Das Böse in „Alan Wake“ hat keinen Namen, nicht einmal eine Gestalt. Es scheint eine alles durchdringende Schwärze zu sein, die sich wie Nebelschwaden aus den Schatten schält und in zombieähnlichen Kreaturen manifestiert. Die „Dark Presence“, wie sie lediglich genannt wird, ist denn auch nur mit ungewöhnlichen Methoden zu bekämpfen: mit Licht.
Erst wenn Alan seine Gegner dem hellen Schein seiner Taschenlampe aussetzt, werden die Feinde anfällig für konventionelle Schadenmacher wie Pistole oder Schrotflinte. Auch Blendgranaten oder gar Autoscheinwerfer fungieren da als tödliche Waffen, und das Spotlight einer Rockbühne wird dergestalt zum Pendant eines stationären Maschinengewehrs.
Die Ausgeburten der dunklen Präsenz sind nur mit Licht zu besiegen.Was für „Max Payne“ die Bullet Time sei für „Alan Wake“ die Entdeckung des Lichts als Spielelement, bewerben die Entwickler ihr Feature mit stolzgeschwellter Brust – eine Idee, die die Atmosphäre zweifellos unterstützt und intelligent mit dem Spieldesign verwebt. Revolutionär ist sie jedoch nicht. Denn ob Sniper oder Taschenlampe – der Unterschied ist mehr behauptet denn grundlegend… Selbst das „Nachladen“ verläuft ähnlich, nur eben mit Batterien statt mit Munition. Gegner alt aussehen lassen beide auf dieselbe Weise…
Alt sieht „Alan Wake“ vor allem grafisch aus. Die lange Entwicklungsdauer ist dem Titel deutlich anzumerken: Eckige Autoreifen und ein kantiger Türknauf, grob aufgelöste Texturen und starre Gesichtsmimik lehren zeitgemäß verwöhnte Spieler beinahe schon mehr das Grausen als die dunkle Präsenz.
Aus der Distanz ist die Grafik phänomenal.Schade, wenn man dagegen sieht, wie beispiellos atmosphärisch die Welt aus ein wenig Abstand betrachtet ihre Wirkung entfaltet: Wenn die hohen Nadelbäume ihre Silhouetten vor dem fahlen Mondlicht abzeichnen und der silbrig glänzende Nebel geisterhafte Erscheinungen dazwischen wach ruft, wenn Leuchtgranaten mit ihrem tödlichen Schein die Finsternis durchschneiden wie einen pulsierenden, lebendigen Körper und die sagenhafte Weitsicht Bilder auf den Monitor zaubert, die man augenblicklich als Postkarten verschicken möchte, weiß man: Wäre „Alan Wake“ ein Wein, hätte er das Zeug zu einem meisterlichen Jahrgang gehabt, ist aber mittlerweile vielleicht zum Essig umgekippt…
von Microsoft Game Studios, Remedy EntertainmentGenre: Action, Third PersonXBox 360: 14.5.2010
Max Payne 3PS3, XBox 360: 18.5.2012
Risen 2: Dark WatersPC: 27.4.2012
Tom Clancy's Ghost Recon Future SoldierPS3, XBox 360: 24.5.2012
Kingdoms of Amalur: Reckoning
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