Nintendo scheint der Nahezu-Flop ihres Flaggschiffs Wii U in ziemliche finanzielle Schwierigkeiten zu bringen. Oder war das Unternehmen dieses Mal nur wieder wegweisend in der Erschließung neuer Einnahmequellen? Denn Nintendo nutzt nun sogenannte 'Let's Play'-Videos von Youtube-Nutzern, die Nintendo-eigene Spiele spielen, dazu, um Geld zu verdienen. Dass die Nutzer, die solche Videos erstellen, nichts vom Kuchen abbekommen, ist natürlich klar.

Aktuelles - Nintendo nutzt 'Let's Play'-Videos von Youtube-Nutzern, um Geld zu verdienen

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Ob Nintendo damit Fans abschreckt?
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So berichtete Youtube-Nutzer Zack Scott, der momentan Luigi's Mansion 2 auf dem 3DS spielt und als 'Let's Play'-Video auf Youtube hochlädt, dass Nintendo mithilfe von Content ID Matches Anspruch gegenüber seinen Videos geltend gemacht hat.

Zuerst einmal sollte der Unterschied zwischen einem Content ID Match und einem Copyright Strike erklärt werden. Bei Coypright Strikes hat ein Rechteinhaber Youtube auf die Verletzung seiner Coyright-Rechte hingewiesen, woraufhin Youtube das betroffene Video entfernt. Wenn ein Kanal oder ein Nutzer drei solcher Copyright Strikes erhalten hat, wird der Nutzer entfernt und alle seine Videos gelöscht.

Bei einem Content ID Match verhält sich die Situation etwas anders und weniger final für den Nutzer. Weist ein Rechteinhaber Youtube auf ein Content ID Match hin, so kann der Rechteinhaber bestimmen, dass das Video in bestimmten Regionen gesperrt werden soll oder dass es gar weltweit gesperrt wird. Er kann aber auch bestimmen, dass er mithilfe von eingeblendeter Werbung mit dem Video Geld verdienen kann.

Und genau diese Möglichkeit scheint Nintendo nun für sich entdeckt zu haben. Die Krux bei der ganzen Sache ist aber folgende: die meisten Youtube-Nutzer, die 'Let's Play'-Videos auf Youtube hochladen, tun es meist mit dem Hintergrund, etwas damit zu verdienen. Bestes Beispiel aus Deutschland sind Gronkh und Sarazar oder auch CommanderKrieger. Stellt Nintendo nun Copyright-Ansprüche, so kann Nintendo zwar mit den Videos Geld verdienen, der eigentliche Nutzer, der die Videos erstellt und hochgeladen hat aber nicht mehr. Damit entfällt über kurz oder lang allerdings der Hauptreiz für diese Youtuber überhaupt noch ein Nintendospiel als 'Let's Play'-Video aufzubereiten. Folge: Nintendo kann auch nichts mehr daran verdienen.

Zack Scott verfasste daraufhin über Facebook einen offenen Brief an Nintendo, in dem er seinen Unmut über diesen Vorgang kundtut. Als großer Nintendo-Fan, der seit der NES-Ära dabei sei, empfinde er dieses Vorgehen und eigentlich auch Ausnutzen der Let's-Players als eine rückwärtige Aktion, da sie durch die Content ID Matches von Nintendo womöglich auch den Zugang zu einigen Youtube-Features verlieren könnten. 'Let's Play'-Videos seien individuelle Erlebnisse, die man nicht wie einen Film bewerten könne. So sei er nun gezwungen, von weiteren Videos mit Nintendo-eigenen Inhalten bis auf weiteres abzusehen.

Auch andere Let's-Player wurden bereits von ihrer Einnahme-Möglichkeit durch Content ID Matches von Nintendo geblockt, was für erboste Nutzer sorgte, die über Twitter losschimpften. So schrieb theRadBrad, "Ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich keine Nintendo-Spiele in naher Zukunft mehr ausprobieren werde. Die 'Content ID'-Ansprüche werden eine Menge großer Nintendo-Let's-Play-Kanäle abschütteln."
Und Twitter-Nutzer James schrieb, "Wow, lächerlicher Zug von Nintendo, hinter YT-Content-Macher her zu sein, indem man sie mit Content-ID-Matches belegt. Dumm."

Mittlerweile hat sich auch Nintendo zu der ganzen Sache geäußert: "Als Teil unserer Bemühungen, sicherzustellen, dass Nintendo-Inhalte auf passende und sichere Weise über soziale Medienkanäle geteilt werden, sind wir ein Youtube-Partner geworden und als solcher haben wir im Februar 2013 unsere Copyright-Inhalte in der Youtube-Datenbank registrieren lassen. Das wird keine Auswirkungen auf die meisten Fan-Videos wie Bilder oder Audio in bestimmter Länge haben. Zu Beginn oder gegen Ende erscheinen in Zukunft Werbeeinblendungen bei den Clips. Wir wollen auch weiterhin, dass unsere Fans Nintendo-Inhalte auf Youtube teilen und das ist auch der Grund, warum wir, ganz im Gegensatz zu anderen Unterhaltungsunternehmen, uns bewusst dafür entschieden haben, die Leute nicht davon abzuhalten unser geistiges Eigentum zu verwenden."