Randy Pitchford, CEO von Gearbox Sofware, hat sich über Twitter in mehreren Tweets zum aktuell heiß diskutierten Gaming-Thema Games as a service geäußert und sich gegen die Ausbeutung der Gamer ausgesprochen.

Aktuelles - Gearbox-Chef Randy Pitchford: Lootboxen machen Gamer abhängig

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Gearbox Softwares Randy Pitchford wirbt für Games as a hobby
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Lootboxen und generell Mikrotransaktionen, für die sich ein Entwickler gut bezahlen lässt, stehen in der Kritik - vor allem in Multiplayer-Titeln. Denn dadurch entsteht schnell eine Pay-to-win-Situation. Wer nicht bereit ist, zusätzliches Geld zu investieren, sieht sich schnell im Nachteil gegenüber denen, die tief in die Tasche greifen, um die beste Ausrüstung zu erhalten. Aktuell wird genau das bei EA und DICEs Star Wars: Battlefront 2 befürchtet. Blizzard hat in Overwatch zwar auch Lootboxen integriert, die man für Geld kaufen kann, zieht sich allerdings aus der Affäre, indem darauf beharrt wird, dass die darin enthaltenen Gegenstände rein kosmetischer Natur seien und Käufer keinen spielerischen Vorteil daraus ziehen können.

Games as a service sorgt für Umsatzsteigerung

Games as a service - so bezeichnet die Videospieleindustrie das Modell, in dem selbst bei Vollpreistiteln nach der Veröffentlichung ständig neue Inhalte in Form von Mikrotransaktionen oder eben Lootboxen nachgereicht werden. Die Rechnung geht auf - zumindest für die Publisher: Eine Studie von Digital River hat ergeben, dass sich die Einnahmen in der Videospieleindustrie durch dieses Modell nahezu verdreifacht haben sollen. Rockstar Games' Grand Theft Auto Online hat demnach über eine Milliarde Dollar allein mit Mikrotransaktionen erwirtschaftet. Die Industrie reagiert bereits: Take 2 Interactive hat angekündigt, dass zukünftig ausnahmslos alle Spiele als Games as a service-Titel veröffentlicht werden. Das gilt also auch für Red Dead Redemption 2.

Randy Pitchford zeigt sich besorgt

Einer, der diese Entwicklung mit Sorge beobachtet, ist Gearbox Softwares CEO Randy Pitchford.

"Ich bin generell gegen räuberische Monetarisierungsmethoden in Free-to-play-Spielen für Gebrauchsgüter und erst recht gegen solche Methoden in Premium-Spielen", äußert sich Pitchford über den Trend zu Games as a service. "Ich bin gegen solche Techniken sowohl als Künstler und Entwickler wie auch als Kunde und Gamer. Meine Haltung zeigt sich darin, dass wir nie Golden Keys (für besonders seltene Gegenstände) in den Borderlands-Spielen verkauft haben. Wir hatten eine starke Nachfrage aus der Community, aber wir haben nicht nachgegeben. Wir gaben die Golden Keys nur über soziale Netzwerke und Partnerprogramme."

Dagegen sei er ein Unterstützer von DLCs, die nach der Veröffentlichung den Wiederspielwert und die Langzeitmotivation steigern sollen. "Als Kunde und als Entwickler finde ich, dass neue und eigenständige Inhalte, in die man viel Zeit und Energie investiert hat, es verdienen, vergütet zu werden."

Allerdings sei er gegen den aktuellen Wortgebrauch der Lootbox als Bezeichnung für eine Praxis, gegen die er sich voll und ganz ausspricht. Denn eine Lootbox an sich sei etwas Wunderbares, erklärt Pitchford und verweist ebenso auf die Borderlands-Reihe von Gearbox Software. Nur sich als Unternehmen für so etwas bezahlen zu lassen sei nicht vereinbar mit seinen Wertevorstellungen. Ebenso verstehe der Gearbox-Boss aber auch nicht, wie einige sich zwar gegen Grinding aussprechen, gleichzeitig aber nicht bereit sind, dafür zu bezahlen, das Grinding zu überspringen. "In diesem Fall bedeutet 'Grinding' nun mal das Spielen eines Spiels. Und wenn ein Spieler das Spiel in diesem Fall nun mal nicht spielen will, sich gleichzeitig aber auch weigert, Geld zu bezahlen, um das zu überspringen, dann habe ich genau einen Rat: Spielt nicht das Spiel."

Für die Videospieleindustrie sei es seiner Meinung nach wichtig, die Beziehung zu den Gamern als eine zwischen Unterhalter und Publikum aufrechtzuerhalten. "Die Form, die wir in unserem Medium verhindern müssen, ist die zwischen einem Zigarettenhersteller und einem Süchtigen."

Gamer, betont Pitchford, seien nicht interessiert an Diensten - sie wollen Spaß. "Manchmal ist ein Dienst ein notwendiges Grundgerüst für eine gewisse Sorte an Spiel, aber das sollte nicht das Ziel sein, sondern ein Werkzeug. Hier bei Gearbox Software plädiere ich für Gaah - Games as a hobby - als unser Motto."

Interessanter Standpunkt von Pitchford. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Borderlands-Reihe bislang immer von 2K Games veröffentlicht wurde. Und als Teil des Take 2 Interactive-Imperiums dürfte das Prinzip von Games as a service auch auf den nächsten Gearbox-Titel angewendet werden - und Borderlands 3 schreit mit seinen Lootboxen geradezu nach Monetarisierung.