irreführender Werbung verklagt wurden, der Ruf der beteiligten Studios dürfte hiermit auf Jahre hinaus beschädigt sein, falls sie sich jemals davon erholen. Während die Klage auch etwas Gutes an sich hat, so werden es sich andere Studios zukünftig sicher zweimal überlegen, bevor sie nachträglich verschönerte Gameplay-Szenen als In-Game bezeichnen, trifft der 'Aliens: Colonial Marines'-Flop ganz besonders TimeGate Studios, die zwar daran beteiligt waren, aber im Grunde nur die Drecksarbeit für Gearbox Software erledigen mussten, die sich angesichts der Erfolge mit der Borderlands-Reihe wohl schlussendlich als zu fein für diese Auftragsarbeit betrachteten.

Das 1998 gegründete Studio, das hoffnungsvoll mit der preisgekrönten Strategiereihe Kohan begann und später erste First-Person-Shooter-Erfahrung mit den Expansion Packs zu F.E.A.R. sammeln konnte, entwickelte mit Section 8 und dem Sequel Section 8 Prejudice einen überdurchschnittlichen Multiplayer-Shooter, ehe es sich dem katastrophalen Aliens: Colonial Marines zuwandte.

Das rund 55-köpfige Studio hatte am Mittwoch bei einem Gericht in Texas Gläubigerschutz bantragt. Grund seien Schulden bei knapp 50 Gläubigern mit einer Gesamtsumme zwischen 10 und 50 Millionen Dollar. Unter den Gläubigern befindet sich der Entwickler der Unreal-Engine Epic Games, aber auch das Online-Game-Service Agora Games, ja sogar eine ortsansässige Pizzeria, der TimeGate Studios 34.80 Dollar schuldet. Wer hat denn hier anschreiben lassen? Kein Geld um die Mittagspause zu bezahlen?

Die höchsten Schulden dürfte das Studio aber bei seinem ehemaligen Publisher Southpeak interactive haben, dem TimeGate Studios 7.35 Millionen Dollar schuldet. Grund dafür war zunächst eine Klage von Seiten TimeGate Studios', das der Auffassung war, dass Southpeak Interactive ihm noch Lizenzgebühren für Section 8 schulde, was der Publisher wiederum mit einer Gegenklage beantwortete. Als Ergebnis verlor TimeGate Studios alle Rechte an Section 8 an den Publisher, der nun die 7.35 Millionen Dollar einverlangt.

Immense Schulden und das fehlende Vertrauen potentieller Auftragsgeber an der Umsetzungsfähigkeit des Studios - noch schlechter könnte es nicht um TimeGate Studios stehen.

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