Der Top-Down-Shooter an sich ist ja ein eher simpler Zeitgenosse: Stets nach dem gleichen Prinzip gestrickt, mit minimalen Mitteln auf Marktreife gebügelt, lockt das Resultat in Zeiten von Multimillionen-Dollar-HD-Projekten meist niemandem hinter der Gamercouch hervor. Die Spielgeschichte zählt denn auch gerade einmal eine Handvoll namhafter Titel, an die sich jedoch nur noch Freaks, Fans oder Games-Journalisten erinnern dürften.

„Alien Breed“ aus dem Jahr 1991 ist so ein Titel. Den muss man nicht kennen, kann man aber. Neben größeren Projekten (wie Crusader: No Remorse) hielt die spaßige Ballerei von Team 17 die Flagge des schmählich vernachlässigten Subgenres stolz nach oben. Warum wir euch mit derlei Informationen belästigen? Weil wir neunmalklug sind! Und „Alien Breed“ jetzt auch das HD-Zeitalter erreicht hat.

Alien Breed: Impact - Launch Trailer

Top Down, Thumps Up

So wirklich ausgestorben ist der Top-Down-Shooter trotz weniger Titel nie so richtig. Erst kürzlich erschien mit „Greed“ ein eher mäßiger Versuch, das Genre mit Diablo-Anleihen zu kreuzen, davor sorgten die beiden „Shadowgrounds“ für gelungene Unterhaltung. Triple-A-Unterhaltung ist das sicherlich nicht, aber Fans der launigen Dauerballereien wissen deren Qualitäten durchaus zu schätzen.

Alien Breed: Impact - Ein Retro-Klassiker im HD-Gewand

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Es kracht und wummert an allen Enden und Ecken - Team 17 weiß, wie man einen Actiontitel inszeniert.
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Und die wären? In erster Linie natürlich brachiale Action. Solange es knallt und kracht, ist alles gut, wenn’s dabei auch noch ordentlich zischt und schick aussieht, ist der Kuchen quasi schon gebacken. In dieser Generaldisziplin behauptet sich auch „Alien Breed: Impact“, vielleicht sogar besser als jeder Top-Down-Mitbewerber zuvor. Nur mit dem Rest will es dagegen nicht so wirklich klappen.

Womit nicht einmal die lachhafte Geschichte gemeint ist, die vom Hersteller in lobenden Pressemeldungen ironischerweise als „epische Story“ angepriesen wird. Wir sind halt irgend so ein Typ, der auf irgend so einem Raumschiff herumrennt, das von irgendwelchen Viechern angegriffen wird – passt schon. Mehr Handlung haben Top-Downs nun mal nicht, auch wenn etwas mehr Tiefe vielleicht mal eine nette Idee gewesen wäre. Erzählt wird der Murks in knappen Comicstrips, die wir allerdings nur mit viel Mühe entziffern konnten.

Alien Breed: Impact - Ein Retro-Klassiker im HD-Gewand

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Das Waffenarsenal bietet keine Überraschungen: Flammenwerfer, Laserstrahler und MP unterscheiden sich in Punkto Effektivität zudem kaum.
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Also hören wir halt zu: Androidendame Mia erklärt uns, die einzige Möglichkeit des riesigen Weltraumkahn, auf dem wir durchs lautlose All schippern, zu retten, sei die Reaktivierung des Zentralrechners. Und des Kühlsystems. Und der Lüftung. Und überhaupt und sowieso. „Alien Breed: Impact“ lässt hier wirklich kein Klischee respektive Maschinenteil aus, das es nicht zu bedienen gäbe. Die Jagd nach diesen Missionszielen wird entsprechend spröde inszeniert: Simples Gerenne von A nach B wechselt sich mit stumpfer Knöpfchendrückerei ab.

Launiger Titel für relativ kleines Geld, dem jedoch schon im Tutorial die Puste ausgeht.Fazit lesen

Wirklich packend inszeniert ist diese Hatz durch den stählernen Weltraumkoloss also nicht, zumal die Abläufe unfassbar vorhersehbar sind: Wann immer wir einen großen Raum samt Computerterminal betreten, kann man damit rechnen, dass uns in wenigen Sekunden Horden von Aliens angreifen. Bis zum Ende – nach gerade einmal fünf Levels und ebenso vielen absolvierten Spielstunden – ändert sich daran in „Alien Breed: Impact“ nichts.

Unreal 3 im Gebälg

Trotzdem ist „Alien Breed: Impact“ ein Titel, den man gerne zu Ende spielt. Denn: Der Actionanteil ist hoch und launig inszeniert. Mit verschiedenen Waffen (Flammenwerfer, Laserkanone) und speziellen Granaten heizen wir unseren Angreifern ein. Und wenn die attackieren, dann bevorzugt von allen Seiten. Nicht selten brennt da förmlich der Bildschirm, vor allem auch deshalb, weil die Grafik ganz vorzügliche Effekte beherrscht.

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Erst im letzten Level ändert sich der Grafikstil leicht: Erinnerungen an "Alien" werden wach.
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Team 17 hat sich klugerweise die Unreal Engine 3 lizensiert – dass ihr Top-Down-Geballer nicht mit inhaltlicher Tiefe glänzen würde, wissen die Herren aus England also zum Glück selbst. Das Resultat darf man mit Fug und Recht als schönsten „von-oben-herab“-Shooter aller Zeiten bezeichnen. Feine Animationen, detaillierte Texturen und vor allem die fetten Feuer- und Explosionseffekte sorgen für leuchtende Augen. Einzig die schönen Physikspielereien und zerstörbaren Levelbereiche aus „Greed“ gehen uns ein wenig ab.

Bei aller optischer Finesse erscheint die kurze Gesamtspielzeit gleich umso schwerwiegender. Wo uns „Greed“ und „Shadowgrounds“ auch hin und wieder in schicke Außenbereiche geführt haben oder zumindest das Design der Innenlevels variierten, lässt „Alien Breed“ die immer gleichen Maschinenräume und Krankenstationen in tristem Stahlgrau übers Grafikfließband laufen. Wenn man glaubt, es käme der Wechsel, ist die Sause auch schon vorbei.

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HDR-Effekte, gleißende Explosionen - "Alien Breed" sieht spitze aus.
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Zum Glück bietet „Alien Breed: Impact“ einen launigen Koop-Modus, der es zwei Freunden ermöglicht die Kampagne und drei weitere Karten im Team zu erledigen. Logisch, dass hier die Luzi so richtig abgeht, wenn auch ein paar Macken den Spaß etwas drosseln. Warum man an den Upgrade-Terminals etwa nur eine begrenzte Anzahl an Gegenständen kaufen kann, bleibt wohl Geheimnis der Entwickler.