Ein Schock geht durch die Reihen von Anonymous. Im Laufe der letzten Woche wurden über 25 Mitglieder der Lulzsec-Gruppe, welche sich Anonymous angeschlossen hatte, festgenommen. Maßgebliche Hinweise zu diesen Festnahmen kamen vom ehemaligen Kopf der Lulzsec-Gruppe „Sabu“. Dieser hatte offenbar mit dem FBI zusammengearbeitet und seine Mitstreiter verraten.

Die auf den Anon-IRC-Servern vertretenen Chatter zeigten eindeutig gemischte Gefühle. Die einen konnte nicht glauben, dass sie verraten worden sein sollen, und verneinten schlicht die Möglichkeit. Andere waren außer sich vor Wut und verstiegen sich in Hass- und Schimpftiraden auf Hector Xavier Monsegur, welches der reale Name von „Sabu“ ist. Antisec, der militante und recht aggressive Zweig der Anonymous-Gruppe beschrieb sich selbst als „verwüstet“. Die Neuigkeit war ein Schock für alle Beteiligten.

Verschiedene Chatter auf dem Anon-Server gaben ihre Kommentare zu den Festnahmen ab: „Meiner Meinung nach war Sabu ein großartiger Kerl. Ich bin heute morgen aufgewacht und bekam die Nachricht, dass es zu Festnahmen kam. Das hat mich wie eine emotionale Ohrfeige getroffen.“

Andere behaupteten, dass sie schon wussten, warum sie aus der Antisec-Bewegung herausgeworfen wurden - sie behaupteten, dass Sabu sie vor den Ermittlern beschützen wollte.

„Ich hätte ohne ihn, der sich die Zeit genommen hat, mir ein paar wirklich professionelle Tipps zu geben, niemals so viel gelernt. Er hat mir gezeigt, dass es absolut keine Grenzen für das gibt, was man erreichen kann, wenn man es nur richtig anstellt.“

In dem Zeitraum nach seiner Verhaftung, die ohne großes öffentliches Aufsehen stattfand, konnte auch eine Veränderung in Sabus Verhalten festgestellt werden. Er wurde immer distanzierter und zeigte ein eher wenig anonymes Verlangen nach Ruhm, was ihm nicht wenig Kritik einbrachte.

„Ab einem bestimmten Moment ging alles einfach nur in die Richtung er-er-er. Und er schickte ein paar ziemlich kryptische Meldungen, wie es denn alles für Anonymous war und so weiter, und so fort. Aber ab einem bestimmten Punkt habe ich aufgehört, ihm das abzukaufen. Ich denke, eine Menge Leute, hörten damit auf.“

Ein paar andere Anonymous-User berichteten, dass Monsegur immer interessierter an einer viel breiteren Reichweite von Operationen wurde. Inklusive denen, an denen er vorher gar nicht beteiligt war. Trotzdem: Obwohl er die Gruppe verraten hat und sich sehr veränderte, sind viele Mitglieder nicht bereit, ihn deswegen zu verdammen, nachdem sie von den Verhaftungen der AntiSec-Mitglieder gehört hatten.

„Es waren entweder 124 Jahre für Sabu oder 10 Jahre für jeden von den anderen. Ich verstehe, warum er es tat, aber er er schädigte das Kollektiv mit seinen eigenen Problemen. Und Anonymous ist nicht jemandens persönliche Armee, noch ist es AntiSec."

Allein die Möglichkeit, dass Sabu für über 124 Jahre ins Gefängnis wandern könnte, traf die Anon-Gruppe wie ein Schlag, da es eine deutlich überproportionale Strafe für die Taten wäre, die sie begangen haben. Die Informationen, die Monsegur zur Verfügung stellte, führten zu den Festnammen von Ryan Ackroyd und Jake Davis, die bereits vorher für einen Hackerangriff im letzten Frühjahr belangt worden waren. Außerdem wurden mit Hilfe seiner Informationen Darran Martyn und Donncha O‘Cearrbhail festgenommen werden, die mit mit Lulzsec in Verbindung stehen sowie Jeremy Hammond, der zu Antisec gehören soll. Hammond wird beschuldigt, den Angriff auf Stratfor durchgeführt zu haben, der dazu führte, dass eine Menge der internen E-Mails von des Unternehmens letzte Woche bei Wikileaks veröffentlicht wurden.

Hammond ist dabei kein Unbekannter. Er war nicht nur schon mein Mal in Konflikt mit dem Gesetz gekommen, er hatte auch einen Vortrag auf der der Defcon über zivilen Ungehorsam gehalten und landete auf der Titelseite des Chicago Magazine.

Am selben Tag, an dem die Festnahmen stattfanden, wurde das Schuldgeständnis von Monsegur veröffentlicht, das 12 Punkte enthält, unter anderem Verschwörung um Computerangriffe zu begehen und Verschwörung um Bankbetrug zu begehen. Ob es einen Deal gibt, der zu der Kooperation zwischen dem Lulzsec-Boss und den Behörden führte, ist nicht bekannt.

Es wird von den Anonymous-Mitgliedern ausgegangen, dass die Menge an Informationen, die Monsegur und Hammond hatten, ziemlich beeidruckend gewesen sein soll. Da das FBI nun all diese Informationen hat, sollte nun aber trotzdem alles beim Alten bleiben, sofern die Mitglieder Maßnahmen ergriffen hätten, um wirklich anonym zu bleiben.

Je nachdem, wie man Anonymous sieht, haben die Festnahmen unterschiedliche Auswirkungen auf die Gruppe. Der Teil, der sich mit virtuellen Angriffen beschäftigt, dürfte schwerer davon getroffen worden sein als andere. Die meisten Gruppen sind davon eher unberührt geblieben, so zum Beispiel die Aktivisten, die sich gegen SOPA in den USA oder ACTA in Europa organisiert haben. Die Freedom-Ops-Gruppe, die sich mit der Unterstützung der Proteste im Mittleren Osten beschäftigt, macht ebenfalls völlig unbekümmert weiter.

Dennoch - die Seite der Gesetzeshüter hat eine recht erfolgreiche Schlacht geschlagen. Der Schaden, den das Vertrauen innerhalb des Anonymous-Kollektivs genommen hat, dürfte kaum zu bemessen sein, auch wenn die Mitglieder das noch nicht wahr haben wollen.