Autor: Christopher Link

Wer kennt sie nicht? Die beiden Kommissare Tom Kranich und Semir Gerkhan, die wöchentlich bei RTL auf den Straßen Deutschlands für Recht und Ordnung sorgen, dabei die kuriosesten Fälle lösen und einen Trash-Stunt nach dem anderen vollführen.

Bei so viel Action bietet sich eine Spieleumsetzung der Vorlage geradezu an. Die ersten Versuche von Davilex scheiterten kläglich. Die Spiele waren eine Zumutung.

Nun steht uns mit "Alarm für Cobra 11: Nitro" von Synetic die erhoffte Wiedergutmachung ins Haus. Wir sagen euch in unserem Review, ob das Spiel die Zielgerade erreicht oder mit einem Platten auf halber Strecke versagt.

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Alles klar, Herr Kommissar?
Das Herzstück des Spiels ist der Karrieremodus, in dem man eine Laufbahn als Kommissar absolviert und dabei eine Reihe von zusammenhanglosen Aufträgen erfüllen muss. Am Anfang eurer Karriere habt ihr noch nicht die Wahl zwischen mehreren fahrbaren Untersätzen - also wird erstmal das genommen, was gerade da ist. Und schon geht's ab in die ersten Missionen.

Alarm für Cobra 11-Nitro - Ich will Spaß, ich geb' Gas! Nur Standgas oder doch Überholspur für Cobra 11?

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Bei bestimmten Lkws dürft Ihr sogar die Rampe testen - der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
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Dabei wird ein Sammelsurium an unterschiedlichen Zielen aufgefahren, das Serienliebhaber nur zu gut aus der Vorlage kennen: Amokfahrer und Rowdies wollen gestoppt, Drogendealer ausgebremst und Bankräuber zerschrottet werden. Ab und zu gibt es auch noch den einen oder anderen Einsatz, in dem man sich hinter das Steuer eines Krankenwagens klemmen und gegen die Zeit verletzte Personen in Sicherheit bringen muss. Vielfältige Missionsziele sucht man trotz netter Ideen vergebens.

Packshot zu Alarm für Cobra 11-NitroAlarm für Cobra 11-NitroErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Stattdessen ist man mit einem Affenzahn über Deutschlands Autobahnen unterwegs. Auch in Innenstädten und auf Landstraßen geht es in Sachen Geschwindigkeit ordentlich zur Sache. Komisch nur, dass gerade in einem Spiel wie "Alarm für Cobra 11" auch Zivilisten zu Schaden kommen können. Fährt man mit Karacho jenseits von Gut und Böse unbeteiligten Autofahrern in die Boliden, gibt es krachende Unfälle, die nicht selten in einer Explosion enden. Geahndet werden diese Vergehen kurioserweise nie, obwohl man ja eigentlich als Polizist unterwegs ist.

Überhaupt ist das Spiel absolut auf Actionfans ausgerichtet: Gibt man ordentlich Gas und schaltet den optionalen Nitroboost hinzu, kommt einem ein Seat Leon wie ein aufgerüsteter Podracer aus "Star Wars" vor. Ausweichmanöver enden dann trotz arcadelastiger Steuerung meistens in unliebsamen Bekanntschaften mit Leitplanken oder anderen Fahrzeugen.

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Im Spiel kracht es an allen Ecken und Enden, Realismus hat die Entwickler nicht gejuckt.
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Ein besonders spektakuläres Fahrverhalten wird mit Wiederholungen wie im Fernsehen belohnt - das RTL-Logo gibt's im oberen linken Bildschirmrand obendrauf. Enttäuschen müssen wir leider Fans der Serienkommissare Steinke und Atalay. Beide bekommt man nicht ein einziges Mal zu Gesicht. Filmschnipsel aus der Serie fehlen ebenfalls.

Destruction Derby Germany
Recht umfangreich ist das Schadensmodell in "Alarm für Cobra 11: Nitro". Kein Wunder, schließlich zeichnen sich die Entwickler von Synetic für die Versoftung verantwortlich. Die Rennexperten zeigten Geschwindigkeitsfanatikern schon in "World Racing 2", wie komplexe Verformungen, zerberstende Scheiben und abgefahrene Schürzen auszusehen haben. Hier wird zwar unter realistischer Sichtweise etwas zu dick aufgetragen, dennoch unterhalten die Unfälle auf ganzer Linie - so makaber sich das jetzt auch anhören mag.

Gepatzt wurde allerdings beim Umfang: Mag die Anzahl der Missionen im ersten Moment noch begeistern, stellt sich doch recht schnell Ernüchterung ein: Die Aufträge können förmlich im Schnelldurchlauf abgehakt werden. Trotz vieler Bonusfahrzeuge und drei verschiedener Schwierigkeitsgrade fehlen echte Highlights. Multiplayer-Partien dürfen lediglich im Splitscreen-Modus mit maximal zwei Spielern ausgetragen werden. Hierbei wird wie im Karrieremodus um die Wette gefahren und munter Blech geschrottet. Die Haltbarkeit des Spiels dürfte dieser Modus damit aber kaum verlängern.

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Das Burnout-Syndrom tritt vor allem bei Polizisten im mittleren Alter auf.
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Hinter der überzeugenden Grafik von "Nitro" verbirgt sich eine modifizierte "World Racing 2"-Engine: Diese zaubert detaillierte Fahrzeuge, realistische Spiegelungen und klare Texturen auf den Bildschirm. Nur ab und zu stören Pop-ups die Rennatmosphäre, außerdem könnte die Weitsicht größer sein. Alles in allem kann "Nitro" hier jedoch punkten, zumal unzählige Streckenobjekte und fetzige Explosionen - so unrealistisch sie auch sein mögen - für ansprechende Bilder sorgen.

Akustisch bleibt das Spiel jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurück: Gerade mal wuchtige Unfälle hören sich auch danach an, ansonsten gibt es nur gelangweilt wirkende Funksprüche und mager vertonte Boliden. Schade, denn vor allem ein dicker BMW sollte sich nicht anhören wie Omas elektrischer Rollstuhl auf Ecstacy. Immerhin sorgen gut gewählte Musikstücke für eine passende Untermalung.