Andranik Ghalustians ist Österreichs größter Spiele-Sammler, vielleicht sogar Europas. Ganz sicher aber einer der größten Sammler von Spielen weltweit. Und die kleine Doku GAMEBOY widmet sich Ghalustians und seiner Sammlung.

Aktuelles - GAMEBOY: Doku über Österreichs größten Spiele-Sammler mit über 40.000 Spielen

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Andranik Ghalustians inmitten seiner beachtlichen Sammlung (Bild von heute.at)
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Wenn man den selben Geburtstag mit Konsolen-Pionier Atari teilt, kann man fast schon sagen, dass der Lebensweg in dieser Hinsicht bereits in die Wiege gelegt wurde. Zumindest bei Andranik Ghalustians trifft das zu. Ein Spielefan war der Österreicher zwar schon immer, das Sammeln begann er aber erst Ende der 90er Jahre. Die Initialzündung hierfür war ein Amiga 500, den er auf einem Flohmarkt erstand. Zuvor war er ein unbekümmerter Spieler wie viele andere auch. Um sich die neuesten Konsolen leisten zu können, verkaufte auch Ghalustians seine alten Konsolen mitsamt der Spiele. Die alten Konsolen hat er sich im Laufe seiner Zeit mittlerweile wieder nachgekauft.

Doch Videospiele und Konsolen zu sammeln, das ist ein zeitaufwendiges und vor allem teures Vergnügen. Daher suchen sich viele Anfänger eine Nische. Sei es das Super Nintendo, weil man damit seine Spieleleidenschaft begann, oder alte ganz alte-Prä-Video-Game-Crash-Konsolen von Herstellern wie Atari oder Mattel. Und wer sich seine Nische erst geschaffen hat, verlässt sie meistens auch nicht mehr. Manch einer sammelt auch nur PAL-Geräte, weil der Import und erst recht das Aufspüren alter Cartridges zu einer echten Qual à la Nadel im Heuhaufen ausarten kann. Und dann gibt es die Fraktion, die sich nur für Titel und Editionen interessiert, die selten sind, die einen hohen Wert besitzen. Für die sind solche Titel mehr Geldanlage denn Vergnügen.

Nicht so Ghalustians. Er besitzt nach eigener Aussage mittlerweile über 16.000 Exponate und über 500 Arcade Boards. Er bezeichnet seine Datenträger als Exponate, weil einige darunter auch Spiele-Sammlungen mit mehreren Spielen sein können. Rein nach Spielen gemessen schätzt er seine Sammlung auf 40.000 bis 50.000 Spiele. "Ich würde mich schon einen guten Videospieler nennen, das kann ich mich guten Gewissens bezeichnen", so Ghalustians zu Beginn der Mini-Doku GAMEBOY. Und das zu Recht.

"Auflagen für die Sammlung gibt es bei mir nicht. Viele beschränken sich zum Beispiel ausschließlich auf Arcadespiele, bestimmte Genres, Titel von bestimmten Herstellern oder Konsolenplattformen. Diese Limitierungen kannte ich beim Aufbau meiner Sammlung nicht", so Ghalustians in einem Interview mit In-Ga.Me.

Und noch etwas unterscheidet Ghalustians von anderen Sammlern: Er will seine Spiele tatsächlich auch spielen. Wer sich schon mit dem Sammeln beschäftigt hat, wird es kennen. Spiele, die noch OVP und am besten noch eingeschweißt sind, haben den größten Wert. In dieser Hinsicht unterscheidet sich das Sammeln von Konsolen und Videospielen nicht vom Sammeln anderer Gegenstände. Solche Sammler wollen ihre Spiele nicht spielen, sie wollen sie nur besitzen. "Wenn man dann fragt, 'Hast du es schon gespielt? Wie spielt sich das?' Das sind dann oft Titeln, die auf diversen Plattformen erschienen sind. 'Wie ist es denn jetzt auf dieser Plattform?' 'Ja, was fragst du mich da? Ich hab es noch nie aufgemacht. Bin ich wahnsinnig? Das bleibt doch eingeschweißt.'"

Ghalustians sehe sich zwar als Sammler, als ein Universalist mit Forscherdrang, er wolle aber auch die spielerische Erfahrung, die mit seiner gigantischen Sammlung einhergehe. Seine Sammelleidenschaft wurde durch das Internet auch immens erleichtert: Zuvor gab es nur die Möglichkeit, sich über einschlägige Spielemagazine wie Power Play oder Amiga Joker und natürlich die obligatorischen Flohmarkt-Besuche zu informieren und einzudecken. Gerade auch was seine neue Leidenschaft, die Arcade Boards betrifft, konnte Ghalustians durch das Internet viele Kontakte zu Händlern herstellen.

Erleichtert wurde seine Sammlung der Arcade-Titeln durch den JAMMA-Standard. Statt nur ein einziges Spiel wie die Dedicated Cabinets zu bieten, erlaubt es ein Universal Cab, die Platine einfach auszutauschen. So reichen Ghalustians seine 10 Arcade-Automaten, um die 500 Arcade Boards abspielen zu können. Besonders das Shmup-Genre hat es ihm angetan, also die typischen Arcade-Shoot 'em Ups. Sein derzeitiges Lieblingsspiel ist Raiden DX, das für ihn die meiste Langzeitmotivation bietet.

Natürlich gibt es heutzutage die Möglichkeit, sich dank MAME, dem Multiple Arcade Machine Emulator, die Arcade-Titel einfach auf den heimischen PC zu holen, doch für Ghalustians ist das keine Option, auch wenn er generell die Idee der Emulation nicht von sich weist, denn er weiß selbst, dass Datenträger wie Disketten und Kassetten über kurz oder lang ihren Geist aufgeben werden. Doch bei Arcade-Automaten ist er unnachgiebig.

"Die Erfahrung eines echten Spielautomaten, also des gesamten Cabs, ist auch mit der besten Emulation nicht zu 100 Prozent möglich", so Ghalustians in einem Interview mit Der Standard. "Wer zum Beispiel jemals den Klassiker 'Space Invaders' in seinem Originalautomaten gespielt hat, kennt den Unterschied. Durch eine geniale Konstruktion mit Spiegeln und indirekter Beleuchtung ergibt sich ein haptisches Gesamterlebnis, das eben viel mehr ausmacht als nur den Code. Aber auch bei den späteren Universal Cabs ist die Spielerfahrung eine ganz andere als per Emulation. Ein Arcadespiel im Automaten ist ein Gesamtkunstwerk."

Teile seiner Sammlung, für die er sogar eine eigene Wohnung besitzt, hat Österreichs größter Spielesammler in Zusammenarbeit mit Organisationen wie dem Ars Electronica Center in der Vergangenheit auch bereits ausgestellt. In Zukunft plant er weitere solcher Ausstellungen. Auch Vorlträge zum Thema Videospiele hat Ghalustians bereits angeboten. Zuletzt zum Thema Spielmechanikentwicklung im Shoot em Up Genre auf der GameStage Austria Veranstaltung.

Übrigens ist der studierte Philosoph auch im Berufsleben - wenn man so will - ein Sammler: er handelt mit Antiquitäten.

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