Dass immer mehr Mädels Computer- und Videospiele als Hobby entdecken, lässt sich ganz einfach belegen. Nicht durch die vielen "Gamergirl-Interviews", selbstbeweihräuchernden Mädels auf Youtube oder gar Spielecharaktere cosplayende Girls, sondern durch immer mehr aufkeimende Debatten um Frauenfeindlichkeit und Diskriminierung sowohl in der Spieleszene, als auch in den Spielen selbst. Und ein ganz heißes Thema ist hierbei die neue Webserie Tropes VS Women in Video Games von und mit Anita Sarkeesian.

Aktuelles - Tropes VS Women in Video Games oder warum Shigeru Miyamoto ein Sexist sein soll

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Ihre Cellulite will sicher keine Frau haben
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Früher war alles ganz einfach. Videospiele waren nahezu ausschließlich eine Sache des männlichen Geschlechts. Daher blieb auch die Rollenverteilung ganz klassisch: Helden waren alles harte Männer mit kernigen Sprüchen und Frauen waren, wenn überhaupt vorhanden, hübsche, dralle Maiden, die es aus den Klauen böser Gestalten zu befreien galt.

Zwar gab es auch früher schon weibliche Heldinnen, doch trat beispielsweise Samus Aran immer in ihrem Kampfanzug auf, so dass es nicht ganz offensichtlich erschien, dass man einen weiblichen Charakter steuerte. Und wenn es dann doch eine richtig weibliche Heldin sein musste, wurde sie in den meisten Fällen den Ansprüchen und Erwartungen der männlichen Spielerschaft angepasst. Sprich: möglichst sexy und möglichst knapp bekleidet.

Es ist interessant, dass derlei Überlegungen bei männlichen Charakteren scheinbar kaum gemacht werden. Mario ist ein dicker, schnurbärtiger Klempner, Max Payne ist im dritten Teil ein abgehalfterter Säufer und Marcus Fenix gehört auch eher zum Mann Marke "Schläger". Man stelle sich Tomb Raider mit einer alten, faltigen Lara Croft vor, die ihren Rollator über die Klippe schiebt. Unmöglich. Stattdessen wird sie immer jünger.

Befänden wir uns noch in den 90ern oder gar 80ern, wäre das Ganze auch gar kein Problem. Kein Typ schreit in einer Männerrunde nach Prosecco. Doch mit der immer größer werdenden Zahl an weiblichen Spielern steigt auch die Anzahl derer, die sich über diese, im Grunde tatsächlich archaische Grundeinstellung vieler Spiele und der gesamten Spielegemeinschaft mokieren.

Dem aufmerksamen Leser wird sicher bereits aufgefallen sein, dass auch auf gamona in letzter Zeit immer mal wieder News auftauchen, in denen es um Diskriminierung von Frauen in Onlinespielen und den Sorgen der Publisher geht, dass sich Spiele mit Frauen auf den Covern, schlechter verkaufen würden. Der umjubelte Spieleentwickler Irrational Games schoss gar den Vogel ab, indem sein Design Director Bill Gardner offen zugab, dass sie das Design von Elizabeths Kleid in Bioshock Infinite so veränderten, dass sie damit optisch ansprechender wirke.

Erschreckend ist hierbei nicht, dass sie jetzt einen tieferen Ausschnitt trägt, sondern eher die Selbstverständlichkeit, mit der Bill Gardner diese Entscheidung begründet (O-Ton: "Und ich dachte, 'ein Spieler wird sich das ansehen und sich denken, warum zum Teufel würde ich mit ihr abhängen wollen?' Sie war überhaupt nicht attraktiv."). Eine Begründung, die an Selbstzweck kaum mehr zu überbieten ist. Verständlich also, dass Frauen bei solchen Aussagen auf die, aus Bügelbrettern gebauten Barrikaden steigen.

Wie selbstverständlich manche Spieler wiederum diese Rollenverteilung und Abziehbilder akzeptieren, zeigte sich wiederum an manchen Kommentaren unter den News. So schrieb ein anonymer Leser, "Wird Gamona seit neustem von Alice Schwarzer gesponsert? Seit Tagen sieht man hier dauernd schwachsinnig-feministische Artikel."

Alice Schwarzer hat hier zwar noch nicht das Ruder übernommen, aber bei dieser offensichtlichen Diskrepanz ist es kein Wunder, dass sich irgendwann eine beinharte Feministin des Themas annehmen würde. Vorhang auf für Anita Sarkeesian.

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Sarkeesian ist eine kanadische Bloggerin (Feminist Frequency) armenischer Herkunft, die Medienkritik auf feministische Weise betreibt. Sie machte ihren Masterabschluss in Politik- und Sozialwissenschaften an der York-Universität in Toronto. Der Titel ihrer Thesis lautet I'll Make a Man Out of You: Strong Women in Science Fiction and Fantasy Television.

Weltweite Aufmerksamkeit erlangte sie 2012 durch ihre Kickstarter-Kampagne Tropes VS Women in Video Games, in der sie um eine Finanzspritze von rund 6000 Dollar bat, um eine fünfteilige Webserie produzieren zu können, in der sie fünf geläufige und wiederkehrende Stereotypen weiblicher Charaktere in Videospielen untersucht. Die Kampagne wurde ein voller Erfolg und Sarkeesian strich satte 158.922 Dollar ein. Aus diesem Grund erweiterte sie die Serie auch um sieben Episoden, in denen sie weitere Typen wie "Man with Boobs" oder "Mrs. Male Character" behandeln wird.

Die Kickstarter-Kampagne war zwar ein toller Erfolg für sie, aber kaum war das Projekt finanziert, hörte man monatelang nichts mehr von ihr. Zwischen dem Update bezüglich ihres Projektes am 1. August 2012 und dem nächsten Eintrag auf Feminist Frequency am 3. November liegen drei Monate, in denen sie keine Updates mehr anbot. Verständlich, dass Stimmen laut wurden, die sich nach dem Verbleib des Projektes und erst Recht des Geldes erkundigten. Es wurde gar befürchtet, Sarkeesian hätte sich mit dem Geld abgesetzt. Etwa um ihren feministischen Ruhestand zu genießen?

Das Bild, welches sie am 1. August auf ihrem Blog postete und welches auch hier zu sehen ist, zeigte jedenfalls, dass sie das Geld dazu nutzte, sich Anschauungsmaterial in Form von Spielen für ihre Recherchen zu kaufen. Inwiefern Spiele wie Killzone 3 oder Starhawk dabei helfen sollten, bleibt schleierhaft. Hat hier jemand etwa auch ihren Spieltrieb befriedigt? Schließlich bezeichnet sich Sarkeesian auch als passionierte Zockerin seit Kindesbeinen an.

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Auf was für einen Nerv sie mit ihrer Webserie allerdings traf, zeigte sich im zahlreichen Feedback direkt aus der Spielergemeinschaft, die sich offensichtlich auf den Schlips getreten fühlte und ihre zahlreichen Youtube-Videos mit Beleidigungen und Morddrohungen überfluteten, so dass sie die Kommentarfunktion deaktivieren musste. Nebenbei bemerkt, lässt sich nun natürlich auch keine Kritik mehr üben.

Ausserdem wurde Sarkeesians Projekt bei den Vidya Gaem Awards 2013 als "größtes Verbrechen gegen Videospiele" mit dem "Kotick-Award" ausgezeichnet und "gewann" damit sogar noch vor EA und Activision.

Bendilin Spurr kreierte sogar ein Flash-Spiel mit dem Titel Beat Up Anita Sarkeesian. Und der Titel ist Programm. Seine Begründung: "Anita Sarkeesian hat nicht nur tausende von Leuten um über 160.000 Dollar betrogen, sondern auch die Ausrede, dass sie eine Frau sei, dazu benutzt, um mit allem, was sie will, davonzukommen. Jede Form von konstruktiver Kritik, selbst von Frauen, wird entweder ignoriert oder als sexistisch bezeichnet. Sie behauptet, sie wolle die Gleichberechtigung in Videospielen, aber in Wahrheit benutzt sie nur die Tatsache, dass sie mit einer Vagina geboren wurde, um Geld und Symphatie von jedem, der ihren Weg kreuzt, einzufordern."

Das Spiel wurde schlussendlich innerhalb kürzester Zeit wieder von Newsgrounds, der Seite auf der man es spielen konnte, gelöscht.

Nach knapp acht Monaten ist nun endlich die erste Episode von Tropes VS Women in Video Games: Damsel in Distress (Jungfrau in der Not) veröffentlicht worden. Und auch wenn Sarkeesian darin einige gute Ansätze hat und plausibel klingt, so spricht sie das in der Tat existierende Problem mangelnder weiblicher Heldinnen an, die zugunsten einer kommerziellen Ausrichtung durch männliche Helden ersetzt werden, muss man doch anmerken, dass sie ihre Argumentation zu stark feministisch anlegt. Vieles wirkt einfach zu sehr an den Haaren herbeigezogen, um mit aller Gewalt auf die sexistische Schiene gehievt zu werden, wobei geschichtliche und kulturelle Bezüge zwar genannt, aber völlig ausser Acht gelassen oder aus dem Zusammenhang gerissen werden. So bezieht sie sich die meiste Zeit über nur auf Spiele aus den 80ern, eine Zeit, in der Spiele, wie eingangs erwähnt, lediglich männliche Kinder und Teenager von 10-16 Jahren als Zielgruppe hatten. Ganz zu schweigen von den anderen Beispielen, die bis ins Mittelalter reichen. Wie es da um die Gleichberechtigung stand, wissen doch selbst die größten Patriarchen.

Überhaupt hat man den Eindruck, dass Sarkeesian weniger einen Blick auf weibliche Stereotypen wirft, sondern mehr eine persönliche Fehde führt. Warum kommt kein einziger Entwickler zu Wort? Warum gibt sie den Machern nicht die Gelegenheit, sich zu erklären? Ihren Ausführungen nach, muss Shigeru Miyamoto von Nintendo ja ein Ewiggestriger sein, der am liebsten Frauen unterdrückt. So gibt sie im Grunde nur ihre eigene Meinung wieder, statt eine echte Studie zu liefern.

Zudem muss man sich doch ernsthaft fragen, wohin das ganze Geld verschwunden ist. Denn vergleicht man diese erste Episode der 12-teiligen Serie mit anderen Videos von Sarkeesian, fällt einem auf, dass Garnichts auffällt. Es gibt keine sichtbare Steigerung in der Produktionsqualität. Kein aufwendiges Intro. Nichts. Immer noch sitzt Sarkeesian vor einem schlichten Hintergrund und spricht direkt zum Zuschauer. Da sie solche Videos auch schon vorher ohne Kickstarter-Finanzierung hinbekam, stellt sich hier die berechtigte Frage, wohin das ganze Geld geflossen ist. Man kann nur hoffen, dass die Fortsetzung der Serie zeigen wird, dass die Finanzierung ausschließlich für die Produktion von Tropes VS Women in Video Games ver(sch)wendet wurde und Sarkeesian auch andere Stimmen zulässt.

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Im Anschluss noch eine gute Videoantwort auf Sarkeesians erste Episode.

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