Die Rentner entdecken das Zocken. Oder vielmehr: Die Medien entdecken die zockenden Rentner. Nach heise, SPIEGEL Online und anderen großen Portalen haben es die Aushängeschilder der zockenden 50+ Generation nun auch ins Fernsehen geschafft.

Immer wieder fallen die Namen Barbara St. Hilaire und Helge Tantzscher. Tantzscher, 65 Jahre alt, studierter Diplom-Soziologe und die "Oma Hardcore" (so der Spitzname der zockenden Großmutter Barbara St. Hilaire) daddeln täglich bis zu zehn Stunden an Konsole oder Computer. Und haben mächtig Spaß daran. Schon lange schlägt keiner der Enkel von St. Hilaire mehr ihre Oma in deren Lieblingsgenre: Ego-Shooter. Auch der Berliner Tantzscher ballert sich mit Vorliebe durch die Level von Action-Titeln wie Resident Evil 4. Neun mal hat er den aktuellen Teil der Resident-Evil-Reihe schon durchgespielt. Sicher wesentlich öfter als die meisten Zocker "normalen" Alters.

"Oma Hardcore" Barbara St. Hilaire
Von der Diskussion um überzogene Gewaltdarstellung, Zensur und Indizierung halten beide das gleiche: nämlich nichts. Den in Deutschland verboteten Titel "Manhunt" hat Opa Tantzscher sich in Österrreich besorgt. O-Ton: ""Manchmal amüsiert mich das sogar wenn ich gut treffe und dann so ein Kopf explodiert." Er will sich nicht vorschreiben lassen, was er spielen darf und was nicht. Wir können seinen Standpunkt von Herzen nachvollziehen.

Die Spieleindustrie sollte gewarnt sein: In Amerika spielen laut einer Studie bereits 19% der über 50-jährigen regelmäßig am PC. Auch in Deutschland sind bereits 8% der Gamer älter als 40 Jahre. Zeit also, sich über die Zielgruppen der kommenden Spiele intensiv Gedanken zu machen.

All das ist eine höchst interessante Entwicklung, die sich in den nächsten Jahren immer mehr verstärken wird. Denn all die Jugendlichen, die heute mit PC- und Konsolenspielen aufwachsen, werden potentiell ihr Leben lang spielen. Und damit die Käuferschicht zukünftiger Titel enorm vergrößern. Eines ist jedenfalls sicher: Erwachsene Zocker wollen sich nicht vorschreiben lassen, was sie Spielen dürfen. Und sie wollen Spiele mit Tiefgang und Atmosphäre, keine oberflächliche Ballerei oder sinnfreies Herumgeklicke. Ein klarer Auftrag an Spieleentwickler und "Jugendschützer"!

Wen die zockenden Rentner näher interessieren, der sollte sich auf jeden Fall den Artikel bei SPIEGEL Online zu Gemüte führen.