Wenn es derzeit eine Hackergruppe gibt, die für Aufsehen sorgt, dann ist es Lizard Squad. Die DDoS-Attacken auf Xbox Live und PSN zu Weihnachten waren der letzte spektakuläre Auftritt der Gruppierung. In einem Interview erklärten einzelne Mitglieder nun, warum sie sowas machen.

Aktuelles - Hackergruppe Lizard Squad erklärt, warum sie XBox Live und PSN attackiert hat

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Die Hackergruppe Lizard Squad ist momentan in aller Munde
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Die infame Hackergruppe Lizard Squad ist in letzter Zeit vermehrt ins Licht der Gaming-Community gerückt. Die recht junge Hackergruppe brüstete sich immer wieder damit, die Server unterschiedlicher Spiele wie Call of Duty erfolgreich attackiert zu haben. Selbst Nordkoreas kurzzeitigen Internet-Ausfall soll nach eigener Aussage auf ihre Kappe gehen. Und auch dieses Mal will sie hinter den DDoS-Attacken bei Xbox Live und PSN gesteckt haben. Zwar konnte der begeisterte Gamer und Internet-Entrepreneur Kim Dotcom die Gruppe mit Premium-Accounts zu seinem Sharehosting-Denst MEGA davon überzeugen, die Attacken einzustellen, ihr Ziel hatte die Gruppe aber wohl schon längst erreicht. In mehreren Interviews sprachen einzelne Mitglieder von Lizard Squad über die Beweggründe hinter den Attacken.

Ziel war es wohl, sowohl Sony als auch Microsoft ihre eigene Inkompetenz vor Augen zu führen. "Microsoft und Sony sind verdammt behindert, buchstäbliche Affen hinter Computern", so ein Mitglied von Lizard Squad in einem Interview mit The Daily Dot. "Sie wären besser dran, wenn sie jemanden anheuern würden, der weiß, was er tut. So zum Beispiel, wenn sie durch Gefängnisse tingeln würden, um Leute einzustellen, die für Dinge wie das hier eingebuchtet wurden. Dann hätten sie weitaus bessere Karten im Verhindern solcher Attacken."

Ein weiteres Mitglied behauptet sogar, er wäre wesentlich besser prädestiniert für die Sicherheit bei Sony und Microsofts Online-Diensten. "Ich würde mehr Bandbreite kaufen, einiges an spezifischer Ausrüstung, und würde es auch korrekt konfigurieren. Alles dreht sich nur um Programmier-Fertigkeiten." Eine Attacke dieser Größenordnung [Lizard Squad spricht von 1,2 Terabits pro Sekunde] könne Millionen an Kosten verursachen, was seiner Meinung nach ein Klacks für Microsoft und Sony sei.

Auch zu Finest Squad, die Hackergruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Lizard Squad aufzuhalten, und angeblich die Identität mehrerer Lizard Squad-Mitglieder aufgedeckt haben will, hat sich ein Mitglied von Lizard Squad geäußert. Entweder sind die Identitäten auf der eigens dafür erstellten Webseite völlig falsch oder veraltet. In jedem Fall seien die Daten aber falsch, und Finest Squad lediglich eine Gruppe von Möchtegern-Hackern.

Auf die Frage von BBC Radio, ob sich die Gruppe nicht für ihre Taten schäme, Abertausenden Kindern und Jugendlichen Weihnachten verdorben zu haben, antwortete ein Mitglied, dass es ihnen egal sei. "Man fühlt, dass man die Macht hat, etwas zu machen, und vielleicht ändern sich die Unternehmen zum Guten?" Immerhin habe man die Unternehmen schon Monate im voraus gewarnt. Und wenn ihre Attacken dennoch solche Probleme verursachen, sei das nur ein Zeichen für die Unfähigkeit Microsoft und Sonys. Außerdem habe man die Dienste nicht komplett außer Kraft gesetzt. Zuvor drohte man noch damit, Microsofts Xbox Live für immer zu deaktivieren. Die Leute würden einen Tag ohne Online-Gaming schon überleben.

Doch was ist mit der Gefahr, erwischt zu werden? Schließlich ist es kein Kavaliersdelikt, dessen sie sich schuldig macht. "Es gibt die Wahrscheinlichkeit, dass ich erwischt werde", so ein Mitglied. "Aber ich persönlich mache mir da keine allzu große Sorgen, um ehrlich zu sein. Wenn ich erwischt werde, werde ich eben erwischt. Vielleicht muss ich dann ins Gefängnis, oder vielleicht muss ich dann anderen Unternehmen helfen. Dabei helfen, besser zu werden, schätze ich."

Aber die Mitglieder der Gruppe halten sich auch nicht für die besten Hacker der Welt. Tatsächlich gibt es Leute, die DDoS-Attacken auch nicht als etwas äußerst schwieriges erachten, dessen Ausführung besondere Kenntnisse voraussetzen würde. "Ich würde mich selbst nicht als Spitzen-Hacker bezeichnen. Ich kenne Leute, die wesentlich besser sind als ich. Aber in dem, was ich weiß, bin ich gut. Ich denke, es ist nur fair, zu sagen, dass ich auf meinem Gebiet gut bin, und diese Sache hier [DDoS-Attacken auf PSN und Xbox Live] beweist es, nicht!?"

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Kim Dotcoms Versuch, Lizard Squad zu bestechen, ging wohl daneben
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Was Kim Dotcoms Versuch angeht, die Gruppe zu bestechen, und mit 3000 Premium-Accounts zu seinem Hostsharing-Dienst MEGA dazu zu bringen, die Attacken auf Xbox Live und PSN einzustellen, da vermuteten viele bereits, dass Kim Dotcoms Absichten wohl darauf abzielten, sich mit dieser geschickten PR-Nummer als Retter in der Not zu profilieren. Das dachte sich wohl auch Lizard Squad. Denn die Attacken gingen kurz danach weiter. Dennoch konnte man bereits 300 der Premium-Accounts auf dem Schwarzmarkt zu je 50 Dollar veräußern, was der Gruppe satte 15.000 Dollar eingebracht haben könnte. Kim Dotcom wies aber auch darauf hin, dass bei einer Nichteinhaltung die Premium-Accounts deaktiviert würden. Sollte dem so sein, wären diese nun nutzlos.

Was hat Lizard Squad als nächstes vor? Momentan attackiert die Gruppe das Netzwerk Tor. Außerdem will man die Mainstream-Medien einnehmen. Aber wohl weniger über Attacken als über die Präsenz. Und mit Interviews bei BBC Radio und CNN sind die ersten Schritte in diese Richtung bereits getan.