Auch wenn in letzter Zeit kaum mehr darüber berichtet wurde, finden noch immer gefährliche Swattings statt. Nun hat ein anonymer Anrufer sich als Feuerwehrmann ausgegeben und die Teilnehmer eines Spiele-Meetings bewusst höchster Gefahr ausgesetzt.

Aktuelles - Swatting: Anonymer Anrufer setzt Videospielladen höchster Gefahr aus

alle Bilderstrecken
Weitere Bilder zuAktuelles
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/2Bild 8/91/9
eine angebliche Geiselnahme rief eine SWAT-Einheit auf den Plan (Bild von CBS 2 New York)
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und erneut ist es in den USA zu einem Swatting-Fall gekommen. Doch dieses Mal richtete sich das Ganze nicht etwa gegen einen einzelnen Live-Streamer oder Online-Spieler, sondern gegen die Betreiber des Videospielegeschäfts Digital Press Videogames in Clifton, New Jersey mitsamt den Teilnehmern des NAVA - North Atlantic Videogame Aficionados, ein Treffen für Spielebegeisterte, um sich auszutauschen und auch mit Spielen zu handeln.

Das Passaic County Sheriff's Office erhielt Samstagabend gegen 19 Uhr einen anonymen Anruf. Der Anrufer teilte ihnen mit, dass es im Digital Press Videogames zu einer Geiselnahme gekommen sei. Die Geiselnehmer seien mit Shotguns bewaffnet und einige der Geiseln seien auch bereits verwundet. Dass eine solche Situation sicherlich keinen einzelnen Officer mit Donut in der einen und Kaffee in der anderen Hand auf den Plan ruft, war dem Anrufer natürlich klar. Vorschriftsmässig und auf das Schlimmste gefasst schickte das Passaic County Sheriff's Office eine SWAT-Einheit und mehrere Verhandlungsführer los, während zusätzliche Verstärkung vom New Jersey State Police herbeieilte. Die Beamten umstellten sofort die gesamte Shopping-Meile, in der sich auch das Videospielegeschäft befindet und sperrten die Straßen.

"Alles schien normal zu laufen bis wir um acht Uhr abends bemerkten, dass sich die Polizei auf den Straßen außerhalb des Ladens sammelte", so Digital Press' Frankie Viturello zu Kotaku. "Wir nahmen an, dass in einem der anderen Geschäfte ein bewaffneter Konflikt vor sich gehen müsste, also teilten wir den Anwesenden mit, sich vom Eingang fernzuhalten und sich bei Möglichkeit in den Keller zu begeben."

Ungefähr eine Stunde später erhielt das Geschäft einen anonymen Anruf. Die Person gab sich als Repräsentant der Feuerwehr von Clifton aus und teilte einer Mitarbeiterin mit, sie solle die Jalousien der Frontfenster schließen. Verdächtig wurde es, als der Anrufer die Mitarbeiterin dazu bringen wollte, rauszugehen und etwas wie "Verschwindet! Jemand hat eine Waffe!" zu schreien. Joe Santulli, der Besitzer des Ladens beendete daraufhin den Anruf und rief stattdessen die Polizei an, um herauszufinden, was los sei.

Als die Situation aufgeklärt wurde, kam die SWAT-Einheit in das Geschäft und führte jede einzelne Person in Handschellen hinaus. Als sich herausstellte, dass es sich bei der Sache nur um einen sehr, sehr üblen Scherz in Form eines Swattings handelte, wurden alle wieder freigelassen. Die Polizei sucht derzeit noch immer nach dem oder den Tätern.

Im Gegensatz zu bisherigen Swattings hat man hier den Eindruck, dass es dem Täter nicht allein darum ging, jemandem einen üblen Scherz zu spielen. Die Person rief bewusst ein zweites Mal direkt im Laden an, um Panik heraufzubeschwören. Im Wissen darüber, dass die Polizei durch die geschlossenen Fenster nicht sehen könne, was drinnen vor sich gehe, den Laden aufgrund akuter Gefahr stürmen und womöglich in der Panik durch mehrere Anwesende Schüsse abgeben würde. Die Person wollte bewusst eine tödliche Spirale heraufbeschwören. Hier ist definitiv Schluss mit einem Scherz. Das war der Versuch, eine Tragödie zu verursachen. Man kann nur hoffen, dass der Täter gefasst wird. Es sollte jedem klar sein, dass die Polizei vor allem in den USA nicht davor zurückschreckt, ihre Waffen zu benutzen. Eine Verkettung von Ereignissen kann ausreichen, ein Menschenleben zu beenden.

Für das Digital Press Videogames und die Teilnehmer der NAVA lief die Sache glimpflich ab. Das Meeting konnte nach Abzug der Beamten sofort fortgesetzt werden. Einige Beamte blieben sogar vor Ort. Vielleicht, um sicherzugehen. Laut Viturello zeigten sie aber auch großes Interesse an Atari- und NES-Merchandising.