Alexander (PC-Test)
(von Manfred Duy)

Wer hier dem Feind in Unterzahl entgegentritt, braucht gar nicht erst anzutreten. In diesem antiken Echtzeitgemetzel triumphiert nämlich stets die Masse über die Klasse.

Der gleichnamige Kinofilm rund um das Leben, Lieben und Leiden des antiken Kriegsherrn Alexander erntete ja sowohl vom Publikum als auch von den Kritikern eher durchwachsene Kritiken. Die Einen nörgelten über die langatmigen Labereien, Anderen wiederum waren der amourösen Verwicklungen gar

zu viele und den Dritten erschien gleich das komplette dreistündige Epos viel zu lang. Und dann gab es noch diejenigen, die gelangweilt auf die nächste bombastische Massenschlacht hofften und die Wartezeit darauf (je nach Neigung) mit einem Nickerchen, SMS-Getippel oder Fummeleien mit der Sitznachbarin überbrückten. Genau an letztgenannte Zielgruppe wendet sich dieses opulente Echtzeit-Strategiespiel. Das bietet zwar als Bonus Charaktere, Melodien und Bilder nebst bislang unveröffentlichten Filmschnipseln aus dem Kinofilm, das Spiel selbst aber beschränkt sich im Grunde genommen auf die eindrucksvolle Darstellung der gigantischen Schlachten des "Großen" Alexander.

Fünf-Minuten-Gefechte
Die Schauplätze des ca. im Jahre 330 vor Christus angesiedelten Gemetzels entsprechen den historischen Vorgaben. Schlachtfelder finden sich ergo vom östlichen Mittelmeerraum bis hin zum fernen Indien. In der aus 15 Missionen bestehenden ersten

Kampagne begleiten Sie Klein-Alex von seinen ersten Karriereschritten bis hin zu seinem großen Rückmarsch nach Babylon. Erst nach erfolgreichem Abschluss dürfen Sie in drei weiteren kleineren Kampagnen mit den Persern, den Ägyptern und den Indern auch seine Erzrivalen bemuttern. Die einzelnen Missionen sind von höchst unterschiedlicher Natur.

Dies betrifft vor allem auch die Zeit, welche für deren erfolgreiche Absolvierung benötigt wird: Einmal etwa müssen Sie eine Riesenarmee gegen den Feind schicken und eine gigantische Schlacht ausfechten. Und so was geht ruckzuck, denn dafür werden Sie genau einen Befehl ("Alle Mann ran an den Feind") nebst etwa fünf Minuten Wartezeit bis zum Siegesgeheul benötigen.

Ein anderes Mal müssen Sie mit einer kleinen Rotte Söldner nur mal eben in einem unterirdischen Labyrinth ein altes Artefakt aufklauben - und dies kann durchaus mehr als eine halbe Stunde in Anspruch nehmen.

Alexander - Antike Massenschlachten fast wie im richtigen Kino!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 33/351/35
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das genretypische Aufbauen mit dem sattsam bekannten Errichten von etwa 120 Gebäudesorten nebst nachfolgender Söldner-Massenproduktion kommt dagegen nur in wenigen Missionen zum Einsatz. Meistens geht es darum, eine mehr oder weniger große Schar Soldaten durchs Gelände zu scheuchen. Neben den Kampagnen existieren eine Handvoll Einzelmissionen sowie die Möglichkeit, sich sowohl für den Solobetrieb als auch für Mehrspieler (Internet oder LAN) geeignete Szenarien selber zurecht zu zimmern. "Cossacks" in antiken Gewändern Optisch erinnert das Ganze ziemlich an "Cossacks" in antiken Gewändern. Was kein Wunder ist, denn a) stammen die Cossacks ebenfalls vom ukrainischen Entwicklungsstudio GSC Gameworld und b) haben diese die Cossacks-Entwicklungsengine auch für Alexander hergenommen. Sie ist dazu fähig, Unmengen von Einheiten simultan agieren zu lassen, und genau dies geschieht hier auch. 64.000 Soldaten bevölkern eine Szenerie und bis zu 8.000 das Monitorbild.

Packshot zu AlexanderAlexanderErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Wohl der Hauptgrund für die ziemlich hohen Hardwareanforderungen. Selbst stärkste Rechner drohen in die Knie zu gehen, wenn sich bei höchster Detailstufe Tausende von Lanzenmännern, Bogenschützen, Reitern und Katapulten herumbalgen. Strategische oder wirtschaftliche Finessen sind bei solchen Massentumulten natürlich unangebracht. Angemessen unkompliziert verhält es sich denn auch mit dem Aufbauelement. Die Arbeiter schaffen völlig im Alleingang die vier Ressourcen Stein, Holz, Goldund Nahrung ran und wenn man erst einmal einen Produktionsbefehl erteilt hat, spucken die Kasernen endlos viele Söldner aus. In Windeseile lassen sich dadurch riesige Heerscharen von vierzigerlei Gattung züchten: Vom einfachen Fußsoldaten bis hin zum mächtigen Elefantenreiter.Gleichartige Truppen werden bequemer Weise automatisch in Brigaden zusammengefasst und en bloc umher dirigiert.

Befehlsverweigerer
Dies ist allerdings nicht ganz einfach, denn die Steuerung ist unnötig kompliziert, vor allem aber gehorchen die tumben Burschen nicht immer den Befehlen. Zum Angriff sind sie zwar gerne bereit, Rückzugsbefehle pflegen sie aber öfters mal zu ignorieren.

Dies gilt leider auch für die zu schützenden Helden, die gerne im Alleingang und mit Hurragebrüll dem Feind entgegen stürmen. Bevor nun der entsetzte Wohnzimmergeneral auch nur einen Fluch ausstoßen kann, ist der Held auch schon den Heldentod gestorben und die Schlacht verloren bevor sie begonnen hat. Auch können die Truppen zwar viele hübsche Formationen einnehmen, einen Vorteil im tumultartigen Kampfgewoge lässt sich dadurch aber kaum erzielen. Sobald die

verfeindeten Truppen aufeinander prallen, bilden sie einen Klumpen so wirr wie der gordische Knoten. Selbst wenn man taktische Schliche einsetzt - etwa dem Feind überraschend in den Rücken fällt - hat er dadurch kaum höhere Verluste als bei einem banalen Frontalangriff. Merkwürdiges gibt es auch von der Geschwindigkeit zu berichten: Fußtruppen bewegen sich in etwa gleichschnell wie die Kavallerie und das Belagerungsgerät überholt manchmal sogar alle beide.

Und geradezu erstaunlich sind die seherischen Kräfte Ihrer Mannen. Selbst in einem schmalen, unterirdischen und in Kriegsnebel eingehüllten Verlies finden sie durch einen simplen Klick auf den weit entfernten Zielpunkt exakt den richtigen Weg durch die Düsternis und umgehen dabei selbst nicht einsehbare Sackgassen. Mit der künstlichen Intelligenz Ihrer Gegner ist es dagegen nicht allzu weit her. Deren Strategie ist zum Großteil gescriptet, sprich vom Programmierer exakt vorgegeben

Alexander - Antike Massenschlachten fast wie im richtigen Kino!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 33/351/35
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

und läuft daher stets nach der gleichen Masche ab. In großen Schlachten etwa wartet der Gegner meistens in geschlossener Formation bis Sie angreifen. Versprengte Truppen von ihm dagegen wandern ziellos durch die Landschaft, statt sich zurück zu ziehen und zu reorganisieren. All diese taktischen Mängel führen in der Summe dazu, dass hier ausnahmslos die Übermacht die Schlacht gewinnt - ganz egal, wie dämlich sich dabei der jeweilige Heerführer auch anstellt.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ Bombastische Massenschlachten + Basiert auf dem gleichnamigen Kinofilm + Exklusives Zusatzmaterial aus dem Film

Cons:

- Taktische Finessen sind nutzlos, stets gewinnt die Übermacht - Steuerungsdefizite - Teils sehr kurze Missionen - Happige HardwareanforderungenPro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ Bombastische Massenschlachten + Basiert auf dem gleichnamigen Kinofilm + Exklusives Zusatzmaterial aus dem Film

Cons:

- Taktische Finessen sind nutzlos, stets gewinnt die Übermacht - Steuerungsdefizite - Teils sehr kurze Missionen - Happige Hardwareanforderungen