Sammler von Video- und Computerspiele gibt es da draussen eine Menge. Ihnen ist es nicht genug, eine digitale Liste bei Steam vorzeigen zu können, sie wollen etwas ausstellen, im heimischen Regal. Je exklusiver, desto besser. Stinknormale Limited Editions heutiger Spiele, die alles andere als limitiert sind, fallen da durch das Raster. Ihr dachtet, diese Sammler seien leidenschaftlich? Dann habt ihr noch nicht die Bekanntschaft eines Spieleautomaten-Sammlers gemacht. Richtig, es gibt tatsächlich Leute, die diese, im Schnitt zwischen 130-200 Kg schweren Geräte sammeln, automatenweise. Und um die geht es im Dokumentarfilm "The Space Invaders: In Search of Lost Time".

Aktuelles - The Space Invaders, Doku über Spielhallen-Automaten-Sammler

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John Jacobsons Sammlung von über 30 Automaten
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Selbst in den Augen deutscher Spieler jenseits der 30 dürfte das eher ein Kuriosum darstellen, hat es diese Spielhallen-Kultur ähnlich in den USA und erst Recht in Japan so in Deutschland doch nie gegeben. Hierzulande waren und sind sogenannte Spielstätten erst ab 18 betretbar.

Anders in den USA, wo sich in den 80er-Jahren ein regelrechter Arcade-Boom entwickelte und Spielhallen, nicht zu verwechseln mit Spielcasinos, eher von Kindern und Jugendlichen besucht wurden. Den ersten Erfolg erzielte Norman Bushnell, legendärer Chef von Atari mit dem Automaten Pong. Nachdem er 1972 einen Prototypen in einer Bar aufstellte, kam es nach knapp zwei Wochen zu Beschwerden, die Maschine würde nicht mehr richtig funktionieren. Nach einer Inspektion stellte sich heraus, dass der Automat schlicht von Münzen verstopft war.

So richtig begann die Ära der Spielhallen-Automaten dann Ende der 70er und erreichte ihren Höhepunkt zwischen 1980 und 1982 mit über 13.000 landesweiten Spielhallen und einem Umsatz von über 8 Milliarden Dollar (inflationsbereinigt: knapp 19 Milliarden). Egal ob Supermärkte, Restaurants oder Tankstellen, alle wollten etwas vom Erfolg abbekommen.

Mit dem Aufkommen von Heimkonsolen und der immer besseren Grafik deren Spiele, nahm auch das Interesse an Spielhallen immer weiter ab. Viele mussten daraufhin die Pforten schließen. Heute gibt es noch ca. 4.000 reine Spielhallen in den USA.

Doch für einige Kinder und Jugendliche der goldenen Ära der Spielhallen hat die Faszination für diese münzenschluckenden Automaten nie aufgehört. Ganz im Gegenteil, aus Spielern sind Sammler geworden, die ihr Hobby mit Leidenschaft ausüben und viel Geld und Zeit in die Suche und Pflege der Maschinen investieren. Dabei haben sie es nicht auf die neuen High-Tech-Maschinen aus Japan abgesehen, sondern auf die Retro-Automaten ihrer Kindheit.

Und um solche Sammler dreht sich der Dokumentarfilm "The Space Invaders: In Search of Lost Time" von Jeff Von Ward, der zuvor einige Jahre für Adobe gearbeitet hat. Zwei Jahre lang hat Von Ward drei Conventions für Retro-Spiele besucht, 24 Sammler interviewt und insgesamt 200 Stunden an Material für diese Dokumentation gefilmt. Jeder der Sammler präsentiert seine Sammlung und erzählt seine persönliche Geschichte dahinter.

Und unter den Sammlern sind echte Fans wie Deb und Tom Bazzano, deren heimische Spielhalle satte 72 Automaten umfasst oder Paul Dean, der die Weltrekorde bei den High Scores für Spy Hunter und Frenzy hält. Und auch Peter Hirschberg aus Germantown, Maryland, der die größte und berühmteste Heim-Spielhalle überhaupt besaß: Luna City. Oder auch Damon Claussen, der als Kind sogar mal in Starcade auftrat, einer Show, in der die Spieler gegeneinander um Preise spielten.

"The Space Invaders: In Search of Lost Time" ist ein Dokumentarfilm über eine Form der Videospiele, die heute so gut wie vergessen ist und doch die Spieleindustrie entscheidend mitgeprägt hat. Viele Genres und Spiele wurden in der Spielhalle geboren und setzten von dort ihren Siegeszug auf heimische Konsolen fort. Diese Doku ist aber auch ein Blick auf den Menschen vor dem Automaten, Spieler wie ihr, die ihrer Leidenschaft nachgehen und die vergangenen Tage noch einmal aufleben lassen wollen. Da reicht es nicht, eine beliebige Retro-Compilation über digitale Wege zu erwerben. Da muss schon ein 200 Kilo schwerer Automat ins Haus.

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Erhältlich ist "The Space Invaders: In Search of Lost Time" momentan über Amazon Instant Video.