Zu den ganzen Anfeindungen und dem Spott und Hohn, mit denen Autorin und Feministin Anita Sarkeesian aufgrund ihrer Webserie Tropes Vs Women in Video Games konfrontiert wird, kommen nun noch Künstler hinzu, die ihr die unerlaubte Nutzung ihrer Werke vorwerfen.

Aktuelles - Künstler beschuldigen Feminist Frequency der unerlaubten Nutzung ihrer Werke

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Stein des Anstoßes: Die Zeichnung der Princess Daphne aus Dragon's Lair (Bild von cowkitty.net)
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Anita Sarkeesian ist in der Spieleszene mittlerweile weithin bekannt, sorgte sie doch 2012 für gehörige Aufmerksamkeit, als ihre Kickstarter-Kampagne zur Finanzierung ihrer Webserie Tropes Vs Women in Video Games am Ende statt der angepeilten 6000 Dollar rund 158.922 Dollar einbrachte. Bereits nach der ersten Episode wurde ihr vorgeworfen, gängige Spieleszenarien als vermeintlich frauenfeindliche Mechaniken anzuprangern. Selbst Mario nannte sie da in jenem Zusammenhang und bezeichnete dessen Schöpfer Shigeru Miyamoto als Sexisten.

Doch nun sehen sich Anita Sarkeesian und ihre Webseite Feminist Frequency tatsächlichen Anschuldigungen gegenüber. So sollen sie Werke von Künstlern ohne ihre Erlaubnis verwendet haben.

Tamara "Cowkitty" Gray Smith aus Burbank, Kalifornien verfasste einen offenen Brief auf ihrer Webseite, in dem sie ihre Situation beschreibt. "Langer Rede kurzer Sinn: Du hast mein Werk gestohlen, es für kommerzielle Zwecke benutzt, und nicht einmal auf meine höflichen Fragen geantwortet", so Smith. Stein des Anstoßes sei eine Zeichnung von Princess Daphne aus Dragon's Lair, die Anita Sarkeesian zwecks ihrer Kickstarter-Kampagne für eine Collage verwendet hat.

Es gehe Smith auch nicht um den kommerziellen Faktor, denn ihre Zeichnung von Princess Daphne sei auch nur als Fanart ausgezeichnet aufgrund fehlender Copyright-Rechte, doch es sei der moralische und ethische Faktor, der sie sauer aufstoße. Sarkeesian habe "Princess Daphne gegoogled, mein Artwork von meiner eigenen Webseite heruntergeladen, den Hintergrund und die Signatur entfernt, es in ein Markenlogo eingebaut und dieses Werk auch weiterhin verwendet, nachdem sie über 150.000 Dollar über Kickstarter eintreiben konnte."

Auf ihre Emails antwortete niemand und ihrer Bitte um Entfernung ihrer Zeichnung kam auch niemand nach. Erst nach Bekanntwerden der Sache meldete sich Sarkeesian und behauptete, ihre Emails übersehen zu haben. Sarkeesian wies zudem darauf hin, dass die Verwendung von Smiths Werk nach § 107 des US-amerikanischen Copyright Acts als Fair Use kodifiziert und von daher legal sei, zumal Feminist Frequency ein Non-Profit-Unternehmen sei.

Daraufhin bat Smith um eine rechtliche Bestätigung, dass es sich bei Feminist Requency tatsächlich um eine Non-Profit-Organisation handelt, woraufhin allerdings keine Antwort erfolgte. Mehr noch: Sarkeesians Produzent Jonathan McIntosh verplapperte sich wahrscheinlich auf Twitter, als er folgendes schrieb:

"Eines der größten Missverständnisse über Fair Use ist der fälschliche Glaube, dass ein Remix (Wiederverwendung) strikt unkommerziell sein muss. Das ist falsch."

Auch hier fehlt bislang eine Aufklärung darüber, was McIntosh damit bezwecken wollte und ob Feminist Frequency nun ein Non-Profit-Unternehmen ist oder nicht. Das wäre dann auch eine Frage, die sicher das Finanzamt interessieren dürfte.

Nun hat sich zudem eine weitere Künstlerin gemeldet, die Sarkeesian ebenfalls vorwirft, ihr Werk ohne Erlaubnis verwendet zu haben. Heather L. "Dinobot" Shepard aus England, zur Zeit in Bangalore, Indien, teilte Destructoid mit, dass ihr Problem weniger die unerlaubte Nutzung der Werke anderer Künstler sei, sondern die Art, wie sich Sarkeesian mit der rechtlichen Grauzone des Fair Use aus der Affäre zu ziehen versucht.

Aktuelles - Künstler beschuldigen Feminist Frequency der unerlaubten Nutzung ihrer Werke

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Shepards Superclaire-Poster (Bild von redbubble.net)
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Da Fair Use eine US-Rechtslage sei, könne es nicht ohne Weiteres auf die Werke von Künstlern aus anderen Ländern angewandt werden. Shepard verweist auf den UK Copyright Service, der vorschreibt, wie die Sache gehandhabt wird. Erlaubt wird die Nutzung beispielsweise nur bei unkommerziellen Projekten. Hier ist also dringend Aufklärungsbedarf über die tatsächliche Ausgangslage von Feminist Frequency vonnöten.

Shepard wurde ungleich Smith sogar in den Credits erwähnt, die allerdings so schnell liefen, dass man sie im Prinzip gar nicht lesen kann. Auf ihre Bitte, ihr Werk zu entfernen, weigerte sich Sarkeesian und nannte sie stattdessen in der Beschreibung, allerdings verwies Sarkeesian auf eine uralte Seite Shepards, die sie nicht mehr nutzt [Absicht?]. In Shepards Fall handelt es sich um ein Poster zu Superclaire, das sie zur Feier von Spieledesigner Mike Bithells Erfolg mit Thomas Was Alone zeichnete.

Es dürfte interessant sein, wie sich die ganze Sache entwickelt und ob sich noch weitere Künstler zu Wort melden.