Einst verglich ich das Spielgefühl des MMO-Shooters Destiny mit dem Zerplatzenlassen der luftgefüllten Noppen von Knallfolie – ihr wisst schon, dieses Verpackungsmaterial. Zwar rechne ich dem Spiel nicht allzu viele Punkte hoch an (damals wie heute), doch zumindest in Sachen Gunplay macht dem Bungie-Ballermann so schnell niemand was vor. Wenige Shootouts fühlten sich seitdem jemals wieder so gut an: Das Trefferfeedback ist purer FPS-Sex! Wie wunderschön den gesichtslosen Alien-Dingern doch nach Beschuss der Kopf in gleißendem Licht explodiert – und dazu noch die markigen Sounds. Dabei hat sich dann genau die diebische Freude eingestellt, die ich als Kind hatte, wenn ich mich über Knallfolie in einem Paket hermachen und die Noppen platzen lassen durfte.

Alienation - Launch-TrailerEin weiteres Video

Und ganz ähnlich verhält es sich bei Alienation, dem neuen Twin-Stick-Shooter von Housemarque (Dead Nation, Resogun). Das Gunplay ist großartig. Dass sich Schießereien in einem Twin-Stick-Shooter dermaßen satt und wuchtig anfühlen können, hätte ich bis vor kurzem nicht für möglich gehalten. Bei der entfernten Perspektive aus der Draufsicht ist haargenaues Zielen eigentlich immer ein Ding der Unmöglichkeit. Doch bei Alienation scheint das irgendwie hinzuhauen. Doch – ganz dem Vergleich mit Destiny entsprechend – vielmehr hat das Spiel abseits dessen nicht zu bieten.

Drei Absätze mit Schwärmereien über das Gunplay

Doch bevor ich zur Kritik komme, muss ich mich erst einmal weiter über das tolle Handling der Schießereien schwärmen. Housemarque hat ihre langjährige Erfahrung genutzt und den Ballerfaktor ihres Twin-Stick-Shooters perfektioniert. Nicht nur zerbersten die allseits anstürmenden Alienhorden in ähnlich gleißenden Lichtexplosionen wie beim Bungie-Shooter, auch der spratzende, saftige Sound der zerlegten Feinde macht deutlich, dass hier etwas anständig zu Bruch gegangen ist.

Alienation - Die Knallfolie unter den Twin-Stick-Shootern

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So schön spratzt sonst keiner: Das Trefferfeedback und Gunplay in Alienation sind exquisit.
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Generell ist auch das Sounddesign besonders hervorzuheben. Alienation steckt voller kleiner Audioclues, die es euch fast ermöglichen, blind zu spielen. Beispiel: Wann euer Magazin sich dem Ende nähert, könnt ihr das schon anhand des Schussgeräuschs erkennen. Je weniger Kugeln noch zur Verfügung stehen, desto hohler, ratternder klingt der Schuss. Ladet ihr nach, erwartet euch ein an Gears of War erinnerndes Minispiel – drückt ihr im richtigen Moment noch einmal die Nachladetaste, könnt ihr die benötigte Zeit dafür deutlich verkürzen. Und auch hier liefert euch das Spiel einen klanglichen Hinweis. Der dabei zu hörende Fiepton schrillt immer mehr an, sodass ihr irgendwann anhand des richtigen Tons und nicht mehr anhand der kleinen Symbolgrafik nachladet.

Hinzu kommt ein dezentes Auto-Aiming, dass die schwammige Natur des Zielens in der etwas zum Geschehen distanzierten Draufsicht ausgleicht. Es ist nie zu stark, hilft aber ungemein für ein gutes Gefühl beim Schießen. Und eben diese kleinen Details machen die Spielmechanik von Alienation so bemerkenswert. Da Twin-Stick-Shooter meist vom Spaß an der Mechanik leben, ist das schon mal die halbe Miete.

Alienation - Die Knallfolie unter den Twin-Stick-Shootern

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Spezialfähigkeiten wie dieser Raketenschlag bringen zusätzlichen Zunder in die Feuergefechte.
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Die Welt braucht mehr Badass-Spacemarines … NICHT!

Das Problem ist aber, wie eingangs erwähnt: Abseits dessen ist da gar nicht mehr so viel. Ihr wundert euch, warum ich mit keiner Silbe die Geschichte erwähne? Ganz einfach – sie ist sterbenslangweilig. Ab der zweiten Mission habe ich nur noch mit einem Ohr hingehört, wenig später habe ich sie ganz ausgeblendet. Es geht halt um eine austauschbare Alieninvasion, die eine noch austauschbarere (und gesichtslosere) Menschheit in Angst und Schrecken versetzt. Deshalb braucht es eine Geheimwaffe: Austauschbare Badass-Spacemarines! Fertig. Aus. Vorbei. Mehr gibt’s hier nicht.

Wenn Destiny ein Twin-Stick-Shooter wäre, hieße es Alienation.Fazit lesen

Ganz also wie bei Destiny. Und dabei hören die Gemeinsamkeiten noch nicht auf. Der Spacemarine, den ihr aus drei Klassen (Tank, Heiler, Trickreicher Assassine) wählen könnt, darf über den Spielverlauf mit Loot, Level und Skills vom kleinen Kadetten zum Space-Barbaren aufgepäppelt werden. Und genau das ist abgesehen von dem grandiosen Gunplay der Hauptspielbestandteil. Sogar das Abklappern von gleichen Levels im Kampagnenverlauf gehört zum Drill von Alienation dazu – mehr „TWIN-STICK-SHOOTER-DESTINY!!!“ können die Entwickler eigentlich gar nicht mehr sagen.

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The way it’s meant to be played: Mit Kumpels und flüchtigen Online-Bekanntschaften ist Alienation wirklich launig.
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Und auch wenn das Sammeln von neuen Waffen, Upgrade-Materialien und Levels durchaus motiviert – so ganz genügt das nicht, um das ewiggleiche Gameplay nicht schal werden zu lassen. Allein vor dem Bildschirm war bei mir schon in Level 3 die Luft raus. Nicht nur weil mich das schnarchige Missionsdesign endlos von Wegpunkt zu Wegpunkt zum Scannen von „Herrgott-weiß-was“ dackeln lässt (natürlich mit einer kleinen Drohne – TWIN-STICK-SHOOTER-DESTINY!!!), sondern auch weil mir die Gegner plötzlich mit Anlauf in den Hintern traten. Während der normale Schwierigkeitsgrad in den ersten beiden Levels noch „Gänseblümchen pflücken auf einer kunterbunten Waldwiese“ war, verwandelte sich Alienation danach plötzlich in die Spacemarine-Folterkammer-Vorhölle.

Nur der Squad hat Spaß

Der Grund für den abrupt ansteigenden Schwierigkeitsgrad: Alienation spielt man am besten mit einem Trupp aus bis zu drei anderen Mitspielern. Warum das Ganze nur online und nicht lokal geht, ist mir schleierhaft – zumindest nachträglich will der Entwickler diese Option aber noch nachliefern. Aber ja, sobald ich mich online mit anderen Spielern zusammentue, macht’s dann irgendwie doch wieder Spaß. Schon allein deshalb, weil mit Kameraden an der Seite auch der höchste der drei Schwierigkeitsgrade machbar ist und mich daraufhin noch weit epischeres Loot erwartet.

Vor allem aber, weil man währenddessen über andere Dinge mit Freunden quatschen kann. Das lenkt dann auch anständig von dem so belanglosen Geschehen auf dem Bildschirm ab. Genauso also wie bei Destiny …