Wir haben es immer gewusst: Für eine Tasse Kaffee wird bei unseren Freunden und Helfern schnell mal das Blaulicht eingeschaltet und mit 240 Sachen über die Autobahn gebrettert. Auf selbiger fahren sowieso nur Pfeifen rum und ein kleiner Crash mit fünf Überschlägen und anschließendem Flug durch ein paar Bäume gibt nur einige Kratzer im Lack. Zumindest ist das so in „Alarm für Cobra 11 - Crash Time“. gamona hat für euch im Großraum Köln für Chaos gesorgt.

Im TV haben sich die Asphalt-Schnüffler von Cobra 11 über Jahre mit guten Quoten ihren Sendeplatz gesichert. Am PC müssen sich die Bleifüße erst noch etablieren, das solide „Nitro“ konnte jedenfalls noch keine große Fanbasis für sich gewinnen. Im Nachfolger „Crash Time“ wollen Chris, Semir und Co. nun beweisen, dass sie es besser können.

Alarm für Cobra 11: Crash Time - Trailer

In mehreren von einander getrennten Fällen schlüpft man als Fahrer des Dienstagwagens und von diversen anderen Boliden in die Rolle des Nachwuchsermittlers und sogar in die Rolle der Serienhelden selbst. So parkt man gleich zu Beginn der ersten Ermittlung mit Semir und Chris an einer Autobahnausfahrt. Und sofort geht die Action los, als ein irrer Raser an den beiden Ermittlern vorbei knallt.

Alarm für Cobra 11: Crash Time - Voll auf die Elf: Dieses Spiel sollte man lieber auf der Autobahn aussetzen.

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In vielen Aufträgen muss man Temposünder oder Verdächtige verfolgen und einholen.
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Logisch, dass man solch eine Dreistigkeit nicht ungesühnt hin nimmt. Mit durchgedrücktem Gaspedal wird also die Verfolgung aufgenommen. Die Fahrzeuge sind dabei realen Vorbildern wie dem Audi TT, dem 3er BMW und anderen bekannten Schlitten nachempfunden; Markenlogos oder konkrete Hinweise auf die Hersteller fehlen allerdings.

Zudem fällt gleich bei erwähnter Verfolgungsjagd auf, dass das Fahrverhalten alles andere als realistisch ist. Da fliegen Fahrzeuge bei leichtem Leitplankenkontakt über 50 Meter weit, ein Aufprall mit 250 Sachen auf den Vordermann hinterlässt nur einen Blechschaden und kleine Lenkmanöver genügen, um die Wagen bei Tempo 150 in der Kurve ruhig zu halten. Da „Crash Time“ jedoch ein reinrassiger Arcaderacer ist, stört dies nicht weiter.

Nicht zittern!

Lediglich die Steuerung ist durch das extreme Ansprechen der Fahrzeuge etwas zu direkt geraten. Da man leicht korrigieren kann, lässt sich der Titel zwar auch gut mit der Tastatur spielen, allerdings genügt so ein leichter Tastendruck für einen Abflug, falls etwa gerade ein Hindernis im Weg steht. Alles in allem ist die Bedienung von „Crash Time“ jedoch angenehm simpel geraten, was aber auch an der überschaubaren Menge an Optionen liegt.

Alarm für Cobra 11: Crash Time - Voll auf die Elf: Dieses Spiel sollte man lieber auf der Autobahn aussetzen.

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Knallharte Crashs sind an der Tagesordnung, vor allem wenn gamona vor Ort ist.
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Denn die verschiedenen Aufträge verlangen eigentlich nie viel mehr als schnelles Fahren. Entweder muss man von Punkt A nach Punkt B düsen und unterwegs Checkblasen abfahren, Temposünder verhaften, indem man sie durch Kontakt dreht und dann nahe an sie heran fährt, oder Verdächtige beschatten, wobei man in einem festen Abstandsintervall bleiben muss.

Da diese Aufträge gepaart mit einer müden Gesamtpräsentation der belanglosen Story bereits das gesamte Spielprinzip ausmachen, hat man jederzeit das Gefühl, dass man bei Entwickler Synetic erneut sämtliche Möglichkeiten der interessanten „Cobra 11“-Lizenz ungenutzt gelassen hat. Nie tauchen 3D-Modelle der Figuren auf, sämtliche Missionsbesprechungen werden nur in Text- und Audioform präsentiert, dabei rotiert die Kamera um das Gebäude, in dem sich die Sprecher gerade befinden.

Warum gibt es keine spannenden Zwischensequenzen? Warum ändert sich die Ausgangslage nicht plötzlich durch Anrufe oder Funkmitteilungen? Warum lockern keine kleinen Abschnitte, in denen man die Spielfigur selbst steuert, den Spielfluss auf? Fragen über Fragen, die Eines deutlich zeigen: In diesem Setting wäre mehr drin gewesen, auch für eine Low-Budget-Produktion. Darüber hinaus nervt es furchtbar, dass man nur zwischen kompletten Aufträgen speichern kann. Die einzelnen Teile einer Ermittlung müssen komplett am Stück erledigt werden, ansonsten fängt man wieder von vorne an.

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Hier hat jemand noch nicht kapiert, was Respekt und Ehrfurcht vor dem Gesetz bedeutet.
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Doch zurück zur eingangs erwähnten Verfolgung des Temposünders. Als Autobahncop muss man natürlich nicht mühevoll um Respekt auf der linken Fahrbahn kämpfen, da wird lieber das Martinshorn eingeschaltet. Denn hat man Sirene und Blaulicht aktiviert, weichen die meisten Autofahrer bereitwillig zur Seite. Das Problem dabei: Die technischen Hilfsmittel lassen sich jederzeit zuschalten. Möchte man etwa mit den Kollegen um die Wette zur nächsten Raststätte fahren, kann man es sich ohne Folgen zu fürchten leichter machen, indem man einfach für Lärm und Licht sorgt.

Crash Time ist bei etwa 58% des Machbaren stehen geblieben. Welche Wertung könnte es dafür wohl geben?Fazit lesen

Überhaupt lädt die Spielwelt von „Crash Time“ eher Berserker ein statt pflichtbewusste Beamte. Rast man im zivilen Polizeifahrzeug ohne Sirene und Blaulicht an Kollegen vorbei, bleibt das natürlich ohne Reaktion. Brutale Crashs auf der Autobahn haben ebenfalls keine Folgen, außer dass sich der Zustand des eigenen Wagens um ein paar Prozentpünktchen verschlechtert.

Du hast 'nen Schaden

Immerhin wird die Deformation der Boliden von der Grafikengine schön umgesetzt. Da hängen Autoteile herab, fliegen einzelne Splitter vom Fahrzeug weg, und treibt man es zu weit, gehen die Kisten sogar in Flammen auf. Auf das Fahrverhalten hat die Zerstörung hingegen keine Auswirkung.

Alarm für Cobra 11: Crash Time - Voll auf die Elf: Dieses Spiel sollte man lieber auf der Autobahn aussetzen.

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Wäre hier Onkel Jürgen mit seinem Bett vor Ort, könnten wir ihn dummerweise gar nicht sehen.
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So ordentlich also die Vehikel dargestellt sind, so sehr krankt die Präsentation der Umgebung: platte Bäume, unbelebte Städte und Felder, die bei Durchfahren von selbigen zu einem einzigen großen Clippingfehler mutieren. Einzig die randvollen Autobahnen wissen zu gefallen. Besonders schade erscheint die müde Darstellung, da man immer wieder auf Gebäude trifft, die etwa durch spiegelnde Verglasung durchaus ansprechend modelliert sind. So hat man immer das Gefühl, dass hier mehr drin gewesen wäre.

Gleiches gilt für die Vertonung: Gute Gitarrenmusik und ordentliche Sprecher treffen hier auf Dialoge, die an Bedeutungslosigkeit wohl nur von Porno- oder Splatterfilmdrehbüchern unterboten werden. Auch hier muss sich Entwickler Synetic den Vorwurf gefallen lassen, nicht genug Zeit für die Ausarbeitung der Handlung und der Textzeilen verwandt zu haben.

Wer nun als „Cobra 11“-Fan noch auf positive Worte hinsichtlich des Funktionsumfangs hofft, sollte beim Eintritt in die „Crash Time“-Welt eben jenen Wohlgemut fahren lassen, denn bis auf Zeitfahren alleine oder im Splitscreenmodus auf den freigespielten Abschnitten bietet der Lizenztitel nicht mehr als die angesprochenen Kriminalfälle.