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Der reinste Murks: Ein Kommentar zum DRM-Skandal

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von Leo Schmidt, 09. März 2010 11:23 Uhr

DRM – manchmal sind es die kleinsten Abkürzungen, die den mit Abstand größten Ärger verursachen. Mit Maßnahmen des „Digital Rights Managements“ sollen die Nutzung und Verbreitung digitaler Medien kontrolliert werden. Dass „Kontrolle“ in diesem Fall auch soviel wie „Einschränkung“ oder gar „Verhinderung“ bedeuten könnte, haben die Spieler dieser Welt schon vor langer Zeit zu fürchten begonnen. Zu recht, wie sich nun zeigt – denn Ubisofts neuestes DRM-Verfahren „kontrolliert die Nutzung“ sogar so gut, dass nicht einmal die rechtmäßigen Käufer ihre teuer erkauften Produkte spielen können.

Denn der erwartete Riesenknall ist jetzt eingetreten: Die Ubisoft-Server sind inaktiv, Spiele können nicht gespielt werden. Die Gründe dafür sind bislang nicht gänzlich geklärt, aber die Idee, dass Ubisoft ein System entworfen hat, das funktionierende Onlineserver voraussetzt, diese aber nicht bieten kann, trieft vor so süßer Ironie, dass wir fast Diabetes kriegen. Ubisoft selbst, natürlich, schiebt es auf irgendwen, als wäre es irgendwie besser, wenn jemand von außen das narrensichere, wasserdichte System geknackt oder gehackt hätte.

Das weise Orakel des google-Autocompletes sagt: Die meisten Leute, die nach „DRM“ suchen, tippen gleich noch das Wort „entfernen“ hinterher. Und wer kann es ihnen verdenken? Als Ubisoft gegen Ende 2009 ankündigte, dass es eine neue Variante des Digital Rights Managements bei allen künftigen Titeln einsetzen würde, waren die Reaktionen noch verhalten. Als Anfang 2010 die Details zu dieser neuen Art des Kopier- und Benutzungsschutzes bekannt wurden, war der Aufschrei groß: Künftig müsse man zum Genuss sämtlicher Ubisoft-Spiele am Rechner permanent online sein und eine Verbindung zum Ubisoft-Server haben.

Screenshot zu: Der reinste Murks: Ein Kommentar zum DRM-SkandalSilent Hunter 5 sollte das erste Opfer des DRM werden, wenngleich nicht das am meisten beachtete.

Unweigerlich stellten sich der Community einige natürliche und sehr berechtigte Fragen: Was, wenn der Server ausfällt? Was, wenn mein Provider streikt? Was wird in 10 Jahren sein, wenn ich vielleicht aus Nostalgie mein altes Spiel noch mal zocken möchte? Und was machen die wenigen Unglücklichen, die aus dem einen oder anderen Grund keinen Zugang zum Internet haben? Alles kluge Fragen, auf die Ubisoft sogleich schmeichelnde Antworten parat hatte: es würde nicht passieren, man sei ja wer, man fände Lösungen etc pp.

Die ersten Titel dann, die mit dem neuen DRM ausgestattet werden sollten, waren das nicht ganz so heiß erwartete Silent Hunter 5, eine U-Bootsimulation, die erwartungsgemäß verbuggter war als ein durchschnittlicher Urwald, und die PC-Version von Assassin’s Creed II, das, sagen wir es vorsichtig, doch schon ein bisschen ungeduldiger ersehnt wurde.

Screenshot zu: Der reinste Murks: Ein Kommentar zum DRM-SkandalEzio ergeht es seit kurzem auch nicht gut.

Die Erklärung für diese radikalen neuen Maßnahmen war denkbar einfach, man wollte der Piraterie ein für alle mal einen Riegel vorschieben und, auch das gab man offen zu, die Menge der User, die ein und dasselbe Spiel im Laufe der Zeit nutzten, einschränken. Durch die Authentifizierung, die das neue DRM erforderte, und die sich immer weiter verbreitende Seuche des kostenpflichtigen DLCs, der einem häppchenweise neue Kleinigkeiten als vollwertige Inhalte verkauft (vor allem solche, die eigentlich schon im Release enthalten sein sollten), sollte zum Beispiel der Weiterverkauf und Secondhand-Markt eingeschränkt werden. Und „eingeschränkt“ ist hierbei Corporation-Speak für „ausgemerzt“.

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