Dass Frauen in der Spieleszene, vor allem im Bereich Multiplayer noch immer nicht wirklich ernst genommen werden und oft Opfer geschlechtsbezogener Beleidigungen werden, dürfte allgemeinhin bekannt sein. Da möchte man doch meinen, dass sich Anbieter solcher Online-Plattformen besonders darum kümmern, dass solche Vorkommnisse verstärkt geahndet werden. Nicht so bei Xbox Live. Da reagierte man erst auf einen Vorfall, als dieser publik wurde.

Aktuelles - Microsoft reagiert nicht auf Beschwerde über frauenfeindliche Attacken auf Xbox Live

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Laut einer Studie werden Frauen dreimal häufiger in Online-Spiele schikaniert als ihre männlichen Mitspieler. Dabei bezogen sich die Verfasser Jeff Kuznekoff und Lindsey M. Rose auch auf bekannte Blogs weiblicher Spielerinnen wie Jenny Haniver, die mit Not in the Kitchen Anymore auch einen eigenen Blog über solche Anfeindungen betreibt.

Und genau ihr ist das Ganze nun auch passiert. Ob sie angefeindet wurde, weil sie als bekannte Bloggerin unterwegs ist, oder tatsächlich weil sie eine Frau ist, sei mal dahingestellt.

Als sie sich am 26. Juli mit Call of Duty: Black Ops 2 auf Xbox Live befand, um eine Runde Multiplayer zu spielen, begann ein anonymer Spieler namens PHATDOG sie zu beleidigen.

Erst fragte er sie laufend, ob sie ihre Tage habe und bezeichnete sie als Lesbe und als fett (scheinbar das typische Frauenbild eines solchen Mannes), dann machte er Witze wie "Hey, wisst ihr warum Frauen keine Führerscheine haben sollten? Weil es keinen Highway zwischen dem Schlafzimmer und der Küche gibt." Dies könnte nun darauf hindeuten, dass er wusste, mit wem er es hier zu tun hatte. Andererseits ist die Küche wiederum der Ort, an dem solche Männer ihre Frauen am liebsten sehen.

Als sie ihn zurechtwies, schickte er ihr gar eine Sprach-Nachricht: "Ich werde dich mit Drillingen schwängern und dir eine sehr späte Abtreibung verpassen...Hahaha." Damit brachte er dann wohl das Faß zum überlaufen. Haniver reichte daraufhin über Xbox Live und auch über Treyarchs Report-System eine Beschwerde ein.

Eine Woche später war der betreffende Spieler allerdings immer noch aktiv, als Haniver sein Profil aufsuchte. Auf ihre Nachrichten über Xbox Support erhielt sie keine hilfreiche Antwort, außer, dass sie eine Beschwerde einreichen solle, was sie ja bereits getan hatte.

Als PHATDOG auch Anfang August noch aktiv war, kontaktierte sie Activision direkt. Dort nahm man sie zwar ernst, doch man teilte ihr auch gleichzeitig mit, dass die Bearbeitung schon mal Wochen in Anspruch nehmen könne, da sie viele Beschwerden zu bearbeiten hätten. Ein Service-Mitarbeiter riet ihr sogar, die Polizei zu kontaktieren.

Von Microsofts Seite kam jedoch weiterhin keine Antwort und auch keine Hilfe. Erst als sie ihre Geschichte über ihren Blog veröffentlichte und bekannte Seiten die Story aufgriffen, handelte Microsoft und verbannte den Spieler. Haniver erhielt sogar eine Email von einem Mitglied des 'Customer Advocacy and Exceptions Management'-Teams, das mit ihr über den Vorfall sprechen wolle.

Sie sei sich durchaus bewusst darüber, dass eine Plattform wie Xbox Live eine ungemein hohe Anzahl an Beschwerden zu bearbeiten habe, aber sie hoffe einfach darauf, dass ernste Angelegenheiten wie Beleidigungen und Anfeindungen, die nicht nur sie erleben muss, in Zukunft zeitnah bearbeitet werden. Zudem hoffe sie darauf, dass sie in Zukunft wenigstens eine Benachrichtigung darüber erhält, dass man die nötigen Schritte eingeleitet habe, wenn sie eine Beschwerde einreicht, statt nur eine lapidare Antwort, man könne keine Kommentare zum spezifischen Fall abgeben.

Doch ihre Enttäuschung über die fehlende Unterstützung kann Haniver nicht verbergen. So teilte sie Kotaku mit: "Kurz gesagt, ihr Kundendienst ist in dieser Hinsicht ziemlich scheiße. Ich spiele nun schon seit bald sechs Jahren auf Xbox Live, und ich bin es leid, das Gefühl zu haben, dass legitime Beschwerden, die ich einreiche, im Grunde recht nutzlos scheinen."

Hattet ihr schon mit ähnlichen, wenn auch nicht unbedingt frauenfeindlichen Fällen auf welcher Plattform auch immer zu tun?