Der Blick in die TV-Zeitschrift offenbart: heute keine interessante Serie in der Glotze. Für das nächtliche Kulturprogramm ist es noch zu früh und laut Nachrichten scheint auch die ganze Welt in einen Dornröschenschlaf gefallen zu sein. Wie gut, wenn man dann ein Spiel im Haus hat, das an die eigene Lieblingsserie angelehnt ist.

Und das kann ja nur „Alarm für Cobra 11“ sein, oder? Die beiden knallharten Kommissare in ihren heißen Bullenboliden sehen nicht nur zum Anbeißen aus, sondern sind auch noch supersmart – wenn Smarts auch nicht auf ihre fahrbaren Untersätze zutreffen.

Alarm für Cobra 11: Das Syndikat - Karneval der Knautschzonen

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Kein Cobra-11-Spiel ohne Krach und laut und wummernd.
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Für alle Fernsehverweigerer sei erklärt, dass RTL mit „Alarm für Cobra 11“ seinerzeit das Zeitalter der in Deutschland produzierten Action-Serien eingeläutet hat. Plötzlich gab es keine dialog- und kopflastigen Kriminalspielchen mehr, die zwangsläufig in „Harry, hol den Wagen“ endeten – der Wagen war bereits da! Voll aufgetankt und vor allem bereit, durch eine Menge Explosionen auf den deutschen Autobahnen gesteuert zu werden. Zum Nachdenken sollte kein Zuschauer kommen, ähnlich wie bei den US-amerikanischen Krimivorbildern. Auf den PCs und den Konsolen bot sich da natürlich recht schnell eine Versoftung an, die sich mittlerweile über zahlreiche Fortsetzungen erstreckt.

Dieses Mal legen sich Ben und sein Partner Semir nicht nur einfach mit Temposündern, Kleinganoven oder rollenden Alkis an, sondern bekommen es mit einem kompletten Syndikat zu tun, das seine gierigen Krallen nach Köln ausstreckt. Dabei fängt der Fall routiniert an: Ein Fahrer widersetzt sich dem Zugriff der Polizeikräfte und verwickelt unser cooles Team in eine Verfolgungsjagd, die mit einem ausgebrannten Autowrack endet – vom Fahrer fehlt jedoch weiterhin jede Spur. Bei ihren Nachforschungen treffen Ben und Semir auf einen Undercover-Bullen, der sich an die Fersen des Syndikats geheftet hat. Was genau diese Organisation in Köln will, weiß man noch nicht – wahrscheinlich gefälschte Winterreifen verticken.

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In Cobra 11 ist man ausschließlich im Auto unterwegs.
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Wer noch nicht einen Teil der Serie gespielt hat, kann auch nicht wissen, dass die Cobra-11-Reihe kein Mix aus Action-Adventure und Racing ist. Hier geht es nur um rotierende Räder, denn weder Ben noch Semir strecken auch nur einen Fuß aus ihrer Karre. Wenn die Erkenntnisse ihrer Nachforschungen vor Ort bekannt werden, dann zeigt die Kamera auch nur den Flitzer der beiden. Meistens werden sie dann von einem Ort zum nächsten geschickt, um allmählich Licht ins Dunkel der kriminellen Organisation zu bringen. Zwischendurch dürfen sie auch mal eine Drohne steuern, die an einen bestimmten Platz geparkt werden muss.

Wozu laufen?

Nach erledigter Arbeit wird der ferngesteuerte Mini-Apparat kurzerhand in die Luft gejagt. Dass solch explosives Vorgehen die Gangster aufschreckt, dürfte klar sein. Also heften sich die Ermittler ans Heck der bösen Buben und liefern sich eine weitere Verfolgungsjagd. Nach mehrmaligen Ramm-Manövern ist der gegnerische Fahrer mürbe und stellt sich zunächst einfach mit seiner lädierten Karre auf die Fahrbahn.

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Immerhin: Die Rheinmetropole Köln wurde gut nachgebaut.
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Das ist der Moment, in dem Semir und Ben sich einfach an ihn heranstellen müssen. Nach ein paar Sekunden gilt der Verbrecher als verhaftet und die Fahndung geht weiter. Ein Richtungspfeil zeigt stets die Richtung an, in die das Duo fahren muss. Zusätzlich kann auf einer Straßenkarte das Ziel markiert werden. Eine Minimap weist dann den Weg.

Auch die Klassiker wie Zielfahrten innerhalb eines Zeitlimits werden selbstverständlich mit eingebaut. Obendrein können die Gesetzeshüter ihr Können auf professionellen Rennstrecken unter Beweis stellen. Nebenbei können verschiedene Verstecke des Syndikats, in denen weitere Missionen warten, aufgedeckt werden - oder man erkundet Köln auf einer Streifenfahrt frei und wartet auf Funksprüche, die neue Aufgaben verteilen. Dabei kann es eine Menge Action geben, vor allem, wenn der zur Fahndung ausgeschriebene Wagen auf einer nicht leicht zugänglichen Stelle davonbraust. Will man denn auf der Autobahn mal eben wenden? Nein, dann doch lieber den kleinen Fisch durch die Lappen gehen lassen. Die Handlungsmissionen können sowieso bei Misserfolg wiederholt werden.

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Und es kracht mal wieder.
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Fans von Arcade- oder Fun-Racern werden kaum Probleme mit der Steuerung haben. Das Joypad unternimmt keine ungewöhnlichen Tasteneinteilungen und lässt die Autos auf jedes Kommando gehorchen. Alles ist gefällig belegt und bemüht, vor allem den Gelegenheitsspielern ein nettes Erlebnis zu ermöglichen. Dabei sind die Autobahnjagden auch für echte Spieler durchaus für eine oder zwei Runden spielenswert.

Flutschende Spielmechanik und Einsteigerfreundlichkeit retten nicht unbedingt davor, von der Konkurrenz überrollt zu werden.Fazit lesen

Wenn sie sich unterfordert fühlen, können sie zumindest den Schwierigkeitsgrad auf die höchste Stufe stellen. Wirklich anspruchsvoll werden die Gegner allerdings auch dann nicht. Wahrscheinlich besteht das Syndikat aus Hauptschülern, denen einfach kein anderer Weg als die Kriminalität offen blieb. Wir bieten uns hiermit als Anwälte an.

Gelegenheit macht Spiele

Für Lokalpatrioten wird das offen befahrbare Köln seinen Reiz ausmachen. Sie werden sich aber über den aufgeräumten Eindruck wundern, denn die Rheinmetropole scheint kein bisschen verdreckt zu sein – alle Straßen sind blitzsauber, die Sonne scheint permanent und obendrein bringt kein einziger Fußgänger Semir und Ben in Bedrängnis. Darauf weist sogar ein Text im Ladebildschirm hin. So viel Flucht nach vorn verdient einen Charmepunkt. Auffällig sind die zahlreichen Rettungswagen auf den Straßen. Einerseits muss hier das kölsche Gesundheitswesen gelobt werden, denn an jeder Ecke scheint ein Sanitäter zu lauern, auf der anderen Seite fragt man sich, ob die Stadt nur aus siechenden Kranken besteht.

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Wer mag, lässt sich von Pfeilen unter die Arme greifen.
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Weniger Eindruck schindet die Vertonung. Zwar werden die Dialoge von den Originalstimmen eingesprochen, kommen aber seltsam leblos daher. Jeder Aktenzeichen-XY-Text wird von den Laiendarstellern emotionaler vorgetragen. Wenn das Untersuchungsergebnis des ausgebrannten Fluchtwagens Einschusslöcher vorweist, ist ein müdes „Also, ich denke, wie sollten ermitteln“ die Antwort.

Nein, lieber Ben, das braucht man gar nicht. Es könnte doch sein, dass der Fahrer seiner Knautschkarre einfach wie einem altersschwachen Gaul im Wilden Westen den Gnadenschuss geben wollte, oder? Die Rockmusik im Hintergrund betont dagegen die Action sehr gut und fügt sich zumindest den rockigen Standards anderer Arcade-Racer.

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Da macht's "Krawumm". Einfach so.
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Nachdem technisch keine großartigen Fortschritte zum passablen Vorgänger gemacht wurden, besteht die große Neuerung im Multiplayer-Modus. Bis zu acht Raser können online, über Split-Screen oder via System-Link messen, wer den schwersten Bleifuß besitzt. Vier Spielmodi wurden für das Gemeinschaftserlebnis eingebaut. Freie Fahrt, Checkpoint-Rennen, Deathmatches und herkömmliche Streckenrennen schlagen zwar keine absolut neue Fahrtrouten im Genre ein, sind aber eine gute Ergänzung zum Einzelspielermodus.

Wollen wir hoffen, dass die Spieler rund um die Uhr Mitspieler finden werden – in unseren Testrunden gab es auch Momente, in denen die Server so leer waren wie die Benzintanks von Ben und Semir nach einer ausgiebigen Spritztour durch ihr Revier.