Kurz nachdem Google sich das Video-Portal YouTube letztes Jahr für ca. 1,6 Milliarden Euro einverleibt hatte, trat die Musikindustrie auf den Plan. Die Videos enthielten teilweise Copyright-geschütztes Material, so der Vorwurf. Und das stimmt: Viele Videos sind mit kommerzieller Musik unterlegt - streng genommen ein Fall für die Gerichte.

Um weiterem Ärger aus dem Weg zu gehen schloss man bei Google mehrere Vereinbarungen mit großen Plattenfirmen ab und versicherte gleichtzeitig, bis Ende des Jahres werde ein System im Einsatz sein, das problematische Videos autoamtisch herausfiltern könne. Davon ist bislang aber noch nichts zu sehen, auch wenn YouTube darauf beharrt, das System würde bereits eingesetzt.

Schafft es YouTube nicht, die geforderten Filter in Kürze fertig zu stellen bzw. zur Zufriedenheit der Musikindustrie zu aktivieren, stünden die Zeichen eigentlich auf Sturm, die logische Konsequenz wäre ein Prozess. Den die Musikindustrie aller Vorraussicht nach gewinnen würde. Allerdings - und das ist YouTube größter Trumpf - sind die Musikgiganten Sony BMG und die Warner Music Group an dem Unternehmen beteiligt. Nahezu unbemerkt hatten sich die zwei Firmen im Oktober 2006 im Rahmen eines größeren Abkommens ein Stück vom großen YouTube-Kuchen gesichert. Angeblich sollen diese Vereinbarungen Sony und Warner 50 Millionen Dollar einbringen. Da fällt es schwer zu glauben, dass YouTube ein Prozess ins Haus steht. Vielleicht ein Grund dafür, dass der Copyright-Filter noch nicht implementiert wurde. Schließlich senkt er die Attraktivität des Portals erheblich - denn die unglaublichen Besucherzahlen hat YouTube bislang auch der (fast) nicht existenten Zensur zu verdanken.