Auf der Game Developers Conference 2014 sprach Storm8 Senior Game Designer Elizabeth Sampat über die Stellung von Frauen in der Spieleindustrie, und versuchte dabei auch mit Vorurteilen aufzuräumen.

"Ich habe nur eine Frage an die Leute, die denken, dass Frauen nicht in der Spieleindustrie arbeiten wollen: Habt ihr sie gefragt?"

Tatsächlich habe eine eigene Umfrage Sampats ergeben, dass 45 Prozent aller befragten Frauen, die in der Spieleindustrie tätig sind, schon immer in der Branche arbeiten wollten.

"Das ist nahezu die Hälfte. Oder, um es mal andersherum auszudrücken, das ist weniger als die Hälfte", so Sampat. Es sei wichtig, nicht mehr den lebenslangen, unbändigen Wunsch, in der Spieleindustrie arbeiten zu wollen, als wichtigstes Kriterium in der Rekrutierung neuer Mitarbeiter zu erachten. Man müsse auch denen Gehör schenken, die Neugierde zeigen oder sich neu für die Materie interessieren - also wie bei über der Hälfte aller Frauen, die derzeit in der Industrie arbeiten.

Es sei nicht ratsam, jemanden einzustellen, der völlig gegensätzliche Arbeitsethiken aufweise, da sich dies auch negativ auf die bestehenden Mitarbeiter auswirken könne. Doch jemand, der einfach nicht über die dummen 'Magic the Gathering'-Witze lachen konnte, sei noch lange kein Kandidat, den man dafür gleich wieder fortschicken müsse.

Damit spricht Sampat wohl die überwiegende Zahl der weiblichen Bewerber an, die in den meisten Fällen wohl kein besonderes Nerd-Interesse besitzen dürften. "Und falls ihr doch keine Frau finden könnt, die zu eurer Firmenkultur passt, habt ihr euch dann schon mal gefragt, ob das nicht daran liegen könnte, dass eure Firmenkultur...kacke ist?"

Es gebe nur zwei Wege, aus diesem Dilemma herauszukommen. Entweder man erhebt das Bild der einsamen Frau, die sich in einem Männerclub behauptet, zu einer Kultfigur. Oder, und das wäre die realistischere Herangehensweise, man stellt sich den Problemen und bekämpft gemeinsam das System, das Frauen unterdrückt. Es reiche nicht, ein paat reiche, weiße Frauen in wichtige Positionen zu setzen, die dann als Strohfrauen dienen sollen. Es gelte, mehr Frauen für die Industrie zu begeistern. Das derzeitige System, das junge Frauen für Wissenschaft und Technik begeistern soll, löse dieses Problem nur in Ansätzen und sei von daher zu überholen, wenn man echte Fortschritte sehen wolle.

"Ich sage das so klar und deutlich, wie ich kann", so Sampat. "Wenn es keinen Platz in der Spieleindustrie für euch gibt, dann f*ckt die Spieleindustrie. Ich will nicht hier sein, wenn ihr es nicht sein könnt. Und das ist etwas, was wir uns immer und immer wieder klarmachen müssen. Wir müssen einander daran erinnern, dass wir keine Betrüger sind, wir gehören hierher."